Olivier Messiaen: Die Kraft einer Botschaft

In der belgischen Hauptstadt fand ein internationales Kolloquium über den Komponisten und Theologen statt

| 414 klicks

Von Anita Bourdin

ROM, 10. Mai 2012 (ZENIT.org). - Der Komponist Olivier Messiaen war tief verwurzelt in der Tradition (seine Leidenschaft galt dem gregorianischen Gesang), in der Natur und in der Moderne, ein unkonventioneller Professor und auf seine ganz eigene Art und Weise sogar Theologe. Im Folgenden werden einige der während drei Tagen in Brüssel, Belgien, beleuchteten Eigenschaften seiner „widersprüchlichen“ Persönlichkeit, des „seltenen Sterns , angeführt.

„Messiaen. La forza di un messaggio“ (“Messiaen. Die Kraft einer Botschaft“): So lautete der Titel eines in der belgischen Hauptstadt vom 3. Bis 5. Mai veranstalteten internationalen Kolloquiums anlässlich des 20. Todestages des am 27. April 1992 verstorbenen französischen Komponisten und Inhaber der Organistenstelle an der  Pariser Kirche „La Trinité“.

Die Gespräche fanden als öffentliche Veranstaltung mit Konzert und Recital an der Königlichen Akademie Belgiens statt, die die Veranstaltung in Zusammenarbeit mit dem „Collège Belgique“ organisiert hatte.

Das Organisationskomitee ließ folgendes verlautbaren: „Der vor zwanzig Jahren verstorbene Messiaen hat ein beachtliches Oeuvre hinterlassen. In seinem Fall ist sein Werk nicht, wie so oft nach dem Tod eines Komponisten, in Vergessenheit geraten. Woran erkennen wir heute nun die Kraft seiner Botschaft? Messiaen: Eine Botschaft für die Gegenwart? Inspiriert von dieser Veranstaltung beabsichtigt die Königliche Akademie Belgiens einem seiner Mitglieder und einem der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts, eine ganz besondere Ehre zu erweisen.

Im Gespräch mit ZENIT erklärte Pierre Guillemet, Kulturbeauftragter und Verantwortlicher für den audiovisuellen Bereich des Service für Kulturkooperation und -realisierung (SCAC) der Französischen Botschaft in Belgien, dass es sich um eine sehr originelle Veranstaltung handle, die von einem Partnerschaftsabkommen mit dem Kulturservice der Französischen Botschaft in Belgien profitiere. Dieses sei an den Aktivitäten der Königlichen Akademie Belgiens und des „Collège Belgique“ beteiligt.

Guillemet erläuterte: „Anlässlich dieses außergewöhnlichen Zusammentreffens 20 Jahre nach dem Tod Messiaens hat das Kulturservice der Botschaft (…) dem Präsidenten der Akademie, Pierre Bartholomée, und den Veranstaltern des Kolloquiums bereitwillig seine Unterstützung zugesagt; ganz besonders durch eine erleichterte Teilnahme der verschiedenen „hochrangigen“ französischen Referenten“.

Mernier wies auf eine weitere Neuerung hin: Die vom Theologen Pascal Ide vorgenommenen Klarstellungen in Bezug auf Messiaens Beziehung zum Glauben.

Laut Mernier gehe es darum, den Komponisten erneut mit einer Tradition in Verbindung zu bringen. Messiaen habe sich auf Debussy, Mozart, Wagner und Monteverdi berufen, jedoch ein einzigartiges Werk hinterlassen, einen „äußerst seltenen Stern“, der manchmal „kunstvoll“, manchmal „ursprünglich“ erscheine und durch eine „sehr konkrete Beziehung zur Natur“ geprägt sei.

Mernier erkennt in Messiaen eine „widersprüchliche“ Persönlichkeit, die zugleich jedoch „in der Tradition verankert“ sei und einen „modernen Überschwang“, „eine Ausrichtung an die Zukunft “ zeige. Er sei der Urheber eines „stilistisch ausdrucksstarken“ Werkes, der in nur wenigen Sekunden erkennbar werde. Dieser Stil sei „gut beschreibbar“ und beeinflusst von „allem, das vor ihm war“, „verliebt in den gregorianischen Choral“, die „unsere älteste westliche Musik“ sei.

Herausragend unter den verschiedenen Programmpunkten des Konzert war das Stück „Messagesquisse sur le nom de Paul Sacher“ des französischen Komponisten und ehemaligen Messiaen-Schülers Pierre Boulez. Der bekannte Celliste Mstislav Rostropovic hatte das Werk zum 70. Geburtstag des Mäzens Paul Sacher in Auftrag gegeben.

[Übersetzung des italienischen Originals von Sarah Fleissner]