Olympiaseelsorger P. Maier SDB: „Gläubigen Sportlern kann Gott unendlich viel geben“

Interview über Höchstleistungen in Spitzensport und Alltag

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WIEN, 11. Juli (ZENIT.org).- P. Bernhard Maier SDB wird die österreichische Olympia-Mannschaft in diesem Sommer bereits zum 14. Mal betreuen. Und nach den Sommerspielen, die vom 4. bis zum 21. August in Peking (China) stattfinden, wird er vom 3. bis 18. September zum fünften Mal auch die Mitglieder des Paralympischen Teams dorthin begleiten.



P. Maier freut sich auf seine Aufgabe und möchte sein Bestes für die Sportler geben: als Gesprächspartner und guter Freund aller, beim Feiern von Erfolgen oder auch beim Trösten, wenn es nicht optimal gelaufen ist. Gerne kommt er auch als Fan zu Trainings- und Wettkämpfen. Die besondere Herausforderung in China ist nach seinen Worten die religiöse Situation, aber er ist überzeugt, dass es gelingen wird, Gottesdienste anzubieten für alle, die das wünschen.

ZENIT sprach mit dem Ordenspriester über seine Erfahrungen als Olympiaseelsorger, den Glauben der Spitzensportler und „Höchstleitungen“ im Alltag.

ZENIT: Was waren die ergreifendsten Momente in Ihrer langen Laufbahn als Olympiaseelsorger?

P. Maier: Vielleicht darf ich zunächst ergänzen, dass ich nicht nur Olympia- sondern auch Paralympicseelsorger sein darf. Denn so viele unterschiedlichst  Behinderte im Alltag und beim Sporttreiben zu erleben, mit ihnen zusammen zu sein, das ist ergreifend. Vor allem den Mut und deren Optimismus zu erleben, aber auch die sportlichen Spitzenleistungen, das möchte ich nicht missen.

Eine ganz besonders große Freude als Olympia- und Paralympicseelsorger stellt sich dann ein, wenn wieder ein gut besuchter Gottesdienst mit Spitzensportlern gelungen ist und diese danach fröhlich und entspannt sind.

Als ich 2007 vom österreichischen Skiverband zur Privataudienz des österreichischen Skiteams bei Papst Benedikt XVI. eingeladen wurde, war das einer meiner sportseelsorglichen Höhepunkte.

ZENIT: Was kann Gott einem Sportler „geben“?

P. Maier: Gläubigen Sportlern kann Gott unendlich viel geben: Gelassenheit in schwierigen Momenten, Dankbarkeit bei großen Erfolgen, Halt und Trost in Niederlagen und bei Verletzungen.

Einen Spitzensportler habe ich kennen gelernt, der als absoluter Top-Favorit den Sieg und damit die Goldmedaille um zwei Tausendstel Sekunden verfehlt hat. Ganz ruhig und gefasst hat er mir gesagt, dass der liebe Gott schon wisse, wo und wann er ihm in seinem Leben diese zwei Tausendstel Sekunden geben werde.

ZENIT: Das Wort „Seelsorger“ sagt schon: Es geht um das Heil der Seele. Sollte außer Spitzensportlern nicht auch jeder andere einen Seelsorger in Anspruch nehmen? Sind nicht wir alle zu „Höchstleistungen“ berufen?

P. Maier: Stolz oder falsches Heldentum führen bei vielen Menschen dazu, dass sie versuchen, mit allen Problemen selbst fertig zu werden. Sie kapseln sich ein und werden vielleicht hart und verschlossen. Wer hingegen offen ist und auch Hilfen annehmen kann, wird letztlich resistenter und bewältigt die Herausforderungen des Lebenskampfes besser. Dabei sind die Hilfen aus unserem christlichen Glauben die wohl wirksamsten.

Der heilige Paulus, dessen Gedenkjahr von Papst Benedikt ausgerufen wurde, hat das Leben mit einem sportlichen Wettkampf verglichen und die Christen aufgerufen, um den ewigen Siegespreis zu kämpfen. Dieser „Wettkampf“, dieses Bemühen um das ewige Leben, wird vom modernen Menschen verharmlost. „Es wird schon etwas geben“, oder: „Ich lasse mich überraschen, wie oder ob es 'drüben' weiter geht“, sind typische Floskeln, die jede ernstere Frage nach dem Sinn des Lebens verdrängen. Nach Jesu Botschaft aber muss bei aller Geschenkhaftigkeit das Himmelreich - die Gottesgemeinschaft - doch verdient werden. Jedes menschliche Leben mit dem christlichen Anspruch zur Gottes- und Nächstenliebe ist somit eine Art „Höchstleistung“.

[Das Interview führte Dominik Hartig]