Ordensfrauen im Niger: Im Einsatz für Bildung und gegen Zwangsehen

Aufopferungsvoller Dienst in muslimischem Umfeld

| 1035 klicks

KÖNIGSTEIN, 1. März 2012 (ZENIT.org/KIN). - „Wir zeigen, was Kinder durch Bildung erreichen können und was Zwangsehen für sie bedeuten.“ Mit diesen Worten beschreibt die katholische Ordensfrau Marie-Catherine Kingbo die karitativ-pastorale Arbeit ihres Ordens im westafrikanischen Niger. Zusammen mit 16 weiteren Schwestern führt die 58-jährige gebürtige Senegalesin ein Gesundheits- und Ernährungszentrum in der Nähe von Maradi im Süden des Landes. Nutznießer der Initiative seien die Bewohner von etwa 80 Dörfern. Von der überwiegend muslimischen Bevölkerung werde das Wirken des Ordens begrüßt, berichtet Schwester Kingbo bei einem Besuch des internationalen katholischen Hilfswerks „Kirche in Not“. Niger ist dreieinhalbmal so groß wie Deutschland und hat knapp 16 Millionen Einwohner. Mehr als 90 Prozent sind Muslime. Die Zahl der Christen liegt bei etwa 0,4 Prozent. 

Die Ordensfrauen um Schwester Kingbo gehören zur „Fraternity of the Servants of Christ“. Sie leben in Maradi, der Hauptstadt der gleichnamigen Region, in einer viel zu kleinen Mietwohnung. Das Gesundheits- und Ernährungszentrum, das zur Zeit nur an zwei Tagen in der Woche geöffnet wird, ist 36 Kilometer von Maradi entfernt. Pro Tag kommen bis zu 800 Personen. Schwester Kingbo: „Zwölf unserer Schwestern sind Postulantinnen oder Novizinnen und noch in der Ausbildung. Deshalb können wir das Zentrum momentan nur zeitweise öffnen.“ Betreut werden vor allem Patienten mit kleineren Beschwerden, Mütter sowie Schwangere und Kinder. Zudem verteilen die Ordensfrauen Nahrungsmittel.

Weil unter der ländlichen Bevölkerung traditionell bereits Kinder verheiratet werden, legen die Schwestern Wert auf Ausbildung und Information. Sie klären die Eltern über die gesundheitlichen wie gesellschaftlichen Folgen für Mädchen, aber auch Jungen auf. Früher Geschlechtsverkehr kann beispielswiese bei Mädchen zu Inkontinenz führen, was die Verstoßung durch die Familie nach sich ziehen kann. Dann stehen die Heranwachsenden vor dem Nichts. Weil die Ordensfrauen Konflikte aufgrund ihrer Aufklärungsarbeit vermeiden wollen, haben sie nach den Worten von Schwester Kingbo die Dorfältesten frühzeitig informiert. Bei einem Treffen mit 24 Vorstehern und Imamen habe man sie mit den Worten willkommen geheißen: „Sie bringen einfach Liebe.“ Auf dem Land seien die Schwestern akzeptiert, ihre Arbeit werde geschätzt. Anfeindungen habe es allenfalls in den Städten gegeben.

Die Diözese Maradi unterstützt die Initiative der „Fraternity of the Servants of Christ“. Für die Schwestern soll bald ein Haus gebaut werden. Bischof Ambroise Ouédraogo hatte Schwester Kingbo 2006 überzeugt, in Niger mit karitativ-pastoraler Arbeit zu beginnen. Gegenwärtig gehören dem Orden Schwestern aus sechs afrikanischen Ländern an.