Öumenisches Treffen der Bewegungen Europas in Stuttgart: Kurienkardinal Kasper überbringt Grüße des Papstes

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STUTTGART, 11. Mai 2007 (ZENIT.org).- Geistliche Gemeinschaften könnten Grenzen überwinden, weltweite christliche Netzwerke bilden und Freundschaften knüpfen, die ein gemeinsames Zeichen für die Vitalität der Kirche sind, erklärte Kurienkardinal Walter Kasper heute, Freitag, auf dem Kongress „Miteinander für Europa“ in Stuttgart.



Der Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit unter den Christen überbrachte den 3.000 Kongressteilnehmern aus über 250 Gemeinschaften und Kirchen aus ganz Europa die Grüße des Heiligen Vaters, die mit großem Applaus bedacht wurden.

„Sie können einen unersetzlichen Beitrag für die heutige Gesellschaft liefern, indem sie erstens ‚geistlich‘ und zweitens ‚Bewegung‘ sind", betonte Kardinal Kasper. Der Heilige Geist sei im Leben der Gemeinschaften die treibende Kraft – „ubi florit spiritus“. Angesichts der Gefahr eines Europa, das „geistlos zu werden“ droht, werde die Kirche durch die Bewegung des Heiligen Geistes nie dazu verurteilt, „alt oder verknöchert zu werden: Sie ist jung und frisch“, bekräftige Kardinal Kasper.

„Wer nur modern sein will, der ist morgen schon wieder aus der Mode“, fuhr er fort. Die Geistlichen Bewegungen aber könnten Mission, Vision und Hoffnung für Europa beisteuern. Der Kurienkardinal warnte davor, dass eine neu Art von Kirche durchaus nicht nur ein Ort sei, wo Menschen sich „wohlig und kuschelig“ fühlen dürften. Genauso müssten sich Gemeinschaften davor hüten, mit dem Älterwerden etabliert und eingerichtet zu leben. „Bleibt jung!“, appellierte der Kardinal an die Teilnehmer aus 15 europäischen Ländern. „Die Kirche braucht euch – Ihr braucht die Kirche!“

Neben Kardinal Kasper hatte sich auch der Evangelisch-Lutherischen Landesbischof Bischof J. Johannesdotter an diesem Morgen vielen Fragen gestellt. Er ging darauf ein, wie das geistliche Leben der Bewegungen die Kirchen befruchtet. Der Beauftragte für die Geistlichen Gemeinschaften bei der EKD betonte die besondere Wichtigkeit der Gemeinschaften als „Orte, die zu Pflanzstätten des Glaubens“ und zu „Übungsfeldern des Christentum werden“.

Sr. Anna-Maria aus der Wiesche von der Christusbruderschaft Selbitz hatte den Tag mit ihrem Impulsreferat: „Geistlicher Reichtum im Leben der Bewegungen“ eröffnet. Die evangelische Pfarrerin und Leiterin einer evangelischen Schwersterngemeinschaft geweihten Lebens betonte: „Wir brauchen vor Gott und voreinander nicht ein heiliges Bild hochhalten. Unsere Sehnsucht, ja unsere Armut, ja unsere Sünde ist der Ort, wo Gott gerne baut, schafft und wirkt. Wenn wir als Gemeinschaften nicht mehr scheinen wollen, als wir sind, dann kann Gottes Geist allen Raum einnehmen und ein Miteinander unter uns gestalten.“ Die Geschichte liege in der Hand Gottes, „auch die europäische Geschichte“, unterstrich die evangelische Pfarrerin.

Professor Dr. Lothar Penners von der Schönstatt-Bewegung formulierte in seinem Beitrag konkrete Hinweise, wie der geistliche Reichtum der Bewegungen, die Innen- und Außenseite der jeweiligen Spiritualität, fruchtbar werden kann. „Verbinde Geist und Leben so, dass sie wichtiger sind als die Form und der Ausdruck“, so zitierte er die Pädagogik des Gründers seiner Bewegung, P. Joseph Kentenich. In den Gemeinschaften gehe es darum, „dem Neuen Bund, den Verheißungen des Heiligen Geistes treu zu sein“.