Ökumenischer Kirchentag feiert historische Erklärung zur wechselseitigen Anerkennung der Taufe

Tauferneuerung nach Limakonsens wurde in Deutschland von 11 Kirchen unterzeichnet

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Von Angela Reddemann

MÜNCHEN, 28. April 2009 (ZENIT.org).- Es war ein historischer und denkwürdiger Tag als genau vor drei Jahren, am 29. April 2007 die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD), die Deutsche Bischofskonferenz, orthodoxe und altorientalische Kirchen sowie Freikirchen auf der Ebene der Bundesrepublik Deutschland eine förmliche Erklärung über die wechselseitige Anerkennung der Taufe unterzeichneten.

Die Unterzeichnung der Vereinbarung setzten einen Meilenstein, der es eigentlich wert sei gebührender gefeiert zu werden, meinten die Mitglieder der Projektkommission des Geistlichen Zentrums des kommenden 2. Ökumenischen Kirchentags.

Dort findet deshalb auch im Rahmen der Feierlichen Abschlussveranstaltung des Geistlichen Zentrums in der Halle B2 am Samstag, den 15. Mai 2010 ein ökumenischer Gottesdienstes statt, der sich schlicht: „Tauferinnerungsfeier nach Lima" nennt.

Dort werden zum liturgischen Abschluss des Geistlichen Zentrums des 2. ÖKT um 18 Uhr leitende Vertreter der Projektkommission aus den beteiligten Kirchen anwesend sein, darunter der römisch-katholische Pfarrer Frank Hofmann aus dem Bistum Berlin, Pfarrerin Karin Hüttel von der Evangelischen Kirche der Kirchenprovinz Franken, der baptistische Pastor Thorsten Schacht aus Augsburg und Dr. Kirstin Faupel-Drevs von der Ansverus-Communität mitfeiern.

„Der Gottesdienst will mit dem berühmten Dokument von Lima, dessen Gültigkeit weithin nicht bis ins Kirchenvolk vorgedrungen ist unsere eine Taufe in Christus feiern", erklärte Karin Hüttel gegenüber ZENIT. „Wir haben da eine gültige gemeinsame Grundlage, die uns ermöglicht miteinander den gemeinsamen Schatz der Taufgnade zu feiern".

Es war im Mai 2002, als vom Präsidenten des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, Walter Kardinal Kasper, die Initiative ausging, sich in den Bischofskonferenzen mit dem Thema Taufe und mit der ökumenischen Bedeutung der wechselseitigen Anerkennung der Taufe zu beschäftigen und zwischen den Kirchen entsprechende Vereinbarungen zu unterzeichnen. Die Deutsche Bischofskonferenz hatte diese Initiative aus Rom aufgenommen und vorgeschlagen, die wechselseitige Taufanerkennung für den gesamten Bereich der Deutschen Bischofskonferenz und der EKD anzustreben.

Eine Arbeitsgruppe, der auch Vertreter der Kommission der Orthodoxen Kirche in Deutschland (KOKiD), der Evangelisch-methodistischen Kirche (zugleich für weitere Freikirchen) und der Altkatholiken (zugleich für die Anglikanische Kirche) angehörten, erarbeitete einen Text, dem der Rat der EKD und der Ständige Rat der Deutschen Bischofskonferenz zugestimmt haben.

Folgende Kirchen haben diesem gemeinsamen Text zugestimmt:

Äthiopisch-Orthodoxe Kirche,

Arbeitsgemeinschaft Anglikanisch-Episkopaler Gemeinden in Deutschland,

Armenisch-Apostolische Orthodoxe Kirche in Deutschland,

Evangelisch-altreformierte Kirche in Niedersachsen, 

Evangelische Brüder-Unität - Herrnhuter Brüdergemeine, 

Evangelische Kirche in Deutschland, 

Evangelisch-methodistische Kirche, 

Katholisches Bistum der Alt-Katholiken in Deutschland, 

Orthodoxe Kirche in Deutschland, 

Römisch-Katholische Kirche, 

Selbständige Evangelisch-Lutherische Kirche.


Anbei veröffentlichen wird den Text der Taufanerkennung vom 29. April 2007:

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Die christliche Taufe

Jesus Christus ist unser Heil. Durch ihn hat Gott die Gottesferne des Sünders überwunden (Römer 5,10), um uns zu Söhnen und Töchtern Gottes zu machen. Als Teilhabe am Geheimnis von Christi Tod und Auferstehung bedeutet die Taufe Neugeburt in Jesus Christus. Wer dieses Sakrament empfängt und im Glauben Gottes Liebe bejaht, wird mit Christus und zugleich mit seinem Volk aller Zeiten und Orte vereint. Als ein Zeichen der Einheit aller Christen verbindet die Taufe mit Jesus Christus, dem Fundament dieser Einheit. Trotz Unterschieden im Verständnis von Kirche besteht zwischen uns ein Grundeinverständnis über die Taufe.

Deshalb erkennen wir jede nach dem Auftrag Jesu im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes mit der Zeichenhandlung des Untertauchens im Wasser bzw. des Übergießens mit Wasser vollzogene Taufe an und freuen uns über jeden Menschen, der getauft wird. Diese wechselseitige Anerkennung der Taufe ist Ausdruck des in Jesus Christus gründenden Bandes der Einheit (Epheser 4,4-6). Die so vollzogene Taufe ist einmalig und unwiederholbar.

Wir bekennen mit dem Dokument von Lima: Unsere eine Taufe in Christus ist „ein Ruf an die Kirchen, ihre Trennungen zu überwinden und ihre Gemeinschaft sichtbar zu manifestieren" (Konvergenzerklärungen der Kommission für Glaube und Kirchenverfassung des Ökumenischen Rates der Kirchen, Taufe, Nr. 6).