Ökologische Bekehrung: EU-Politiker und Religionsvertreter betonen gemeinsame Verantwortung

Viertes jährliches Treffen in Brüssel

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BRÜSSEL, 6. Mai 2008 (ZENIT.org).- „Wir brauchen eine ökologische Bekehrung“. Mit diesem Zitat von Johannes Paul II. fasste Janez Janša, slowenischer Premierminister und derzeitiger EU-Ratspräsident, am Montag, dem 5. Mai, in Brüssel das Anliegen des vierten jährlichen Treffens der Präsidenten der EU-Institutionen mit den Vertretern der Kirchen und Religionsgemeinschaften in Europa zusammen. 21 Vertreter der monotheistischen Religionen Europas nahmen an der Begegnung mit dem Präsidenten der Europäischen Kommission, dem Präsidenten des Rates der EU und dem Präsidenten des Europäischen Parlamentes teil. Bei den Gesprächen wurde die gemeinsame Verantwortung für die Zukunft des Planeten bekräftigt.



Kardinal Franc Rodé, Präfekt der Kongregation für die Institute geweihten Lebens und für die Gesellschaften apostolischen Lebens, wies darauf hin, dass in der Bibel von der „Schöpfung“ anstelle der „Natur“ die Rede sei. Er bemerkte, es sei schwierig, sich für die „Natur“ verantwortlich zu fühlen, deren Begriff sich auf unerschöpfliche Ressourcen beziehe, während der Begriff der „Schöpfung“ an die Verantwortlichkeit des Menschen appelliere. Er betonte, dass „wir in der gegenwärtigen Welt zu einem asketischen und einfacheren Lebensstil berufen sind, um die Ressourcen der Schöpfung zu bewahren und mit den ärmsten Bevölkerungen zu teilen“.

Anders Harald Wejryd, Primas der lutherischen Kirche Schwedens, fügte hinzu, es sei die Pflicht der Religionen, sich im Kampf gegen den Klimawandel zu engagieren, da dieser Fragen der „Moral und Gerechtigkeit“ aufwerfe. In ihrer Funktion als Hoffnungsträger könnten die Religionen dazu beitragen, die durch scheinbar unüberwindbare Schwierigkeiten oft verdunkelte Herausforderung des Klimawandels anzunehmen.

Bischof Adrianus Van Luyn, Präsident der COMECE, schlug vor, seitens der EU neben dem Hohen Vertreter für auswärtige Beziehungen auch einen Hohen Vertreter der kommenden Generationen einzusetzen und beide zu Vizepräsidenten der Europäischen Kommission zu machen. „Das wäre ein weithin sichtbares Signal unserer Hoffnung auf ein Europa, das über die geographischen und zeitlichen Grenzen hinweg solidarisch ist.“ Hinsichtlich des zweiten Themas, der „Versöhnung zwischen den Völkern“, regte Bischof Van Luyn an, dass der zukünftige im Vertrag von Lissabon vorgesehene auswärtige Dienst der EU auch eine „Abteilung für den Dialog mit den Religionen“ erhält und dass die EU-Diplomaten bei ihrer Aus- und Weiterbildung auch Kenntnisse über Religionen und den interreligiösen Dialog vermittelt bekommen.

Der Präsident der Europäischen Kommission, José Manuel Barroso, schlug vor, im Kampf gegen einen „Zusammenstoß der Zivilisationen“ Europas Identität auf einer „versöhnten Vielfalt“ aufzubauen. Hans-Gert Pöttering, der Präsident des Europäischen Parlaments, merkte an, dass der interkulturelle Dialog ein andauernder Prozess sei, und verlieh seiner Hoffnung Ausdruck, dass die EU-Institutionen diesen Dialog mit den Glaubensgemeinschaften das ganze Jahr hindurch fortführen – in Vorwegnahme der Anwendung des Vertrages von Lissabon, dessen Artikel 17 einen „offenen, transparenten und regelmäßigen“ Dialog mit den Kirchen vorsieht.