Ökumenischer Weltgebetstag 2013

Kirchen fordern unbürokratische Aufnahme syrischer Flüchtlinge

Bonn, (ZENIT.orgDBK PM) | 821 klicks

Der Vorsitzende der Migrationskommission der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Norbert Trelle, und der Vorsitzende der Kammer für Migration und Integration der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Kirchenpräsident Dr. Volker Jung, haben den Einsatz der vielen Frauen gewürdigt, die sich in Deutschland und weltweit für den heutigen ökumenischen Weltgebetstag der Frauen engagieren.

Kirchenpräsident Jung und Bischof Trelle hoben das Motto des diesjährigen Weltgebetstages hervor: Ich war fremd – ihr habt mich aufgenommen. „Aus diesem kurzen Satz spricht das Grenzen überschreitende Vermächtnis Jesu. Die Solidarität mit Fremden und insbesondere mit Flüchtlingen durchzieht die gesamte Bibel. Kein Gebot wird darin so oft wiederholt, wie das, den Fremden, den Schutzsuchenden aufzunehmen“, so Kirchenpräsident Jung. „Angesichts von weltweit 43 Millionen Menschen auf der Flucht erinnert dieses Motto an eine der größten Herausforderungen unserer Zeit: die Aufnahme und den Schutz von Flüchtlingen“, ergänzt Bischof Trelle.

„In diesem Jahr beten wir für alle Menschen auf der Flucht vor Krieg und Gewalt. Wir denken dabei vor allem an die Menschen aus Syrien – Männer, Frauen und Kinder, die unter der Gewalt im Land leiden oder bereits davor geflohen sind. Ihnen gehört unser Mitgefühl, wir bringen ihr Leid vor Gottes Angesicht“, so Bischof Trelle. Über 850.000 Menschen seien bereits aufgrund der gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Regierungstruppen und oppositionellen Kräften in die angrenzenden Länder geflohen. Nach Angaben des Flüchtlingshilfswerkes der Vereinten Nationen seien fast 80 Prozent dieser Flüchtlinge Frauen und Kinder, die in solchen Krisen besonders schutzbedürftig sind. In dieser Situation komme der Unterstützung durch die Familie große Bedeutung zu, weshalb auch viele Flüchtlinge bereits bei Verwandten in der Region Zuflucht suchten, erläutert Kirchenpräsident Jung. Auch unter in Deutschland lebenden Syrern bestehe eine große Bereitschaft, Verwandten zu helfen und sie bei sich aufzunehmen.

Derzeit ist es aber für hier lebende Syrer so gut wie unmöglich, Angehörige zu sich zu holen. Beide Kirchen kritisieren schon seit geraumer Zeit die hohen Anforderungen an den Familiennachzug oder seinen vollständigen Ausschluss für viele Menschen, die aus humanitären Gründen hier leben. Um den syrischen Familien in der jetzigen Situation schnelle und unbürokratische Hilfe zukommen zu lassen, regen die beiden Geistlichen an, eine Aufnahme von Angehörigen gegebenenfalls auch außerhalb des regulären Familiennachzugsverfahrens zu ermöglichen. Das könne beispielsweise im Wege eines Kontingents erfolgen. „Ein solcher Schritt wäre nicht nur für die Betroffenen ein Ausweg aus der katastrophalen Situation, sondern auch ein Akt praktischer Solidarität mit den Nachbarstaaten Syriens, der über die finanzielle Hilfe hinausgehen würde, wie sie von der Bundesregierung bereits großzügig vor Ort geleistet wird“, erklärte Kirchenpräsident Jung.

Hintergrund

Seit über 100 Jahren gibt es die Weltgebetstagsbewegung. Heute feiern Menschen in über 170 Ländern weltweit immer am ersten Freitag im März den Weltgebetstag. Anregungen für den Gottesdienst werden jedes Jahr von Frauen aus einem anderen Land vorbereitet, in diesem Jahr kommen sie aus Frankreich. Nicht nur die Mitglieder des internationalen und der nationalen Vorbereitungskomitees gehören verschiedenen christlichen Konfessionen an. Auch in vielen Gemeinden vor Ort arbeiten ökumenische Gruppen bei der Vorbereitung und Durchführung zusammen. In der Gestaltung des Gottesdienstes werden die Botschaft der Frauen und ihre jeweilige Lebenssituation lebendig. Im gemeinsamen Gebet entsteht weltweit Solidarität von Frauen. Mit der Kollekte werden Frauenprojekte auf der ganzen Welt gefördert.