Österreich: Katholische Kirche feiert "Woche für das Leben"

Kardinal Schönborn: Kireche will für eine "lebensbejahende Gesellschaft" werben

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WIEN, 27. Mai 2010 (ZENIT.org).- Die katholische Kirche feiert vom 30. Mai bis 6. Juni erstmals österreichweit eine "Woche für das Leben". In zahlreichen Pfarren finden Gottesdienste und weitere Veranstaltungen statt, bei dem zum einen der Schutz des Lebens von der Empfängnis bis zum Tod und zum anderen die Freude am Leben im Mittelpunkt stehen.

Die "Woche für das Leben" sei eine Einladung an alle Menschen, bewusst und "beherztes" Ja zum Leben zu sagen, so Kardinal Christoph Schönborn im Gespräch mit "Kathpress". Zugleich wolle man damit allen Menschen danken, die auch anderen helfen, das Leben zu bejahen.

Es gehe in dieser Woche auch darum, für eine "lebensbejahende Gesellschaft" zu werben, so die Lebenschutzbeauftragte der Erzdiözese Wien, Stephanie Merckens, im Gespräch mit "Kathpress": "Wir wollen das Leben feiern, wie es uns geschenkt wurde und weil es uns geschenkt wurde."

In Wien lädt Kardinal Schönborn am Sonntag, 6. Juni, um 15 Uhr zu einem Kindergottesdienst in den Stephansdom. Anschließend findet ein "Fest des Lebens" auf dem Stephansplatz statt, bei dem die Kinder einzeln gesegnet werden. Der Gottesdienst wird von der Jungschar der Erzdiözese Wien gestaltet.

 

In der Erzdiözese Wien findet die "Woche für das Leben" erstmals statt und ist heuer als Pilotprojekt gedacht. In mehreren Pfarren werden entsprechende Veranstaltungen durchgeführt, im kommenden Jahr sollen sich dann nach der Evaluierung der ersten Projekte möglichst viele Pfarren im gesamten Diözesangebiet an der Initiative beteiligen, so Merckens.

Bereits zum vierten Mal findet heuer in der Erzdiözese Salzburg die "Woche für das Leben" statt: Mit Gottesdiensten, Segensfeiern für Schwangere, Kinderwagen- und Rollstuhlwallfahrten sowie Familienausflügen und Kinderfesten in der ganzen Erzdiözese will man das Bewusstsein für das Leben stärken. Am 30. Mai lädt Erzbischof Alois Kothgasser um 15 Uhr zum Gottesdienst in den Salzburger Dom und zum anschließenden Beisammensein in den Bischofsgarten. Insgesamt beteiligen sich rund hundert Pfarren in der Erzdiözese Salzburg an der Aktionswoche.

In Kärnten wird Diözesanbischof Alois Schwarz die "Woche für das Leben" am Sonntag, 30. Mai, um 19 Uhr mit der Feier eines Familiengottesdienstes im Klagenfurter Dom eröffnen. Auch die diesjährige Fronleichnamsfeier der Klagenfurter Stadtpfarren mit Bischof Schwarz am Donnerstag, dem 3. Juni, um 8.30 Uhr ist mit dem Motto "Wir feiern das Leben" in die "Woche für das Leben" eingebettet. Außerdem wird der Kärntner Bischof am Freitag, dem 4. Juni, um 17 Uhr einer "Segensfeier für werdende Mütter" in der Rosenkranzkapelle in Maria Wörth vorstehen. "Die 'Woche für das Leben' möchte das Bewusstsein dafür schärfen, wie wichtig der Schutz des Lebens gerade heute ist, und macht in zahlreichen Veranstaltungen auf den Wert des Lebens aufmerksam", so Iris Binder, Koordinatorin der "Woche für das Leben" in der Diözese Gurk.

In Vorarlberg werden am Sonntag, 30. Mai, in vielen Vorarlberger Pfarrgemeinden nach dem Gottesdienst Luftballons für alle Kinder, die in den letzten 12 Monaten in dieser Gemeinde oder diesem Stadtteil zur Welt gekommen sind, in den Himmel steigen.

In St. Pölten findet der Auftakt zur "Woche für das Leben" bereits im Rahmen der "Langen Nacht der Kirchen" am Freitag, 28. Mai, statt: Bischof Klaus Küng feiert um 17 Uhr im St. Pöltner Dom einen Familien- und Kindergottesdienst. Ebenfalls bereits am 28. Mai steht der Grazer Altbischof Johann Weber in der Grazer Franziskanerkirche um 18 Uhr einem Segnungsgottesdienst für werdende Mütter und Väter vor. Der Gottesdienst steht unter dem Motto "Das Leben feiern".

Aufgrund der zahlreichen positiven Erfahrungen mit der "Woche für das Leben" in der Erzdiözese Salzburg haben Österreichs Bischöfe beschlossen, diese Initiative ab 2010 österreichweit durchzuführen. Dazu haben sie auch einen Hirtenbrief herausgegeben, in dem sie an die österreichische Bevölkerung appellieren, mehr Mut zu Ehe und Kindern aufzubringen. "Haben Sie Mut! Liebe, Familie, viele Kinder - das sind nicht veraltete Konzepte, sondern ganz aktuelle Antworten auf viele Fragen und Probleme unserer Zeit", heißt es wörtlich in dem Hirtenbrief. Familien hätten es heute nicht leicht, schreiben die Bischöfe. Verzicht und Einschränkungen seien "unvermeidlich" und jede Ehe sei "mit Opfern und Anstrengungen verbunden". Die Entscheidung für Familie und Kinder trage aber "reiche Frucht", da in Familien "die Fülle des Lebens greifbar gegenwärtig" werde und mit jedem Kind "neue Hoffnung in die Welt" komme.

Ehepaare seien in der Entscheidung über die Anzahl ihrer Kinder selbstverantwortlich, betonen die Bischöfe unter Verweis auf den vom Zweiten Vatikanischen Konzil geprägten Ausdruck der "verantworteten Elternschaft". Die katholische Kirche lehne Familienplanung "keineswegs" ab. "Gott hat aber Mann und Frau Fruchtbarkeit geschenkt und die Kirche hat die Aufgabe, sie dazu zur Großherzigkeit zu ermutigen", halten die Bischöfe fest. Ehepaare sollten in gemeinsamer Verantwortung über die Zahl der Kinder und den Abstand zwischen den Geburten "je nach den eigenen seelischen und materiellen Möglichkeiten" entscheiden. Allerdings sei dabei auch die Art der Empfängnisregelung von Bedeutung, unterstreichen die Bischöfe. Nicht nur, "was einen Verstoß gegen die Integrität des Lebens darstellt, ist zu vermeiden"; auch Verhütung könne "die gegenseitige Hingabe der Eheleute und damit ihre Liebe" untergraben.

Im Bereich der Kinderbetreuung plädieren die Bischöfe für eine uneingeschränkte Wahlfreiheit von Eltern. Diese müssten selbst entscheiden dürfen, ob sie Säuglinge und Kleinkinder selbst oder außerhalb der Familie betreuen lassen wollen. "Eltern, die sich für die familiäre Betreuung ihrer Kinder entscheiden, dürfen finanziell nicht schlechter gestellt werden, als diejenigen, die ihre Kinder betreuen lassen und daher erwerbstätig sein können", schreiben die Bischöfe.

Gleichzeitig müssten sich Eltern vor Augen halten, dass Kleinkinder vor allem in den ersten drei Jahren auf ein "überschaubares, persönliches, liebevolles Umfeld" angewiesen sind, betonen die Bischöfe. "Deshalb sollten Eltern immer den Weg wählen, der für die Kleinsten in ihrem Bedürfnis nach verlässlicher, liebevoller Bindung das geringste Risiko birgt. Und das ist nach Möglichkeit noch immer das eigene Zuhause." Jeder Mensch wisse um die starke Bedeutung der Prägung des eigenen Lebens durch die Familie, schreiben die Bischöfe. Das Entscheidene für das Leben "lernt man nicht in der Schule oder an der Universität, sondern in der Familie".