Oratorium: Wo sich Spiel und Evangelium treffen

Logik des Evangeliums einatmen

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Von Antonio Gaspari

ANCONA, 12. September 2011 (Zenit.org). – „Das Spiel, das in den Oratorien stattfindet, kann ein Schlüssel zur Unterweisung im Evangelium und zu seiner Umsetzung sein“.

Dies hatte Don Marco Mori, der Vorsitzende des Forums der Italienischen Oratorien (FOI), in seiner Rede am Mittwoch vor dem Nationalen Eucharistischen Kongress  unterstrichen, der gestern in Ancona zu Ende ging.

„Wenn man in unserer Umgebung an das Spiel denkt“, erklärte Don Marco, „besteht die Gefahr einer rein theoretischen Betrachtungsweise. Das heißt, man anerkennt die Bedeutung eines Vortrags über das Spiel im pädagogischen, psychologischen oder soziologischen Stil, aber man spielt dann nicht. In der Seelsorge spielt man nicht, oder genauer gesagt, das Spiel wird „ertragen“, manchmal wird es banalisiert und in der pastoralen Tätigkeit bestenfalls als Lückenbüßer betrachtet“. Nach den Worten des Vorsitzenden des FOI müsse man eine pastorale Doppeldeutigkeit aufgeben, die das Spiel nur als eine Ouvertüre ansähe.

„Dagegen meint ‚Spiel und Evangelium‘ etwas anderes:“, unterstrich Don Marco, „Die Konkretheit des Spiels innerhalb der Verkündigung des Evangeliums, der Entdeckung Jesu und des Aufbaus einer christlichen Gemeinde“.

Nach Ansicht des Präsidenten des FOI „ist es möglich, dass das Spiel ein Weg der Evangelisation wird“. Don Marco erläuterte, dass das Spiel nicht das erste Mittel zur Evangelisation sei, aber es erlaube mit Sicherheit, „uns und unseren jungen Leuten, den Herrn Jesus mehr zu entdecken“. Er betonte: „Nicht wenn es den jungen Leuten hilft, zur Messe zu gehen, sondern wenn es hilft, die Logik des Evangeliums einzuatmen, damit daraus der Wunsch entsteht, sich weiterhin von dieser Erfahrung zu nähren, auch durch andere Handlungen, einschließlich der Sakramente, dann ist es gut“.

Der Priester sagte, dass er ganz überzeugt sei, dass das Spiel diese Fähigkeit besäße und dass in der Praxis die Oratorien auch in dieser Richtung hin wirkten.  Don Marco nannte daher einige Punkte, die das Spiel zu einem wichtigen Mittel zur Erziehung für das Leben und für das Evangelium machen. „Das Spiel ist vielleicht eine der wenigen Tätigkeiten geblieben, die die Menschen verbindet und sie  ihre wirkliche Zusammengehörigkeit spüren lässt, die es erlaubt, Unterschiedlichkeiten und Distanzen zu vergessen und eine Logik des gemeinsamen Respektes herzustellen“. Das Spiel sei auf Werte wie Unentgeltlichkeit, Freiheit, Ganzheitlichkeit, Leiblichkeit bezogen. Zum Spielen, wie auch zum Hören des Evangeliums, werde niemand gezwungen. Aber wenn jemand spielen (und das Evangelium hören) wolle, müsse er es ganz tun, auf der Ebene des Kopfes und der Muskeln, des Herzens und des Verstandes.

Das Spiel erzeuge nicht unmittelbar sichtbare Ergebnisse, aber es könne lebenswichtige und -notwendige Güter hervorbringen, wie Annahme, Beziehung, gemeinsames Wohlergehen. Es gewähre, dass die Kleinen wirklich im Mittelpunkt stehen, weil es nach ihrem Maß gemacht sei und die Großen zum Hören verpflichte.

Für Don Marco ist das Spiel „auch eine große Schule der Erziehung für das Oratorium, denn es gestattet durch seine Einfachheit und Unmittelbarkeit, auch die konkretesten Aspekte des Lebens und der Erziehung zu berühren: Sich die Hände zu beschmutzen mit einigen mehr prosaischen Bereichen der jungen Leute, wie der Rivalität, der Konkurrenz, der Beherrschung der Gefühle ...“.  

Der Präsident beendete seine Rede mit zwei Zitaten. Das erste bezieht sich auf den heiligen Johannes Bosco. In dem Brief aus Rom vom 10. Mai 1884 werde von dem heiligen Erzieher eine surreale Situation beschrieben, in der im Oratorium weniger Freude als früher herrsche, obwohl es mehr erzieherische Kompetenzen und mehr junge Leute gäbe. Was fehle? Die Rekreation! Genauer gesagt, die Tatsache, dass die Erzieher mit den jungen Leuten nicht nur in offiziellen Zeiten der Unterweisung, sondern auch in den inoffiziellen spielten. Die Rekreation erscheine als Ort des Hörens und der Offenbarung einer aufrichtigen Suche nach dem Heil der Seelen. Hier würde man sehen, ob du ein Erzieher nur von Beruf wegen oder aus Berufung seiest. Wer nicht mit seinen jungen Leuten spiele, kenne sie nicht und liebe sie nicht.

Das zweite Zitat bezieht sich auf die Unterweisung von Johannes Paul II. Bei der Audienz für die FIFA im großen Jubiläumsjahr 2000 (11. Dezember 2000) habe der Papst gesagt: „Ihr habt als euer Motto gewählt ‚Zum Wohl des Spiels‘. Zweifellos kann das Wohl des Spiels auch ein wichtiger Teil des Wohls der Welt sein!“

Don Marco sagte abschließend: „Genau wie die Eucharistie, die eines der wertvollsten Güter ist, die wir haben. Niemals ist die Gelegenheit vorbei, das Gute zu sehen und zu kosten, denn sie muss kultiviert und entdeckt und immer trainiert werden: Auch das Spiel kann seinen Teil zum Guten beitragen“.

[ZENIT-Übersetzung des italienischen Originals]