Opfer des Kommunismus in der Slowakei

Gedenkstätte für die Unauffälligen Helden

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ROM, 3. Dezember 2012 (ZENIT.org). – „Die Zeit des totalitären Regimes hat gravierend die Geschichte unseres Landes beeinflusst. Deshalb ist es sehr wichtig, sogar direkt unvermeidlich, dass auch die Slowakei eine würdevolle Institution hat, die an die Verbrechen und die Opfer dieser Ära erinnert.“ Der Autor dieses Aufrufs vom 25. November 2010 für die Entstehung eines Museum der Verbrechen des Kommunismus in der Slowakei ist der Vorsitzende des Bürgervereines „Die unauffälligen Helden“, Franz Neupauer (Neubauer).

In Bratislava, der Hauptstadt der Slowakei, ist nunmehr am 16. November, dem symbolischen Datum der Wende, das „Museum der Verbrechen und der Opfer des Kommunismus“ vorläufig eröffnet worden (Die offizielle Eröffnung ist für März 2013 geplant). Es reiht sich in weitere „Stätten der Erinnerung“ in mehreren Städten der ehemals kommunistisch regierten Länder ein.

Unterstützung fand diese Idee von mehreren Institutionen sowie von fast 3000 Bürgern der Slowakischen Republik (SR). Auch die ehemalige Ministerpräsidentin, Frau Iveta Radicova, hatte diesem Vorhaben ihre Aufmerksamkeit gewidmet. Sie hatte geplant, ein Museum des Kommunismus in unmittelbarer Nachbarschaft der Regierungs-Gebäude der SR zu errichten. Mit der Realisierung war das Slowakische Kultusministerium beauftragt worden. Dieses Vorhaben hat der Staat nach den Neuwahlen mit einem der Sieg der Mittelinks-Parteien fallen gelassen und keine Mittel mehr zur Verfügung gestellt. Aus diesem Grunde wird jetzt das Museum nur durch Spenden von Bürgern und Einzelpersonen, auch aus dem Bereich der Justiz, unterstützt und finanziert. Das alles geschieht dank der Initiative „Die unauffälligen Helden“ und der Unterstützung der Hochschule für Gesundheit und Sozialarbeit „Heilige Elisabeth“.

In den Dachräumen der Hochschule, die Rektor Vladimir Krcmery, ein Neffe von Silvester Krcmery, dem führenden Mitglied der Untergrundkirche ‑ die während der kommunistischen Diktatur nur unter schwierigsten Bedingungen im Geheimen wirken konnte ‑ zur Verfügung gestellt hat, wird der Zeitraum vom kommunistischen Putsch 1948 bis zum Zusammenbruch der kommunistischen Diktatur 1989 dargestellt, mit Schwerpunkt auf dem persönlichen Schicksal vieler, die der Diktatur Widerstand geleistet haben (Das Regime hatte im April 1949 eine Kommission zur systematischen Unterdrückung der katholischen Kirche eingesetzt).

An dieser Hochschule war auch die im Jahr 2003 von Papst Johannes Paul II. selig gesprochene Cäcilia Scheling (Zdenka Schelingova), ausgebildet worden. Die im Jahr 1916 in Krivá in einer Bauernfamilie als zehntes von elf Kindern geborene Barmherzige Schwester vom Heiligen Kreuz arbeitete in einem Krankenhaus im ehemaligen Pressburg, heute Bratislava, als Pflegerin und später als Röntgenassistentin, auch als 1950 die Orden als „Widerstandsnester gegen die Volksrepublik“ durch die kommunistische Partei aufgelöst wurden. Im Februar 1952 beteiligte sich die Schwester an den Vorbereitungen zur Flucht eines Priesters, Stefan Kostial, der wegen eines gescheiterten Fluchtversuchs und den anschließenden Folterungen während der Inhaftierung im Krankenhaus lag, später an der Flucht von sechs weiteren inhaftierten Priestern. Kortial konnte fliehen, die Flucht der anderen misslang; es handelte sich um eine Falle der geheimen Staatspolizei. Schwester Cäcilia wurde verhaftet und unmenschlichem Verhör und Folterungen ausgesetzt. Schließlich wurde sie wegen „Hochverrats“ zu zwölf Jahren Haft und zehn Jahren Verlust der bürgerlichen Rechte verurteilt. Sie starb im Jahr 1955 im Alter von nur 39 Jahren, durch Folter und Haft entkräftet. Da das kommunistische Regime keine Märtyrer wollte, war sie aus dem Gefängnis entlassen worden, als sich ihr nahender Tod abzeichnete.

Diese ersten Etappe der Ausstellung konzentriert sich auf die Dokumentierung der Schicksale all der unrechtmäßig Verurteilten, die nach dem November 1989 rehabilitiert worden sind.

Neupauer ist immer noch dabei, Exponate für die Sammlung zusammenzutragen. Mittelfristiges Ziel des Museums ist es, auch totalitäre Regime außerhalb Europas zu dokumentieren. [jb]