Ostern in der rumänisch-orthodoxen Diözese Italiens

Interview mit dem Erzpriester Nicu Voinea von Rom

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Von José Antonio Varela Vidal

ROM, 5. April 2012 (ZENIT.org). – Für alle in Italien lebenden und rumänisch-sprachigen rumänisch-orthodoxen und moldawisch-orthodoxen Gläubigen gilt die kanonische Gerichtsbarkeit des rumänisch-orthodoxen Bischofsamtes in Italien mit Sitz in Rom.

Um einen tieferen Einblick in die Geschichte und in die Rituale der orthodoxen rumänischen Gläubigen zu gewinnen, führte ZENIT ein Interview mit Pater Nicu Voinea, Priester in der Pfarre der Erhebung des Heiligen Kreuzes in Rom (Gebiet Tuscolana) und Erzpriester des Dekanates Lazio 1.

ZENIT: Wann wird Ostern in der rumänisch-orthodoxen Kirche in Italien genau gefeiert?

Voinea: In der rumänisch-orthodoxen Diözese in Italien entspricht dieses Datum dem üblichen Zeitpunkt des Osterfestes in der rumänisch-orthodoxen Kirche und der gesamten orthodoxen Kirche. Dabei handelt es sich jedes Jahr um den ersten Sonntag nach der Frühjahrstagundnachtgleiche, das heißt Sonntag den 15. März.

ZENIT: Welche Besonderheiten weist die liturgische Feier des Karfreitags und des Osterfestes in Ihrer Kirche auf?

Voinea: Die Karfreitagsmesse findet abends statt. Während dieser Messe singt die gesamte Kirchenversammlung das Totenamt des Herrn vor dem Grabtuch (das auf ein großes Leintuch gemalte Symbol für das Begräbnis des Herrn) im Zentrum der Kirche. Anschließend findet im Hof eine Prozession mit dem Grabtuch, dem Evangelium und dem Kreuz statt. Dabei wird die Kirche wird dreimal umrundet, während man singt und bestimmte Litaneien betet. Dies versinnbildlicht den Tod Christi zur Rettung der Welt vor dem Tod, vor der Tyrannei des Teufels und vor der Sünde.

Die Ostermesse beginnt am Samstag um Mitternacht mit dem Empfang des Osterlichtes von allen Gläubigen in der Kirche. Danach verlässt man die Kirche, um der ganzen Welt das Evangelium der Auferstehung verkünden. Im Anschluss daran betritt man die Kirche wieder und setzt mit der Liturgie bis zum Morgengrauen fort. Alle beteiligen sich am Gesang (troparion): ‚Christus ist auferstanden von den Toten, er hat den Tod mit dem Tod besiegt und den in den Gräbern liegenden das Leben geschenkt‘. Den Abschluss bildet die Weihe der österlichen Speisen, der Eier etc.

ZENIT: Wie bezeichnet Ihre Kirche die Zeit nach Ostern? Wodurch ist sie gekennzeichnet und wie lange dauert sie?

Voinea: Das Pentekostarion erstreckt sich über die fünfzig unmittelbar auf Ostern folgenden Tage. Die österliche Liturgie dauert bis Christi Himmelfahrt (den vierzigste Tag nach der Auferstehung). Als Ausdruck ihrer Freude über die Auferstehung Christi essen die Gläubigen an jedem Mittwoch und an jedem Freitag zwischen dem Ostersonntag und Pfingsten  (normalerweise wird während des Jahres mittwochs und freitags gefastet; man nimmt also Obst und Gemüse zu sich und verzichtet auf Fleisch, Milchprodukte und Eier). In der Osterwoche werden alle Speisen verzehrt.

Wie ist die rumänisch-orthodoxe Kirchengemeinschaft in Italien organisatorisch aufgebaut? Welcher hierarchischen Ordnung unterliegt sie? Aus wie vielen Gläubigen und Pfarrgemeinden besteht sie?

Die rumänisch-orthodoxe Diözese in Italien ist in 18 Dekanate, 160 Pfarrgemeinden, 6 Kloster und Klausen untergliedert. Das Oberhaupt der Diözese ist unser Bischof, Seine Exzellenz Monsignor Siluan. Die Mitglieder unserer Pfarrgemeinden sind prinzipiell alle rumänisch-orthodoxe Christen mit Wohnsitz in Italien, aber nicht alle praktizieren ihren Glauben auch. Wir Priester haben die Aufgabe, das Evangelium bestmöglich zu verkünden.

ZENIT: Welche Heiligen werden sowohl in der orthodoxen als auch in der katholischen Kirche verehrt?

Voinea: Alle Heiligen des katholischen Kalenders bis zum Schisma 1054 finden sich auch im orthodoxen Kalender, darunter auch die großen Päpste: Papst Gregor I., Papst Leo, Papst Silvestro I., viele Märtyrer, etc.

ZENIT: Wie nehmen die orthodoxen Gläubigen den Dialog zwischen der orthodoxen und der katholischen Kirche wahr?

Voinea: Dialog ist bereits ein positiv behafteter Begriff. Der Dialog zwischen den großen Kirchen wird als etwas sehr Positives wahrgenommen.

[Übersetzung des italienischen Originals von Sarah Fleissner]