Ökumenische Vesper mit Bischof Müller im Vorfeld des Papstbesuchs

Elisabeth von Thüringen, Bach und Luther

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REGENSBURG, 19. September 2011 (ZENIT.org). - Zur geistigen Vorbereitung auf den Papstbesuch hat Bischof Gerhard Ludwig Müller von Regensburg als Vorsitzender der Ökumenekommission der Deutschen Bischofskonferenz am Samstag mit Regionalbischof Propst Reinhard Werneburg und den örtlichen Pfarrern der katholischen und evangelisch-lutherischen Gemeinden in der Lutherstadt Eisenach eine ökumenische Vesper gefeiert.

Der Gottesdienst fand in dem geschichtsträchtigen evangelischen Gotteshaus St. Georg statt. Hier heiratete die Patronin des Bistums Erfurt, die heilige Elisabeth, im Jahre 1221. Martin Luther predigte mehrfach in dieser Kirche und Johann Sebastian Bach empfing dort 1685 das heilige Sakrament der Taufe.

In einer Sternwallfahrt pilgerten die Geistlichen zusammen mit den Gläubigen von der Elisabethkirche, dem Lutherhaus sowie dem Bachhaus zur St. Georgskirche. Hier zogen die Pilger in das Gotteshaus ein, um gemeinsam die ökumenische Vesper zu feiern. Der Leitsatz des Gottesdienstes  hieß „Mut zum Zeugnis“. Über 400 Gläubige, darunter viele junge Menschen, bezeugten bereits hiermit ihren Glauben auf den Straßen des thüringischen Eisenachs.

Vor den Altar wurden als Symbol für die hl. Elisabeth Brot und Rosen, für Johann Sebastian Bach eine Orgelpfeife und für Luther eine Bibel niedergelegt. Auch Bischof Gerhard Ludwig Müller bezog sich in seiner Predigt auf die drei Persönlichkeiten. Bach, der auch mit dem anerkennenden Titel des fünften Evangelisten bezeichnet werde, verherrliche Gott durch seine großartigen Werke: „Hören wir seine Musik, so fühlen wir uns mit Gott verbunden. Er ist ein wahrer Botschafter des Evangeliums“, erklärte Bischof Müller.

Mit Elisabeth von Thüringen könne sich jeder schon als Kind identifizieren. Sie stehe für Güte und Sympathie und symbolisiere somit den christlichen Glauben. Sie gebe Zeugnis für alle Menschen, die Christus in die Mitte ihres Lebens gestellt hätten. Trotz ihrer aristokratischen Wurzeln habe sie stets vorgelebt, dass zwischen den Menschen keine Standesunterschiede bestehen dürften. Die Legende erzähle uns, dass sie beim Versuch, Brot an Arme zu verteilen, der Verschwendung bezichtigt worden sei. Also habe sie das Brot unter ihrem Mantel verborgen. Als sie diesen wieder öffnete, habe sich das Brot in Rosen verwandelt: „Diese Rosen stehen für die Liebe Christi. Damit ist die heilige Elisabeth ein Vorbild christlicher Nächstenliebe“.

Mit Martin Luther, erklärte Bischof Gerhard Ludwig Müller, habe er sich intensiv in seiner Studienzeit beschäftigt. Der Theologe werde zwar in der katholischen Kirche auch kritisch betrachtet, doch habe er auch Ansichten vertreten, die alle gläubigen Christen teilten: „Wir verdanken alles Gott! Und werfen all unser Vertrauen auf ihn. Denn dann werden wir hineingeführt in die einzige Wahrheit. Das verbindet uns bis zum heutigen Tag“, so der Oberhirte aus Regensburg. Und weiter: „Ich glaube, es ist wirklich möglich geworden, dass aus einem Gegeneinander früherer Tage ein Füreinander und Miteinander geworden ist. Wir stehen vor den gemeinsamen Herausforderungen der Gegenwart. In der kommenden Woche reist Papst Benedikt XVI. nach Deutschland und setzt mit den Begegnungen in Erfurt besondere ökumenische Akzente“.

Abschließend ermutigte Bischof Gerhard Ludwig die Gläubigen und betonte, dass es heute darum gehe, als Kirche gemeinsam Zeugnis für Christus abzulegen. Dafür, dass Christus alles für uns getan habe. Diese Hoffnung lasse niemanden zugrunde gehen, sondern trage alle mit frohem Herzen voran. Der gemeinsame Gottesdienst endete mit dem Segen von Bischof Müller und Regionalbischof Werneburg.