Ostersonntag 2012 auf dem Petersplatz in Rom

Surrexit Christus, spes mea

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Von Jan Bentz

VATIKANSTADT, 9. April 2012 (ZENIT.org). - Überaus festlich und in gesammelter Atmosphäre  wurde am Ostersonntag auf dem überfüllten Petersplatz von Papst Benedikt XVI. die Messe der Auferstehung des Herrn gefeiert. Eingeleitet von den Klängen der Vatikan- und der italienischen Hymne zu Ehren der Ankunft des Kirchenoberhauptes auf dem Petersplatz und nach dem „Tu es Petrus“ („Du bist Petrus“) begann um 10.15 die feierliche Ostermesse mit weit über 100.000 Gläubigen aus aller Welt. Da der Platz vor der Basilika über dem Grab des hl. Petrus  die Gläubigen nicht fassen konnte, nahmen sie entlang der an den Vatikan angrenzenden Via della Conciliazione bis fast zur Engelsburg an der Eucharistiefeier teil. Millionen Menschen waren über die Fernsehkanäle auf der ganzen Welt zugeschaltet. Seit Samstagfrüh hatten Floristen aus den Niederlanden den Aufgang zur Basilika und den Platz um die Altarinsel mit rund 42.000 Blumen und Gartenpflanzen in ein frühlingshaftes Blütenmeer in den dominierenden Farben des Vatikans, Weiß und Gelb, verwandelt. Insgesamt 20.000 Tulpen,  aber auch Rosen, Lilien und Astern sowie etwa 1.500 kleine Bäumchen und Pflanzen zierten die Stufen vor dem Petersdom. Der Balkon des Petersdomes, von dem aus der Segen „Urbi et orbi“ gespendet wird,  war mit zahllosen weißen Orchideen geschmückt.

Die Feier hatte mit der Öffnung der Ikone des Auferstandenen, dem „Ritus des  Resurrexit“ begonnen. Dazu öffnen die Diakone die Flügel der rechts neben dem Altar angebrachten Ikone des Allerheiligsten Erlösers und zeigen sie den Versammelten und dem Heiligen Vater, während der Diakon auf Griechisch  singt: Der Herr ist aus dem Grab erstanden, der für uns am Kreuzesholz hing; der Herr ist wahrhaft auferstanden und Simon erschienen, alleluja. Darauf beginnt die Schola mit dem Introitus der Eucharistiefeier, dem gregorianischen  „Resurrexi, et adhuc tecum sum“.

In gesammelter und andächtiger Atmosphäre feierten die zahllosen Gläubigen das höchste Fest der Kirche. Der zuvor bewölkte Himmel riss auf und die Aprilsonne verlieh ihm ein strahlendes Gesicht.

Papst Benedikt zelebrierte in lateinischer Sprache, Gemeinde und Schola sangen im Wechsel die gregorianische Ostermesse „Lux et origo“.  Nach der zweiten Lesung erklang die alte Ostersequenz „Victimae paschali laudes“ aus dem 11. Jahrhundert.

Das Evangelium wurde zunächst in lateinischer und danach von einem griechisch-katholischen Diakon aus dem Orden der Basilianer aus der italienischen Stadt Grottaferrata auch in griechischer Sprache gesungen, eingeleitet vom Diakon mit den Worten „Lob, sei dir Herr, Lob sei dir“ und von Papst Benedikt mit den griechischen Worten „Der Friede sei mit euch“. Den Kuss des Evangelienbuches begleitete die Schola mit dem griechischen Wunsch „Viele Jahre für dich, Heiliger Vater“. Dem folgte ein Moment der Stille.

Österlich festlich erstrahlte ein mehrstimmiges „Et resurrexit“ während des Credo.

In einem langen Zug strömten die Priester zur Kommunion in die Menge, um den Gläubigen die Osterkommunion auszuteilen.

Die Eucharistiefeier schloss mit dem österlichen Marienhymnus „Regina caeli“.

Mit den Worten Maria Magdalenas „Surrexit Christus, spes mea“ aus der Ostersequenz „Victimae paschali laudes“ begann Papst Benedikt nach der hl. Messe seine diesjährige Osterbotschaft von der Loggia des Petersdoms aus, vor dem traditionellen Segen der Stadt und des ganzen Erdkreises „Urbi et orbi“. Wie Maria Magdalena riefen wir auch heute: „Er ist wahrhaft auferstanden!“ Für jeden Christen wiederhole sich die Erfahrung, die Maria Magdalena gemacht habe. Es sei eine Begegnung, die das Leben verwandle: die Begegnung mit der ganzen Güte und Wahrheit Gottes, die tiefgreifend vom Bösen befreie, uns völlig heile und uns unsere Würde zurückgebe. „Christus, meine Hoffnung bedeutet, dass all meine Sehnsucht nach dem Guten in ihm eine reale Möglichkeit findet“, so der Papst. Mit dem Tod Jesu schien die Hoffnung aller, die auf ihn vertrauten, gescheitert zu sein. Es sei sicher unerträglich gewesen, zu sehen, „wie die Güte in Person der menschlichen Schlechtigkeit unterworfen wurde, die Wahrheit von der Lüge verhöhnt und die Barmherzigkeit von der Rache geschmäht wurde… Einen Moment gab es, in dem er besiegt zu sein schien: Finsternis war über die Welt hereingebrochen, Gott hatte sich völlig in Schweigen gehüllt, Hoffnung schien nur noch ein leeres Wort zu sein.“

Aber im Morgengrauen des Tages nach dem Sabbat sei das Grab leer. Und dann zeige sich Jesus der Maria Magdalena, den anderen Frauen und den Jüngern. Da flamme der Glaube wieder auf, lebendiger und stärker denn je, jetzt unbezwingbar, denn er gründe sich auf eine ausschlaggebende Erfahrung: „Tod und Leben rangen / in wundersamem Zweikampf. / Der Fürst des Lebens starb, / als Lebender herrscht er jetzt."

Im Hinblick auf die weltweiten Ereignisse hob der Papst den Mittleren Osten und das Heilige Land, den Iran und den afrikanischen Kontinent hervor, wo gegenseitige Achtung, Aufbau eines echten Gemeinwohls und Stabilität und Frieden erreicht werden sollten. Besonders rief er zum Ende der Gewalt in Syrien auf und bat darum, den Flüchtlingen die humanitäre Hilfe zukommen zu lassen, derer sie bedürften. Der Papst erwähnte die blutigen terroristischen Überfälle auf Christen in Nigeria und bat für Afrika: „Der Herr, der über das Böse und den Tod gesiegt hat, stehe den christlichen Gemeinschaften des afrikanischen Kontinents bei, er schenke ihnen Hoffnung, um die Schwierigkeiten zu bewältigen, mache sie zu Friedensstiftern und lasse sie entscheidend zur Entwicklung der Gesellschaften beitragen, denen sie angehören.“

Nur wenn Jesus auferstanden sei, sei etwas wirklich Neues geschehen, das die Lage des Menschen und der Welt verändern könne, bekräftigte der Papst.

Vor dem Segen, nach dem Hinweis auf den vollkommenen Ablass für die Teilnehmenden unter den bekannten Bedingungen, grüßte der Papst die Gläubigen in aller Welt in 65 Sprachen.

Den Italienern und die Römern rief er zu: „Frohe Ostern! Sucht immer den Auferstandenen Christus. Das Licht der Wahrheit, das die Schatten des Todes vertreibt und der Welt den Glanz Gottes wiedergegeben hat. Bewahrt in euren Herzen die Wurzel des Friedens und der Freude, die vom auferstandenen Christus kommen, die jedes Vorhaben des Guten auszeichnet und  jeder Erwartung Kraft schenkt.

„Möge die Freude und die Gnade des Auferstandenen immer mit euch sein“, grüßte er die englischsprachigen Pilger.

In französischer Sprache wünschte er, dass „für euch dieses Mysterium Quelle von Glück und von tiefen Friede werde“.

Den deutschsprachigen Pilgern wünschte der Papst ein gesegnetes und frohes Osterfest. „Der Friede und die Freude des auferstandenen Herrn sei mit Euch.“