„Osservatore Romano“ beklagt Praxis der Todesstrafe

| 840 klicks

ROM/LONDON, 17. April 2008 (ZENIT.org).- Im Lauf des Jahres 2007 wurden in 24 Ländern 1.252 Menschen hingerichtet, das heißt durchschnittlich 24 Personen pro Woche. Das berichtete am 15. April die italienische Ausgabe des „Osservatore Romano“, die Zeitung des Vatikans.

Der Verfasser beruft sich auf den jüngsten Bericht der Menschenrechtsorganisation Amnesty International, nach dem, abgesehen von einer unbekannten Dunkelziffer, weltweit 3.347 Menschen in 51 Ländern zum Tode verurteilt worden sind.

2007 wurden nach den vorgelegten Zahlen in keinem Land mehr Menschen hingerichtet als in der Volksrepublik China. Die Behörden sprechen von mindestens 470 Exekutionen. Im Jahr 2006 waren es 1.010. Da Hinrichtungen im kommunistischen Land Staatsgeheimnis seien, müsse aber davon ausgegangen werden, „dass dort tatsächlich mehrere tausend Menschen hingerichtet wurden“. Weltweit sollen rund 27.500 zum Tode Verurteilte auf die Vollstreckung ihres Urteils warten.

Papst Benedikt XVI. hatte am 7. Januar in seiner Ansprache an das beim Heiligen Stuhl akkreditierte Diplomatische Corps seine Freude darüber zum Ausdruck gebracht, „dass die Generalversammlung der Vereinten Nationen am 18. Dezember des vergangenen Jahres eine Resolution verabschiedet hat, welche die Staaten dazu aufruft, ein Moratorium über die Anwendung der Todesstrafe einzuführen“. Gleichzeitig verlieh er damals seiner Hoffnung Ausdruck, „dass diese Initiative die öffentliche Debatte über den heiligmäßigen Charakter des menschlichen Lebens anregt“.

Nach der dem „Osservatore Romano“ vorliegenden Statistik der Menschenrechtsorganisation wird ein Anstieg „der schrecklichen Plage“ im Iran mit 317 Exekutionen (177 im Vorjahr), gefolgt von Saudi-Arabien mit 143 (39 im Vorjahr) und Pakistan mit 135 (82 im Vorjahr) beklagt. Die Zeitung des Heiligen Stuhles dokumentiert, dass Riad an der Spitze der vollstreckten Todesurteile steht, was das Verhältnis zwischen der Zahl der getöteten Häftlinge und der Bevölkerung angeht; ihm folgten der Iran und Lybien. In Saudi-Arabien, im Iran und in Yemen würden sogar MInderjährige zur Todestrafe verurteilt.

Im Jahr 2007 hatten 73 Länder, darunter alle 27 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union, einen neuen Vorstoß gegen die Todesstrafe unternommen. Der eingebrachte UNO-Resolutionsentwurf, der schließlich mit 104 Ja-Stimmen und 54 Gegenstimmen bei 29 Enthaltungen verabschiedet wurde, verzichtete auf die Maximalforderung nach einem totalen Verbot der Todestrafe, wertet sie aber als eine Praxis, die „die Würde des Menschen angreift“.

Der von Amnesty International als „historische Entscheidung“ gewertete Kompromissvorschlag ruft per Resolution dazu auf, die Vollstreckung bereits verhängter Urteile per Moratorium vorerst auszusetzen. Gemäß den Erhebungen der Menschenrechtsorganisation wurde die Todesstrafe bereits in 92 Ländern abgeschaftt. 33 Staaten haben die Todesstrafe in der Praxis, aber nicht im Gesetz abgeschafft.

Ganz und gar aus ihrem Strafgesetz verbannt wurde die Todesstrafe im vergangenen Jahr auf den Cook Inseln, in Ruanda und Albanien, und in diesem Jahr in Usbekistan. Im Jahr 2006 hatten die Philippinen und Montenegro einen derartigen Vorstoß unternommen, 2005 war dasselbe in Lybien und Mexiko, im Jahr davor in Senegal, Griechenland und der Türkei geschehen.

In zehn Staaten wird die Todesstrafe nur noch für außergewöhnliche Straftaten wie etwa Kriegsverbrechen angewendet: in Kirgistan, Argentinien, Bolivien, Brasilien, Chile, Israel und Litauen.

Von Marta Lago; Übersetzung aus dem Spanischen von Angela Reddemann