Ökumenische Versammlung im rumänischen Sibiu ist zu Ende

„Das Licht Christi scheint auf alle. Hoffnung für Erneuerung und Einheit in Europa“

| 1218 klicks

SIBIU, 10. September 2007 (ZENIT.org).- Am Sonntag ging in Sibiu/ Hermannstadt (Rumänien) die Dritte Europäische Ökumenische Versammlung zu Ende. Die Abgesandten der verschiedenen christlichen Konfessionen hatten auf Einladung der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) und des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen vom 4. bis zum 9. September getagt.



Das Ende der Versammlung wurde mit Gottesdiensten und einer gemeinsamen Schlussandacht begangen. In der Schlusserklärung regten die mehr als 2.500 Delegierten unter anderem an, dass die Christen Europas in der Zeit vom 1. September bis zum 4. Oktober für die Bewahrung der Schöpfung beten und einen entsprechenden Lebensstil pflegen sollten, umso ihren Beitrag zu Umweltverschmutzung und Klimawandel ein wenig wettzumachen. Vor allem die Delegierten aus Deutschland hatten sich in der Debatte zur Schlusserklärung dafür eingesetzt, das Thema Umweltschutz und Klimawandel in aller Klarheit anzusprechen.

Das fünfseitige Dokument, dem eine Botschaft der vorbereitenden Jugendversammlung von Ende Juli in Sankt Moritz angefügt ist, greift die Themen Einheit der Kirchen sowie Verantwortung in Europa und für die Welt auf. Die Herausforderungen, vor denen Europa heute steht, werden in der Erklärung auch als Herausforderungen der Kirchen beschrieben: Migration, die Millenniums-Entwicklungsziele der Vereinten Nationen, die Entwicklung Afrikas, der Klimawandel und die Bewahrung der Schöpfung.

Die Kongressteilnehmer in dem Dokument einen Beratungsprozess vor, in dem die europäische Verantwortung für ökologische Gerechtigkeit angesichts des Klimawandels, eine gerechte Gestaltung der Globalisierung und die Rechte von ethnischen Minderheiten, insbesondere der Roma, behandelt werden sollten. Sie warnen vor Antisemitismus und erklären ihre Solidarität mit christlichen Minderheiten im Nahen Osten und Irak.

Sechs Jahrzehnte Frieden in Europa seien ein kostbares Geschenk, das für andere fruchtbar gemacht werden müsse. Die Delegierten betonen, dass Krieg als Mittel zur Konfliktlösung abzulehnen sei und stattdessen gewaltfreie Lösungswege gefördert werden müssten. Sie drücken ihre Besorgnis über militärische Aufrüstung aus und erklären, dass Gewalt und Terrorismus im Namen der Religion eine Verleugnung von Religion sei.

Das christliche Zeugnis in Europa sei nur dann glaubhaft, wenn der Weg zur sichtbaren Einheit der Kirchen fortgesetzt werde. Einheit bedeute dabei nicht Einförmigkeit. Die europäischen Christen sprechen sich dafür aus, die Diskussion über die gegenseitige Anerkennung der Taufe fortzuführen, die in Deutschland im April dieses Jahres von elf Kirchen beschlossen und unterzeichnet wurde. Diese Frage sei eng verbunden mit der Frage des Abendmahls, des Amts- und Kirchenverständnisses.

Vincenzo Paglia, Bischof von Terni-Narni-Amelia, geistlicher Beirat der Bewegung „Sant’Egidio“ und Präsident der Ökumenekommission der Italienischen Bischofkonferenz sowie Mitvorsitzender des Gremiums, das den Schlusstext vorbereitete, hatte in seinem Beitrag die Einzigartigkeit der Veranstaltung hervorgehoben: „Auf der ganzen Welt gibt es keine vergleichbare Versammlung.“

Auch Papst Benedikt XVI. erwähnte während seiner Pilgerreise in Österreich die Bedeutung der Dritten Europäischen Ökumenischen Versammlung. In seiner Ansprache vor den Spitzenpolitikern des Landes und dem diplomatischen Corps erklärte er am 7. September in der Wiener Hofburg: „In diesen Tagen wird das christliche Glaubenszeugnis inmitten von Europa auch durch die Dritte Europäische Ökumenische Versammlung in Sibiu/Hermannstadt in Rumänien zum Ausdruck gebracht, die unter dem Motto steht: ‚Das Licht Christi scheint auf alle. Hoffnung für Erneuerung und Einheit in Europa‘.“

Am Samstag entzündete der Heilige Vater während der Vesper in der Basilika von Mariazell eine Kerze der „EöV3“.

Die Europäische Ökumenische Versammlung in Sibiu war nach Graz (Österreich) im Jahr 1997 und Basel (Schweiz) im Jahr 1989 die dritte dieser Art. Das Ende der Konferenz blieb nicht ohne eine nüchterne und kritische Bestandaufnahme, dies vor allem aufgrund des völligen Mangels an konkreten Ergebnissen oder Neuheiten auf dem Weg des ökumenischen Prozesses. Jenseits von Eindrücken und einer feststellbaren Mannigfaltigkeit, die gerne als Buntheit der Wirklichkeiten maskiert wird, wurde in erster Linie deutlich, dass der Weg zu einem echten und theologisch fundierten Miteinander aufgrund fehlender Fundamente für einen konstruktiven Dialog in weiter Ferne liegt.

Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur „idea“ zeigte sich die Vereinigung der europäischen Baptisten davon enttäuscht, dass im Schlussdokument der theologisch fundamentale Punkt des Taufverständnisses nicht vorkommt. Die Baptistische Feikirche lehnt die Kindertaufe als unbiblisch ab. Aus diesem Grund betonten die Delegierten aus Deutschland, Georgien, Großbritannien, Italien, Russland, Schweden und Ungarn, dass sie keiner Erklärung zustimmen könnten, in der die Kindertaufe mit der Taufe der Gläubigen als gleichwertig angesehen werde. Für die Baptisten ist es unmöglich zu sehen, „wie die Berufung auf eine gemeinsame Taufe die Basis für die sichtbare Einheit der gesamten Kirche werden kann“.