"Option für die Armen auch in Klimadebatte"

Kardinal Marx fordert ökologisches Engagement unter Berücksichtigung sozialethischer Aspekte. Symposium über "Nachhaltigkeit" zum Besuch von Patriarch Bartholomaios I. in München

München, (Erzbistum Muenchen und Freising) | 238 klicks

Der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx, hat dazu aufgerufen, die „Option für die Armen, Unterdrückten und Marginalisierten auch in der globalen Klimadebatte immer wieder ins Bewusstsein“ zu rücken. Bei einem von der Erzdiözese veranstalteten Symposium zum Thema „Nachhaltigkeit“ in München am Freitag, 16. Mai, anlässlich des Deutschlandbesuchs des Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomaios I., zeigte sich Kardinal Marx besorgt über die im jüngsten Bericht des Weltklimarats veröffentlichten Zahlen zum Anstieg der CO2-Emissionen. Insbesondere kritisierte Marx die „augenfällige Diskrepanz zwischen den Hauptverursachern entstehender Emissionen und der direkten und häufig lebensbedrohenden Betroffenheit von deren Folgen“.  

Die ökologischen Herausforderungen der Gegenwart seien „aufs Engste mit den sozialen Fragestellungen verknüpft“, erklärte Marx und betonte: „Das Bemühen um ökologische Gerechtigkeit steht immer in einem engen Wechselverhältnis mit der Herausforderung der Gerechtigkeit für alle Menschen, heute und zukünftig. Das gilt im weltweiten ebenso wie im europäischen und nationalen Kontext.“ 

Nach Ansicht von Kardinal Marx dürften soziale Ungerechtigkeiten, die eine „allzu zaghafte und zögerliche Klimapolitik“ in den westlichen Ländern bewirkten, „Christen nicht kalt lassen“. Vielmehr müssten die sozialen Folgen des drohenden Klimawandels immer wieder neu und kritisch zu Gehör gebracht werden. Ähnliches gelte für die Debatte über die Energiewende in Deutschland, erklärte Marx. Der Kardinal zeigte sich erfreut über die breite Akzeptanz des Umstiegs auf regenerative Energien, warnte aber zugleich davor, die Lasten einseitig zu verteilen: Die „sozialen Kosten dieses Umbaus im laufenden Betrieb“ dürften nicht aus dem Blick geraten, und es müsse der Grundsatz gelten, „dass starke Schultern mehr tragen können als schwächere“. Zu berücksichtigen sei dies etwa bei der Frage nach der Befreiung bestimmter Unternehmen von der Erneuerbare-Energien-Gesetz-Umlage (EEG-Umlage) oder auch in der Frage, inwiefern steigende Energiekosten in der Sozialgesetzgebung oder im sozialen Wohnungsbau berücksichtigt werden müssten: „Neben der EEG-Novellierung geht es gleichermaßen um adäquat flankierende Sozial- und Wohnungspolitik.“ (ck)

(Quelle: Webseite des Erzbistums München und Freising)