Oscar-Romero-Preis 2008 geht an P. Gabriel Mejía

Erzbischof Kothgasser: Lebenswerk des Claretinerpaters setzt ein prophetisches Zeichen

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SALZBURG, 18. November 2008 (ZENIT.org).- "Oscar Romero hat die Not der Ärmsten im Auge gehabt und für sie alles eingesetzt", sagte der Salzburger Erzbischof Alois Kothgasser bei der Verleihung des Oscar-Romero-Preises 2008 am 15. November an den kolumbianischen Claretinerpater Gabriel Mejía.

Der mit 10.000 Euro dotierte Preis ist die wichtigste Auszeichnung aus dem Bereich der Entwicklungszusammenarbeit in Österreich. Er wird jährlich von der Aktion „Sei so frei" der entwicklungspolitischen Initiative der Katholischen Männerbewegung (KMB) an Personen vergeben, die sich in besonderer Weise für Gerechtigkeit, Menschenrechte und Entwicklungshilfe einsetzen.

Das Lebensmotto von P. Gabriel Mejía ist einfach und klar: Er hat sein Leben den Straßenkindern Kolumbiens gewidmet. Er ermöglicht ihnen ein Dach über dem Kopf und schenkt ihnen eine neue Lebensperspektive. Trotz Gewalt und Drogen, Bürgerkrieg und Kriminalität glaubt er fest daran, dass jedes dieser Kinder eine einzigartige Chance darstellt. 49 Zentren und Heime hat der Ordensmann bereits aufgebaut. Das 50. befindet sich in der Planung.

P. Mejija ist auch Berater des Büros für Drogen- und Verbrechensbekämpfung bei den Vereinten Nationen. Er hat mehrere Attentatsversuche der Drogenmafia und anderer bewaffneter Gruppen überlebt.

Der Preis baut auf dem Werk von Erzbischof Oscar Romero auf, der wegen seines prophetischen Glaubenszeugnisses im Jahr 1980 während der Feier der heiligen Eucharistie von einem Heckenschützen ermordet wurde. Msgr. Óscar Arnulfo Romero steht im Ruf der Heiligkeit.

Pater Mejias Einsatz für eine bessere Zukunft von Kindern und Jugendlichen in Kolumbien sei „ein prophetisches Zeichen dafür, dass es im Sinne Romeros weitergeht", so der Salzburger Erzbischof. Der Oscar-Romero-Preis 2008, der dem Claretiner-Pater für sein Projekt "Dach über dem Kopf" verliehen wurde, ist zum ersten Mal in Form einer Statue übergeben worden. Die Figur stellt den 1980 ermordeten Erzbischof von San Salvador dar und wurde vom deutschen Künstler Wolfgang Drabe entworfen.

Der "Oscar-Romero-Preis" wird seit 1982 von der Katholischen Männerbewegung alljährlich in einem anderen Bundesland vergeben. Bisherige Preisträger sind u.a. Bischof Erwin Kräutler (Altamira/Brasilien), Günther Zgubic (Sao Paulo), die Schwestern Margaretha und Maria Herlinde Moises (Kolumbien) sowie im Jahr 2007 Pater Josef Hehenberger (Jequitiba/Brasilien).

Erzbischof Romero wurde im Jahr 2000 von Papst Johannes Paul II. bewusst auf die Liste der Blutzeugen gesetzt, die bei der Jahrtausendfeier im römischen Kolosseum namentlich erwähnt wurden. Sein Bild wurde auf Wunsch des damaligen Papstes auf die große Ikone der Märtyrer gebannt, die in Rom am ständigen Gedenkort der neuen Märtyrer, der Basilika San Bartolomeo auf der Tiberinsel, ausgestellt wird.

Erzbischof Romero wurde am 24. März 1980 während der Eucharistiefeier in der Kapelle des Krankenhauses „Divina Providencia“ („Göttliche Vorsehung“) von einem beauftragten Scharfschützen erschossen. Die tödliche Kugel traf in dem Augenblick, als der Zelebrant nach der Predigt zum Altar schritt.

Einen Tag vor seiner Ermordung hatte sich Erzbischof Romero in seiner letzen Sonntagspredigt mit folgenden Worten direkt an die Angehörigen der Armee, der Nationalgarde und der Polizei gewandt: „Im Namen Gottes und im Namen dieses leidenden Volkes, dessen Wehklagen jeden Tag noch eindringlicher zum Himmel steigen, flehe ich Sie an, bitte Sie inständig, ersuche ich Sie im Namen Gottes: Bereiten Sie der Unterdrückung ein Ende.“