„Oremus et pro Iudaeis“: Das Staatssekretariat bekräftigt die besonderen Bande zwischen Katholiken und Juden

Offizielles Kommuniqué zur neuen Karfreitagsfürbitte

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ROM, 4. April 2008 (ZENIT.org).- In einem offiziellen Kommunique nahm heute das Vatikanische Staatssekretariat zu den kritischen Stimmen im Zuge der Neuformulierung der Karfreitagsfürbitte für das Römische Messbuch der außerordentlichen Form des Römischen Ritus Stellung. Der Heilige Stuhl bekräftigt, dass durch die neue Fürbitte für das Messbuch des seligen Johannes XXIII. keine Änderung der Haltung des Heiligen Stuhls gegenüber dem jüdischen Volk der Juden zum Ausdruck komme. Zenit veröffentlicht die Übersetzung des Kommuniqués im Wortlaut:



„Nach der Veröffentlichung des neuen Oremus et pro Iudaeis für die Ausgabe des Missale Romanum des Jahres 1962 kam es in einigen Teilen der jüdischen Welt zu Äußerungen des Missfallens, insofern die Meinung zum Ausdruck gebracht wurde, dass dieser Text nicht in Einklang mit den Erklärungen und offiziellen Aussagen des Heiligen Stuhls stünde, die das jüdische Volk und seinen Glauben betreffen und den Fortschritt in den freundschaftlichen Beziehungen zwischen den Juden und der katholischen Kirche in diesen 40 Jahren kennzeichnen.

Der Heilige Stuhl versichert, dass die neue Formulierung des Oremus, mit der einige Ausdrücke des Missale von 1962 modifiziert wurden, mitnichten eine Änderung in der Haltung beabsichtigte, die die katholische Kirche den Juden gegenüber vor allem ausgehend von der Lehre des II. Vatikanischen Konzils, insbesondere in der Erklärung Nostra aetate, entwickelt hat, die laut den Worten von Papst Benedikt XVI. ausgerechnet in der Audienz für den Oberrabbiner von Israel (15. September 2005) einen „Meilenstein auf dem Weg der Versöhnung zwischen den Christen und dem jüdischen Volk“ markiert hat. Die Aufrechterhaltung der in der Erklärung „Nostra aetate“ beschriebenen Position wird im Übrigen auch durch die Tatsache hervorgehoben, dass das Oremus für die Juden im Römischen Messbuch von 1970 gültig bleibt und die ordentliche Form des Fürbittgebets der Katholiken ist.

Das Konzilsdokument legt im Zusammenhang mit anderen Äußerungen – über die Heilige Schrift (Dei verbum, 14) und die Kirche (Lumen gentium, 16) – die grundlegenden Prinzipien dar, die die brüderlichen Beziehungen der Wertschätzung, des Dialogs, der Liebe, der Solidarität und der Zusammenarbeit zwischen Katholiken und Juden getragen haben und auch heute tragen. Gerade durch die Untersuchung des Geheimnisses der Kirche erinnert „Nostra aetate“ an die gan besonderen Bande, durch die das Volk des Neuen Testaments geistlich mit dem Geschlecht Abrahams verbunden ist. „Nostra aetate“ weist jede Haltung der Verachtung und der Diskriminierung den Juden gegenüber zurück und verstößt standhaft jedwede Form von Antisemitismus.

Der Heilige Stuhl bringt die Hoffnung zum Ausdruck, dass die in dem vorliegenden Kommuniqué enthaltenen Präzisierungen dazu beitragen, die Missverständnisse zu klären, und er bekräftigt den festen Wunsch, dass die Fortschritte, die sich im gegenseitigen Verständnis und in der gegenseitigen Achtung zwischen Juden und Christen während dieser Jahre eingestellt haben, weiter wachsen mögen.“