Ökumenisches Treffen in Assisi vom Vatikanischen Pressebüro vorgestellt

Pilger der Wahrheit, Pilger des Friedens

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VATIKANSTADT, 20. Oktober 2011 (ZENIT.org). – Das nächste ökumenische Treffen am 27. Oktober in Assisi ist am vergangenen Dienstag im vatikanischen Presseamt vorgestellt worden.

Mit dem Titel „Pilger der Wahrheit, Pilger des Friedens“, wird es einen Tag der Reflexion, des Dialogs und Gebets für den Frieden und die Gerechtigkeit in der Welt darstellen, 25 Jahre nach dem ersten von Johannes Paul II. eingesetzten Treffen.

Die Referenten an diesem Tag waren Kardinal Peter Kodwo Appiah Turkson, Präsident des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden; Msgr. Mario Toso, Sekretär dieses Päpstlichen Rates; Msgr. Pier Luigi Celata, Sekretär des Päpstlichen Rates für den interreligiösen Dialog; Don Andrea Palmieri, Beauftragter der Ostkirchen des Päpstlichen Rates für die Förderung der Einheit der Christen; Msgr. Melchor José Sánchez de Toca y Alameda, Untersekretär des Päpstlichen Rates für die Kultur und Pater Jean-Marie Laurent Mazas, vom Päpstlichen Rat für Kultur und Direktor von „Vorhof der Völker“.

Der Kern des Treffens werde die Idee der Wallfahrt sein, symbolisiert durch den Zug von 176 Repräsentanten der verschiedenen Religionen in die Richtung des Platzes des heiligen Franziskus und des Gebets, das die Teilnehmer privat vollziehen werden. Dialog und Gebet werden die spezifische Identität der Individuen respektieren und somit den Synkretismus vermeiden.

„Eine der Kritiken am ersten Assisi an Johannes Paul II. war gerade die Förderung des Synkretismus“, bemerkte Kardinal Turkson. Um das zweideutige Konzept bei diesem Treffen zu vermeiden „wollte man die Identität eines jeden Teilnehmers respektieren“, indem „jeder betet, wie er glaubt“.

Außer den Katholiken, den Buddhisten, Hindus, Muslimen, Schintoisten und den Vertretern der verschiedenen religiösen Traditionen werden auch einige Nichtgläubigen teilnehmen , die in die Initiative des „Vorhofs der Völker“ eingebunden sind.

Was die Moslems betrifft, wird deren Anwesenheit zahlreicher sein als in den vorangegangen Treffen, trotz der „Abkühlung des Verhältnisses“, wie die Universität von Al Azhar in Kairo es nannte. Diese Abkühlung sei nach der Bitte des Papstes um den Schutz der koptischen Christen eingetreten, auf die in der Weihnachtsnacht ein Attentat verübt wurde.

In Assisi werden die Führer der Delegationen, die mit dem Heiligen Vater auf das Podium auf dem Platz des Hl. Franziskus treten werden, am Ende des Tages ein Licht bekommen, das symbolisch angezündet werden wird.

Kardinal Turkson betonte, dass es dem Willen Benedikts XVI. entspreche, „das 25- jährige Jubiläum des historischen Treffens in Assisi am 27. Oktober 1986, eingeführt durch den seligen Johannes Paul II.“, festlich zu begehen. Darum werde er als „Pilger in die Stadt des Hl. Franziskus ziehen, seine Einladung an die Brüder von Christen der verschiedenen Bekenntnisse erneuernd, sich ihm bei diesem Weg anzuschließen, wie auch die Vertreter der religiösen Traditionen der Welt und idealer Weise alle Menschen guten Willens.“

Seine Eminenz fuhr fort: „Ziel des Tages in Erinnerung an das Treffen mit Gemeinschaften der Muslime am 23. September in Deutschland ist, einfach zu zeigen, dass man als religiöser Mensch und als Mensch guten Willens anstrebt, einen einzigen besonderen Beitrag zum Aufbau einer besseren Welt zu leisten, und gleichzeitig die Wichtigkeit anerkennt, im Dialog und im gegenseitigen Respekt zu wachsen.“                                                            

„Auch heute wie vor 25 Jahren braucht die Welt Frieden“, rief der Kardinal in Erinnerung und fügte hinzu: „Nach 25 Jahren der Zusammenarbeit zwischen den Religionen und des gemeinsamen Zeugnisses ist es Zeit für Bilanzziehung und für eine Wiederbelebung des Eifers, sich neuen Herausforderungen stellen zu wollen. Diese Einstellung ist in der finanziellen und ökonomischen Krise besonders von Bedeutung, die länger anhält als vermutet. In der Krise der demokratischen und sozialen Einrichtungen, in der Nahrungsmittel- und in der ökologischen Krise, mit den Auswanderungen biblischen Ausmaßes, mit den hinterhältigen Formen des Neokolonialismus, mit den andauernden Plagen der Armut und des Hungers, mit dem ungebremsten internationalen Terrorismus, mit den anwachsenden Ungleichheiten und religiösen Diskriminierungen.“

Und im Angesicht der jüngsten Ereignisse in Ägypten oder in anderen Regionen der Welt „brauche es ein Nein gegenüber jeglicher Instrumentalisierung der Religion. Die Gewalt zwischen den Religionen ist ein Skandal, der die wahre Identität der Religion entstellt, das Antlitz Gottes verhüllt und vom Glauben entfernt“, unterstrich Turkson.

„Der Weg der Religionen zu Gerechtigkeit und Frieden“, fuhr er fort, „benötigt notwendig den Einsatz des Gewissens, das nach dem Wahren und Guten strebt und kann nur von einer gemeinsamen Suche nach Wahrheit gekennzeichnet sein.“

„Die Suche der Wahrheit ist Voraussetzung, sich besser kennen zu lernen, um jede Form von Vorurteilen und Synkretismus zu überwinden, der die Identitäten trübt.“

Der Kardinal fuhr fort: „Dass alle an dem gemeinsamen Weg der Suche nach der Wahrheit teilnehmen müssen, bedeutet, die eigenen Besonderheiten zu erkennen, auf der Basis dessen, was uns gleich – wir sind alle befähigt für die Wahrheit - und verschieden zugleich macht“.

„Die Suche nach der Wahrheit“, ergänzte er „stellt die Bedingung dar, den Fanatismus und den Fundamentalismus auszumerzen und den Frieden ohne ein Aufzwingen der eigenen Überzeugungen gegenüber dem anderen zu erreichen.“ Sie ist „Bedingung, um das Durcheinander der Sprachen und den Laizismus zu überwinden, der meint, den Mitgliedern der menschlichen Familie den vorenthalten will, der Anfang und Ende ist.“

Der Kardinal hat sodann das Programm des Treffens vorgestellt: „Beim Eintreffen in Assisi wird man sich zur Basilika „S. Maria degli Angeli“ begeben, wo ein Moment des Gedenkens der vorangegangenen Treffen und die Vertiefung des Themas des Tages stattfinden wird. Es werden Vertreter einiger der anwesenden Delegationen vortragen und auch der hl. Vater wird das Wort ergreifen.“

„Es wird ein bescheidenes Mittagessen geben, an dem alle Delegierten teilnehmen werden: ein Essen als Zeichen der Genügsamkeit, welches das brüderliche Zusammenkommen ausdrücken vermag, und gleichzeitig die Teilnahme an den Leiden so vieler Männer und Frauen bestätigt, die den Frieden nicht kennen. Es wird dann eine Zeit der Stille für Besinnung und Gebet folgen. Am Nachmittag, werden alle Anwesenden in Assisi an einer Wegstrecke teilnehmen, die zur Basilika des Hl. Franziskus führt. An dieser Wallfahrt werden beim letzten Abschnitt auch die Mitglieder der Delegationen teilnehmen. Sie stellt den Weg eines jeden menschlichen Daseins in der eifrigen Suche der Wahrheit und im aktiven Aufbau der Gerechtigkeit und des Friedens dar. Die Wallfahrt wird sich in der Stille abspielen, um jedem Raum für das persönliche Gebet und die Meditation zu geben.“

[ZENIT-Übersetzung des aus dem Italienischen]