Ohne Kampf kein Sieg, ohne Sieg kein Frieden

Impuls zum Palmsonntag 2014 mit Worten des hl. Josefmaria

Münster, (ZENIT.org) Msgr. Dr. Peter von Steinitz | 435 klicks

Palmsonntag ist in besonderer Weise ein Fest des Friedens. Die Palm- und Olivenzweige deuten das an. Und wieder erahnen wir – wie so oft im Leben des Herrn – eine gedankliche Rückbindung an Geschehnisse des Alten Bundes.

“Dann wartete Noah sieben weitere Tage und sandte abermals die Taube von der Arche aus. Es stellte sich aber die Taube zur Abendzeit ein, und siehe, sie hatte ein frisches Olivenblatt in ihrem Schnabel. Da erkannte Noah, dass dieWasser sich von der Erde verlaufen hatten” (Gen 8, 10-11).

Der hl. Josefmaria weist in einer Homilie zum Palmsonntag darauf hin, dass Jesus selbst unser Friede ist, da er einen Neuen Bund zwischen Gott und seinem Volk geschlossen hat. Und er zitiert die Antiphon zur Austeilung der Palmzweige: “Die Kinder der Hebräer trugen Olivenzweige in ihren Händen. Sie zogen dem Herrn entgegen und riefen: Ehre in der Höhe!” Die alten Römer sagten : ‘Si vis pacem, para bellum’ (‚wenn du den Frieden willst, bereit den Krieg vor’ oder frei übersetzt: ‚wenn du Frieden willst, rüste auf!’) Das ist die rein weltliche Weisheit, die keine wirkliche ist. Denn der Friede, wenn er ein wahrer Friede ist und nicht nur Abwesenheit von Kriegshandlungen, geht über weltliches Denken hinaus. Mit ihm ist es ähnlich wie mit der Freiheit, der Wahrheit und dem Leben schlechthin. Diese unsagbar wertvollen Begriffe gehören zu unserer Welt (sollten gehören), aber sie reichen in die übernatürliche Welt hinein und haben dort ihre Verankerung. Aus diesem Grunde können wir sagen „Christus ist unser Friede“, denn der wahre Friede muss uns aus der Welt Gottes herübergebracht werden, sonst zerbricht er rasch wieder. Ebenso verhält es sich mit der Wahrheit, ja mit dem Leben selbst. Sie können auf Dauer keinen Bestand haben, wenn sie nicht in Christus gründen, denn er selber ist ja „der Weg, die Wahrheit und das Leben“ (Joh 14,6).

Der hl. Josefmaria Escrivá sagt in seiner Homilie weiter: “Christus, unser Friede, ist auch der Weg. Wenn wir den Frieden wollen, müssen wir seinen Schritten folgen” (Josefmaria Escrivá: ‘Der innere Kampf’, S. 181 ff.  aus “Christus begegnen”, Köln 1977).

Und hier kommt doch die alte heidnische Erkenntnis der Römer zum Zuge, wird allerdings verchristlicht: “Die Friede ist eine Folge des Krieges, des Kampfes, eines asketischen Kampfes, den jeder Christ in seinem Inneren ausfechten muss gegen alles, was in seinem Leben nicht von Gott ist: gegen den Hochmut, gegen Sinnlichkeit, Egoismus, Oberflächlichkeit und Engherzigkeit. Vergeblich ruft man nach äußerer Ruhe, wenn im Gewissen, im Grunde der Seele, die Ruhe fehlt, denn ‘aus dem Herzen kommen die bösen Gedanken, Mord, Ehebruch, Unzucht, Diebstahl, falsches Zeugnis, Gotteslästerung’ (Mt 15,19)” – ebda.

Auch die Muslime und Angehöriger anderer Religionen wissen um die Notwendigkeit eines solchen Kampfes. Der wirklich gläubige Muslim wird im “Dschihad” auch nicht äußere Gewalt sehen, sondern die Notwendigkeit eines jeden Menschen, gegen seine bösen Neigungen zu kämpfen. Die Asketen, vor allem die Sufis, sehen im Kampf gegen sich selbst (mudschahadat an-nafs) das höchste Ideal.

Uns Christen kommt da zu Hilfe, dass wir um die Erbsünde wissen, und darum, dass der Mensch unter ihren Folgen zu leiden hat, auch wenn die Sünde selber durch die Taufe getilgt worden ist.

Der hl. Josefmaria fragt sich – schon im Jahre 1971 –, ob die Rede vom Kämpfen nicht überholt sei. “Ist sie nicht ersetzt worden durch ein Reden nach der Mode, das die Preisgabe persönlicher Ideale mit einem pseudowissenschaftlichen Kostüm umhüllt? Besteht nicht stillschweigendes Einvernehmen darüber, dass die wirklichen Güter andere sind: Geld, für das alles käuflich ist, irdische Macht, Verschlagenheit, die dazu verhilft, immer oben zu schwimmen, und menschliche Weisheit, die sich selbst für ‘mündig’ erklärt und glaubt, das Heilige überwunden zu haben?” (ebda. S. 183)

Der Christ hat für seinen Kampf starke Hilfsmittel. Escrivá nennt drei: Gebet, Abtötung und Sakramente. Da Gott nichts Unmögliches verlangt, ist mit diesen drei Waffen der Kampf nicht nur möglich, sondern letzten Endes auch erfolgreich.

Viel hängt aber dabei ab von der Hilfestellung durch die von Gott bestellten Hirten. Der hl. Josefmaria sagte damals: “Es ist kein Geheimnis, dass einige Kirchenmänner heute anscheinend darauf aus sind, eine neue Kirche zu ‘fabrizieren’, indem sie Verrat an Christus üben und an die Stelle der geistlichen Ziele – des Heils der Seelen, und zwar des Heils jeder einzelnen – irdische Ziele setzen. Wenn sie dieser Versuchung nicht widerstehen, werden sie ihr heiliges Amt nicht mehr ausfüllen und beim Volk Vertrauen und Respekt einbüßen. Sie werden in der Kirche selbst eine furchtbare Zerstörung anrichten” (ebda. S. 195).

Der Palmsonntag weist uns auf den Kampf hin, den Christus selber führt. Es ist kein Kampf gegen Menschen, sondern gegen das Böse und den Bösen. Scheinbar wird er unterliegen. In Wirklichkeit geht er aus dem Kampf als strahlender Sieger hervor.

Auch uns ist die Freude des Ostermorgens bestimmt – wenn wir kämpfen.

Msgr. Dr. Peter von Steinitz, war bis 1980 als Architekt tätig; 1984 Priesterweihe durch den sel. Johannes Paul II.; 1987-2007 Pfarrer an St. Pantaleon, Köln; seit 2007 Seelsorger in Münster. Er ist Verfasser der katechetischen Romane: „Pantaleon der Arzt“ und „Leo - Allah mahabba“ (auch als Hörbuch erhältlich).