Ohne Prophetie herrscht Klerikalismus

Predigt des Papstes in Santa Marta

Rom, (ZENIT.org) Maike Sternberg-Schmitz | 367 klicks

Wenn es in der Kirche keine Prophetie gebe, habe der Klerikalismus überhand gewonnen. So die Worte von Papst Franziskus in der Predigt während der Messe in Santa Marta. Der Prophet sei derjenige, der auf die Worte Gottes höre und drei Momente in sich vereine: die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft.

„Die Vergangenheit: Der Prophet ist sich der Verheißung bewusst und er trägt in seinem Herzen die Verheißung Gottes, er lebt sie, er erinnert sich daran, er wiederholt sie. Dann schaut er auf die Gegenwart, er schaut sein Volk an und spürt die Kraft des Heiligen Geistes, um ihnen ein Wort zu sagen, das ihm hilft und sich aufrichten lässt, um den Weg in die Zukunft weiterzugehen. Der Prophet ist ein Mann der drei Zeiten: die Verheißung in der Vergangenheit; die Betrachtung der Gegenwart; Mut, um den Weg in die Zukunft zu weisen. Und der Herr hat sein Volk immer beschützt, mit den Propheten, in schwierigen Zeiten, in Momenten, in denen das Volk entmutigt und zerstört war, als der Tempel nicht mehr war, als Jerusalem sich in den Händen der Feinde befand, als es sich fragte: ‚Aber Herr, du hast uns diese Verheißung gegeben! Und was passiert jetzt?‘“

Dies sei der Madonna vor dem Kreuz geschehen, so der Pontifex weiter. In diesem Moment habe es des Propheten bedurft. Aber nicht immer werde der Prophet aufgenommen; oft werde er auch zurückgewiesen. Wenn aber im Volk Gottes die Prophetie fehle, sei das Leben Gottes nicht präsent.

„Wenn es im Volk Gottes keine Prophetie gibt, wird die Lücke, das dies hinterlässt, durch den Klerikalismus aufgefüllt: Dieser Klerikalismus ist es, der Jesus befragt: ‚Mit welchem Recht machst du dies?‘. Und die Erinnerung an das Versprechen und die Hoffnung weiterzugehen werden nur auf die Gegenwart reduziert: keine Vergangenheit, keine hoffnungsvolle Zukunft.“

Wenn es keine Prophetie gebe, trauere das Volk Gottes.

„Unser Gebet dieser Tage, in denen wir uns auf Weihnachten vorbereiten, soll sein: ‚Herr, lasse es deinem Volk nicht an Propheten fehlen.‘ Wir alle, die wir getauft sind, sind Propheten. ‚Herr, mögen wir dein Versprechen nicht vergessen! Dass wir nicht müde werden, weiterzugehen! … Herr, befreie dein Volk vom Geist des Klerikalismus und hilf ihm durch den Geist der Prophetie‘“.