Ökumenische Revolution „von unten“: Nationale Tagung von „Miteinander für Europa“ in München

Von Angela Reddemann

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MÜNCHEN, 10. Dezember 2007 (ZENIT.org).- Die ökumenische Sammlungsbewegung „Miteinander für Europa“ hat bei ihrer jährlichen Begegnung den zurückgelegten Weg in Deutschland mit den Stichworten Befreundung, Verbundenheit, Wertschätzung charakterisiert.



Am Samstag trafen sich in München 115 verantwortliche Vertreter aus rund 50 christlichen Gemeinschaften und Bewegungen, um die Entwicklung der Gemeinschaften seit dem Europakongress in Stuttgart im Mai 2007 auszuwerten.

P. Lothar Penners, Leiter der deutschen Schönstattbewegung, ermutigte die Tagungsteilnehmer zu Beginn, achtsam auf das Neue zu schauen, das Gottes Handeln unter den Bewegungen offenbart, und einander die Spuren seines heilsamen Wirkens zu kommunizieren.

Man habe unter dem Leitwort: „Gott sammelt sein Volk!“ auf einer ersten Etappe die Erfahrung einer neuen Sicht, größerer Tiefe und der Bejahung von Verschiedenheit gemacht. Das Miteinander habe sich in Glaubensstärkung und Ermutigung gebündelt, erläuterte Gerhard Pross vom CVJM in Esslingen.

Er verwies auf die große Bedeutung des „Gnadenereignisses“, das die jeweiligen Ökumenischen Europatage in Stuttgart 2004 und 2007 mit ihren vorgängigen Mitarbeiterkongressen als wesentliche Impulse für das Streben nach innerer Einheit bedeutet haben.

Als besonders gut und wertvoll empfanden die Verantwortlichen der Gemeinschaften bei ihrer Auswertung des Europatages in diesem Jahr die Atmosphäre der spürbaren Gegenwart Gottes; die Möglichkeit, Trennungen mit Jesus in der Mitte zu überwinden und gemeinsam gesellschaftlich relevante Handlungsfelder anzugehen. Das bekräftigte Sr. Anna-Maria aus der Wiesche, die der evangelischen „Communität Christusbruderschaft Selbitz“ angehört.

Große Bedeutung kommt dem wachsenden europäischen Netzwerk der Gemeinschaften zu. Es ermöglicht, neue Länder in diese „Ökumene von unten“ zu integrieren und miteinander mehr Vielfalt in Gebetsformen zu erleben.

Das Miteinander der Gemeinschaften hat ein Ziel, ein „für“: Europa in seinen Wurzeln zu erneuern, die christlichen Werte in Europa zu sanieren. Das war der Anruf, dem sich eine Gruppe von Leitern verschiedener Bewegungen 1998 gestellt hatte, erinnerte Severin Schmidt vom Lebenszentrum in Ottmaring.

„Machen wir nicht viele Programme“, hatte Chiara Lubich, Gründerin der Fokolar-Bewegung, zu Beginn der Begegnungen gesagt. „Die Partitur ist im Himmel geschrieben. Wir wollen auf den Heiligen Geist hören; auf das, was er uns zu sagen hat.“

Dieser ökumenische Weg habe unweigerlich Schritte der Versöhnung gefordert; man habe sich gegenseitig um Vergebung gebeten und Verzeihung geschenkt. Daraus sei eine Freundschaft gewachsen, die mit Jesus in der Mitte den Austausch der Herzen braucht. „Dieses Miteinander hat sich für Europa geöffnet und trägt es“.

Demnach sei jetzt für alle Beteiligten im ökumenischen Miteinander das Hören „auf die nächste Taktfrequenz“ sehr wichtig, bei der eine Vorbereitung für die Sendung Gottes anklinge, meinte Gerhard Pross. „Europa braucht Orte der Hoffnung, der Wahrheit und der Barmherzigkeit“, war das Schlaglicht aus der Stuttgarter Rede von Dr. Jürgen Müller.

Diese Herausforderung gälte besonders heute dem Volk Gottes, das innerhalb der gesellschaftlichen Strukturen Europas eine zentrale Rolle spielen muss. Dabei seien die Quellkräfte „sehr wichtig, die sich je nach dem Grad ihrer Verbindlichkeit ausdifferenzieren und in konzentrischen Kreisen ausbreiten“, mahnte Gerhard Pross.

Der Blick auf Länder wie Kroatien, wo am Netzwerk der Einheit derzeit intensiver geknüpft wird, stellt aber auch, so Pfarrer Thomas Römer vom CVJM München, eine Herausforderung zu konkreten Verpflichtungen zur Einheit dar. In Kroatien kämpften Christen gegen den Zerfall von verfassungsrechtlich gültigen Werten wie Ehe und Familie, und sie benötigten Signale konkreter Solidarität.

In Deutschland treffen sich schon jetzt rund 13 Gemeinschaften aus dem ökumenischen Raum regelmäßig, um Zielperspektiven abzustecken, Referenten und Ressourcen auszutauschen und so ihre Arbeit zum Wohl der Erhaltung von Ehe und Familie zu potenzieren.

Das Anliegen Gottes, so verdichtete es sich unter den Teilnehmern dieses Jahrestreffens, sei es, getragen vom Miteinander neue gemeinsame Aufgaben in den Blick zu nehmen, die als Anregung und Same nicht unbedingt „zwischen den Bewegungen“ gesät werden sollten, sondern „in die gute Erde der eigenen Bewegung fallen und dort wachsen sollen“, erklärte Marianne Schneppe von der Fokolar-Bewegung. Nur „mit den spezifischen eigenen Gaben“ könne das Miteinander gestaltet werden.

Für die kommende Zeit will man eine Besuchskultur zwischen den verschiedenen Gemeinschaften fördern, sich gegenseitig über Orte der Hoffnung und Orte der Gnade informieren und miteinander Ereignisse der Hoffnung organisieren.

Ja, so schloss Schönstattpater Lothar Penners, es müsse auf europäischer Ebene eine Kultur der Auferstehung gefördert werden. Es sollte eine im österlichen Geist geführte Revolution der Ökumene von unten geben, ein Aufstehen, ein neuer „Aufstand für Christus“ in Europa.