Ort der Abschlussmesse nicht unbelastet

Der Abendmahlssaal

Rom, (ZENIT.org) Maike Sternberg-Schmitz | 186 klicks

Heute wird im Abendmahlssaal die Abschlussmesse des Papstes in Israel gemeinsam mit Bischöfen des Heiligen Landes stattfinden, dort, wo vor 2000 Jahren Jesus das letzte Abendmahl feierte. Die Wahl des Ortes sorgt im Vorhinein für Unruhe, denn der Abendmahlssaal liegt über einem Raum, in dem seit dem Mittelalter das Grab Davids verehrt wird. Seit 1948 ist der Gebäudekomplex ein Museum, um den konkurrierenden Ansprüchen der Religionen aus dem Weg zu gehen. Zwar ist das Beten gestattet, aber es durften keine Messen gefeiert werden. Seit einigen Jahren lockert sich dieser Status Quo.

Radikale jüdische Gruppen befürchten, der Saal solle der katholischen Kirche übereignet werden, was eine Entweihung des Grabes und der Synagoge bedeuten würde. Aus diesem Grund hatten ultraorthodoxe Juden am Samstag gegen den Besuch des Papstes in Israel protestiert.

Pater Nikodemus der benachbarten deutschen Benediktinerabtei auf dem Zionsberg sagte gegenüber Radio Vatikan, der Abendmahlssaal sei ein kritischer Ort. Er sagte:

„Für die Muslime ist es das Grab Davids, es ist ein ursprünglich christliches Narrativ, das dann von den Muslimen übernommen wurde. Es war 400 Jahre lang in muslimischer Hand und eine muslimische Stiftung. Dann haben es 1948 einige jüdische Gruppen übernommen und noch einmal umgebaut. … Zudem ist es meines Wissens nach der einzige Ort auf der Welt, der drei Religionen heilig ist.“

Betrete man das Coenacum heute, so sei es eine Moschee, in der man eine Gebetsnische und eine Predigtkanzel sehe, mit einem Minarett über dem Saal. Das ganze Gebäude sei ineinander verwoben. Pater Nikodemus fuhr gegenüber Radio Vatikan fort:

„Unten beim Davidsgrab haben die Juden eine echte Synagoge eingerichtet, mit Thora-Rollen und dem Gebet von zehn Männern. Daraufhin gab es dann die Anfrage von Seiten des Heiligen Stuhles und von Seiten der Franziskaner, diesen Ort als interreligiösen Ort des Gebetes zu nutzen, und zwar spannenderweise für alle Konfessionen, nicht nur römisch-katholisch. Genau das fehlt hier im Land, alles hat einen konfessionellen Stempel, es wäre der einzige Ort, der nicht konfessionell vereinnahmt wäre.“

Nach Johannes Paul II. im Jahr 2000 ist Papst Franziskus der zweite Papst, der im Abendmahlssaal eine Messe feiert. Benedikt XVI. besuchte auf seiner Reise 2009 den Ort, feierte dort aber keine Messe.