Ökumene-Bischof Gerhard Ludwig Müller zum Evangelischen Kirchentag in Köln

| 381 klicks

WÜRZBURG, 11. Juni 2007 (Die-Tagespost.de/ ZENIT.org).- Der Regensburger Diözesanbischof Gerhard Ludwig Müller äußerte sich im Gespräch mit Regina Einig zum Evangelischen Kirchentags, der vor wenigen Tagen in Köln stattfand.



Nur ein Forum des Evangelischen Kirchentags befasste sich mit bioethischen Fragen, während die feministische Theologie und Homosexuelle mit eigenen Zentren gewürdigt wurden. Ist der Lebensschutz im ökumenischen Diskurs kein Thema mehr?

-- Bischof Müller: Wir haben Gespräche über bioethische Fragen geführt, doch der frühere Konsens bröckelt, vor allem beim Schutz des ungeborenen Lebens und bei Experimenten mit embryonalen Stammzellen. Mit Blick auf den ökumenischen Kirchentag 2010, der sich mit der gesellschaftlichen Wirksamkeit des Christentums beschäftigt, wäre es wichtig, bioethische Fragen wieder aufzugreifen und einen Konsens zu erreichen, damit die ethische Grundposition der Christen in der Öffentlichkeit voll und ganz Gehör findet.

In Bezug auf den Dialog mit dem Islam verwarf eine evangelische Theologin in Köln den Begriff der Profilbildung aus dem EKD-Perspektivpapier. Wie sehen Sie das?

-- Bischof Müller: Die originär protestantische Position besteht darauf, dass Muslime und Christen nicht den gleichen Gott verehren. Der Glaube an den trinitarischen Gott, der sich in Jesus Christus geoffenbart hat und sich uns im Heiligen Geist geschenkt hat, unterscheidet sich grundlegend vom unitarischen Gottesbegriff des Islam.

Leider hat auch die pluralistische Position im Protestantismus viel Zulauf, die eine Art Allgemein-Religiösität zu Grunde legt jenseits der Offenbarung Gottes in Jesus Christus. Nur wenn wir das christliche Profil herausarbeiten, können wir in einen Dialog mit Muslimen treten. Das Wesentliche der Offenbarung Gottes in Jesus Christus dürfen wir nicht relativieren.

Ist es sinnvoll, wenn Christen und Muslime – wie in Köln – gemeinsam die Bibel auslegen?

-- Bischof Müller: Natürlich können wir gemeinsam über die Bibel oder den Koran sprechen, aber eine gemeinsame Auslegung ist nicht möglich. Die Heilige Schrift wird in dem Geist ausgelegt, in dem sie geschrieben worden ist – im Heiligen Geist – der wesentlich zum christlichen Offenbarungsverständnis hinzu gehört. Eine gemeinsame „Auslegung“ ist ein literarischer Vorgang, aber keine vollmächtige Auslegung des Wortes Gottes.

Wie beurteilen Sie den Medienrummel um das Privatleben von Frau Käßmann?

-- Bischof Müller: Wer Bischof ist oder einer Landeskirche vorsteht, hat kein Privatleben, das unabhängig wäre vom Evangelium. Hier gelten die Grundsätze, die Jesus vorgegeben hat.

Dem Vernehmen nach wurde die Entscheidung von Frau Käßmann in Köln beklatscht und gutgeheißen nach dem Motto „die Frau steht als Geschiedene nun mitten im Leben drin“. Nach den Worten Jesu ist die Ehe jedoch unauflöslich für jeden, der sich auf Christus beruft.

Das gemeinsame Abendmahl bleibt Thema...

-- Bischof Müller: Es ist untragbar, wenn immer wieder propagiert wird, dass nach evangelischem Verständnis auch Katholiken zum Abendmahl eingeladen werden könnten. Katholische Christen dazu einzuladen, entgegen ihrem Glaubensbekenntnis zu handeln, ist eine Art Proselytismus.

Die Lehre der katholischen Kirche ist klar. Wir sind uns über die Enzyklika Ecclesia de Eucharistia von Johannes Paul II. einig. Auch Kardinal Lehmann und der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken haben mit Blick auf den ökumenischen Kirchentag 2010 hervorgehoben, dass für uns die Einheit mit Christus und der katholischen Kirche wesentlich für die eucharistische Gemeinschaft ist. Der Opfercharakter der Eucharistie und das sakramentale Priestertum sorgen auch heute für Lehr- und Bekenntnisdifferenzen, die nicht einfach übersprungen werden können.

[© Die Tagespost vom 9.6.2007]