P. Cantalamessa: Auf die eigenen Gedanken achten

Zweite Predigt vor Papst und Mitarbeitern der Kurie in der Fastenzeit

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ROM, 16. März 2007 (ZENIT.org).- Der Prediger des Päpstlichen Hauses, P. Raniero Cantalamessa OFM Cap, hat dazu geraten, auf die eigenen Gedanken zu achten und diese gegebenenfalls zu läutern.



Im Mittelpunkt der zweiten Predigt in der Fastenzeit 2007, die der Kapuzinerpater am heutigen Freitagvormittag in der Kapelle „Redemptoris Mater“ des Apostolischen Palasts vor Papst Benedikt XVI. und dessen Mitarbeitern in der Römischen Kurie hielt, standen die Worte Jesu: „Selig, die keine Gewalt anwenden, denn sie werden das Land erben“ (Mt 5,5).

P. Cantalamessa führte aus, was unter diesem Wort gemeint sei und hob hervor, dass Jesus nicht nur das größte Vorbild für Sanftmut und heldenhafte Geduld sei, sondern dass er diese Eigenschaften „zum Zeichen wahrer Größe“ gemacht habe.

Die Behauptung, das Evangelium würde mit solchen Lehren den Wunsch, große Taten zu vollbringen und die erste Stelle einzunehmen, ersticken, sei unhaltbar, betonte der Prediger mit einem Verweis auf das Wort Jesu: „Wer der Erste sein will, soll der Letzte von allen und der Diener aller sein“ (Mk 9,35). Und er fuhr fort: „Es ist also erlaubt, ja mehr noch, es wird ausdrücklich dazu geraten, der erste sein zu wollen. Nur hat sich der Weg geändert, um dorthin zu gelangen: nicht sich über die anderen zu erheben und sie dabei vielleicht zu erdrücken, wenn sie ein Hindernis sind, sondern sich herabzubeugen, um die anderen zusammen mit sich zu erheben – das ist der Weg.“

Vor allem gehe es aber – wie bei allen Seligpreisungen – um das Innere des Menschen, um sein Herz. Deswegen sage Jesus auch: “Lernt von mir, der ich sanftmütig und im Herzen demütig bin.“ Hier entscheidet sich nach den Worten von P. Cantalamessa, ob man wahrhaft sanftmütig sei. „Aus dem Herzen, so sagt er, kommen Mord, Bosheit, Verleumdung (vgl. Mk 7,21-22), so wie aus dem inneren eines kochenden Vulkans Lava, Asche und glühende Lavabrocken ausgespieen werden. Die größten Gewaltausbrüche wie Kriege und Konflikte rühren, wie der heilige Jakobus erklärt, ‚vom Kampf der Leidenschaften in eurem Innern‘ her (vgl. Jak 4,1-2). So wie es im Herzen einen Ehebruch gibt, so gibt es im Herzen auch einen Mord: ‚Jeder, der seinen Bruder hasst, ist ein Mörder‘, schreibt Johannes (1 Joh 3,15).“

Aber die Gewalt erstrecke sich auch auf die Gedanken. Deshalb erinnerte der Ordenspriester seine Zuhörer an einen Rat der Wüstenväter: „Unser Geist, so sagten sie, besitzt die Fähigkeit, den Gang eines Gedanken zu durchlaufen und von Anfang an zu erkennen, worauf er hinaus will: auf die Entschuldigung des Bruders oder auf seine Verurteilung, auf den eigenen Ruhm oder auf den Ruhm Gottes.“ In diesem Sinn sollte man sich darum bemühen, jene Gedanken, die der Liebe nicht entsprächen, rechtzeitig abzuwehren. „Die einfachste Weise, das zu tun, besteht in einem kurzen Gebet, oder darin, an die Person, die zu verurteilen wir versucht sind, ein Segenswort zu richten.“

Abschließend wies P. Cantalamessa darauf hin, dass Christus nicht nur ein Vorbild sei, sondern zugleich eine Quelle, aus der man schöpfen dürfe: „Angesichts der Seligpreisungen sind wir nicht nur zur Nachahmung aufgerufen, sondern auch dazu, sie uns zu Eigen zu machen. Im Glauben können wir aus der Sanftmut Christi schöpfen, wie aus seiner Reinheit des Herzens und aus einer jeden anderen seiner Tugenden.“

Die Sanftmut sei deshalb „wie ein Gewand, das Christus uns erworben hat und das wir im Glauben anziehen dürfen – nicht, um von ihrer Umsetzung im täglichen Leben dispensiert zu sein, sondern um dazu ermuntert zu werden.“