Österreichische Bischöfe gehen \"mit neuem Elan den Weg der Nachfolge Jesu\"

Ergebnisse der Herbstvollversammlung der Bischofkonferenz

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WIEN, 11. November 2005 (ZENIT.org).- Im Rahmen einer Pressekonferenz fasste Diözesanbischof Egon Kapellari von Graz-Seckau, Stellvertretender Vorsitzender der österreichischen Bischofskonferenz, am Freitag in Wien die Ergebnisse der Herbstvollversammlung der österreichischen Bischöfe zusammen. Diese beziehen sich auf den \"Ad-limina\"-Besuch der Bischöfe in Rom, Österreichs EU-Ratspräsidentschaft im ersten Halbjahr 2006 und das 850-Jahr-Jubiläum von Mariazell. Die österreichischen Bischöfe hatten vom 8. bis zum 10. November erstmals in Rom getagt.



Der Stellvertreter von Christoph Kardinal Schönborn – dieser hält sich in diesen Tagen aus Anlass der dritten europäischen Stadtmission in Lissabon (Portugal) auf – nahm die Gelegenheit zum Anlass, um alle Teile der österreichischen Gesellschaft zur Zusammenarbeit mit der Kirche an einer gerechteren Welt einzuladen. Das große Ziel sollte dabei heißen: \"Mehr Humanität und mehr Solidarität in der Menschheit.\" Man müsse allen Menschen, Gläubigen wie Nichtgläubigen, helfen, \"mehr Mensch zu werden\", betonte Bischof Kapellari.

Mit neuem Elan das Evangelium Christi unverkürzt verkünden

Der \"Ad-limina\"-Besuch der österreichischen Bischöfe vom 3. bis zum 9. November \"hat die Gemeinschaft und herzliche Verbundenheit zwischen Papst Benedikt XVI. und der katholischen Kirche in Österreich eindringlich unter Beweis gestellt. Licht und Schatten in der katholischen Kirche in Österreich sind benannt worden; die Bischöfe sind – bestärkt durch den Nachfolger des Apostels Petrus – aus Rom zurückgekehrt, um gemeinsam mit Priestern, Ordensleuten und Laien mit neuem Elan den Weg der Nachfolge Jesu zu gehen\", zitierte der Bischof eine Erklärung der österreichischen Bischöfe über die Gespräche mit dem Heiligen Vater, die alle fünf Jahre stattfinden. In dem Schreiben wird hervorgehoben, dass die Kirche nicht für sich selbst da ist, sondern dass ihr Christus den Auftrag anvertraut hat, \"inmitten der Menschheit von heute seine befreiende Botschaft von der Erlösung und von der Barmherzigkeit Gottes zu leben. Papst Benedikt XVI. hat daran erinnert, dass Klarheit und Schönheit des Glaubens an Christus das Leben der Menschen hell machen.

Der Papst hat die Bischöfe eingeladen, gemeinsam mit ihm \'gelassen und zuversichtlich\' die Zeichen der Zeit zu erkennen und das Evangelium Christi unverkürzt zu verkünden. In bewegenden Worten hat der Heilige Vater vor einer großen Öffentlichkeit bei der Generalaudienz am 9. November seine besondere Verbundenheit mit Österreich bekundet und den Bischöfen, Priestern und Laien gedankt.\"

Aufgrund dieser Tatsache fühlen sich die Bischöfe bestärkt, \"die großen missionarischen Aufbrüche der letzten Jahre – Wiener Stadtmission, Mitteleuropäischer Katholikentag, Initiative \'Offener Himmel\' in Salzburg – weiterzuführen und zu vertiefen. Das \'begeisterte und begeisternde\' Zeugnis für Christus kann jene spirituelle Trendwende zu einem mehr an Glaube, Hoffnung und Liebe herbeiführen, von der Papst Benedikt XVI. bei der Gemeinschaftsaudienz für die österreichischen Bischöfe gesprochen hat. Der Heilige Vater hat den Bischöfen in besonderer Weise aber auch den Dienst an den Menschen in Not, in materieller wie geistiger Not, ans Herz gelegt.\"

Engagement für ein christliches Europa und tätige Solidarität

In Bezug auf die österreichische EU-Ratspräsidentschaft im ersten Halbjahr 2006, bekundete Bischof Kapellari die Absicht der Kirche, \"auf dem Bauplatz Europas mitzubauen\". Diesbezüglich erinnerte er daran, dass die gegenwärtige Krise des \'Projekts Europa\' vor allem auch Ausdruck einer \"fehlenden gemeinsamen Vision des Zusammenlebens in Europa\" sei.

\"Die Staats- und Regierungschefs haben im Dezember 2004 Europa und sich selbst eine \'Nachdenkpause über Europa\' verordnet. Solche \'Sabbatjahre\' können heilsam sein – wenn sie wirklich zur Rückbesinnung, zum Nachdenken und zur Neuordnung genutzt werden. Mit einem Wort des in diesem Jahr verstorbenen Heiligen Vaters, Papst Johannes Paul II., möchten die Bischöfe dazu einladen, diese Chance zu nutzen: \'Europa, kehre du selbst um! Sei du selbst! Entdecke wieder deine Ursprünge. Belebe deine Wurzeln\' (Nachsynodales Schreiben \"Ecclesia in Europa\", 120). Dieser Aufruf gilt nicht nur den Verantwortlichen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, sondern er richtet sich an alle Katholiken, ja an alle Menschen guten Willens.\"

Aus diesem Grund lädt die Kirche dazu ein, \"den Blick auf Christus zu richten – ihn, den die Katholiken besonders im vergangenen Jahr während des Mitteleuropäischen Katholikentages als \'Hoffnung Europas\' bekannt, verkündet und gefeiert haben –, um im Vertrauen auf ihn am \'Bauplatz Europa\' mitzubauen und sich dabei von ihm inspirieren und leiten zu lassen. Der Leitgedanke soll dabei die \'Solidarität\' sein, jenes Prinzip der Katholischen Soziallehre, das die \'Seele\' der Europäischen Union ist.\"

Dazu formulierten die Bischöfe drei konkrete Forderungen und Ziele: Erstens, eine tätige Solidarität \"mit jenen ärmsten Ländern, deren Lebensgrundlage durch die Globalisierung bedroht wird\", und ein damit verbundenes \"aktives Umdenken in den reichen Ländern. Der unter dem österreichischen Ratsvorsitz in Wien stattfindende EU-Lateinamerika-Gipfel sollte dafür ein konkreter Anlass sein.\"

Zweites sprechen sich die Bischöfe in Hinblick auf eine Neuordnung der Sozialsysteme für eine \"ehrliche Verteilung zwischen den Generationen\" aus und erinnern daran, \"dass stärkere Schultern schwerere Lasten tragen sollen. Besondere Aufmerksamkeit muss dabei denjenigen geschenkt werden, die aus dem Sozialsystem zu fallen drohen und am Rand der Gesellschaft oder in Armut leben.\"

Drittens betonen die Bischöfe die \"große Bedeutung\" der Familien. \"Sie sind die Keimzelle der Gesellschaft. Aus ihnen entsteht neues Leben und eine neue Generation; in ihnen erprobt sich das Zueinander und Miteinander verschiedener Generationen; in ihnen werden zuerst jene Tugenden gelernt, derer die Gesellschaft besonders bedarf: Ehrfurcht vor dem Leben und dem anderen, Solidarität, Toleranz.\"

Patroziniumsfest von Mariazell im September 2007

Anlässlich des 850-Jahr-Jubiläums von Mariazell haben die Bischöfe Papst Benedikt XVI. eingeladen, im September 2007 an den Feierlichkeiten im mitteleuropäischen Marienheiligtum teilzunehmen. Der Papst habe diese Einladung freudig entgegengenommen. Höhepunkt wird dabei das Patroziniumsfest von Mariazell am 8. September sein. Unter dem Motto \"Christus – Hoffnung Europas\" sollte dieses Fest \"die Bedeutung von Mariazell als spirituelle Heimat für viele Völker in Mitteleuropa hervorheben und Impulse für die Zukunft geben.\" In dankbarer Erinnerung an die \"Wallfahrt der Völker\" werden Abordnungen aus allen Teilnehmerländern des Mitteleuropäischen Katholikentages in Mariazell erwartet.

Im Jubiläumsjahr wird vom 12. bis zum 15. August 2007 eine große mitteleuropäische Jugendwallfahrt nach Mariazell stattfinden. \"Im Blick auf Maria können die Jugendlichen das Wort des Propheten Jeremia \'Ich will euch eine Hoffnung und Zukunft geben\' im eigenen Leben erfahren\", erklären die österreichischen Bischöfe.