P. Cantalamessa: Das Wort Gottes ist der Weg, um heilig zu werden

Dritte Fastenpredigt im Päpstlichen Haus

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ROM, 7. März 2008 (ZENIT.org).- Am heutigen Vormittag hielt der Prediger des Päpstlichen Hauses, P. Raniero Cantalamessa OFM Cap., die dritte der vier traditionellen Fastenpredigten im Päpstlichen Haus. Sie war dem Thema gewidmet: „Das Wort Gottes als Weg der persönlichen Heiligung“.

In Vorbereitung auf die Bischofssynode über das Wort Gottes (5.-26. Oktober 2008) sowie unter Bezugnahme auf die „Lineamenta“ der Synode ist es die Absicht P. Cantalamessas, eine Reflexion über die Verkündigung des Evangeliums im Leben Christi (erste Predigt: „Jesus, der verkündet“) und in der Sendung der Kirche (zweite Predigt: „Der verkündete Jesus“), über das Wort Gottes als Mittel der persönlichen Heiligung (dritte Predigt: „lectio divina“) und die Beziehung zwischen dem Geist und dem Wort (vierte Predigt: „Geistliche Lesung der Bibel“) vorzulegen. Die letzte Predigt wird der Kapuzinerpater am 14. März halten.

Seine dritte Predigt, die der lectio divina gewidmet war und das Wort Gottes im Vollzug der persönlichen Heiligung betrachtete, stellte Cantalamessa ganz in den Fluss der geistlichen Tradition der Kirche, die das Wort Gottes als „die lebensnotwendige Substanz unserer Seele“ (Ambrosius) ehrt.

Ausgangspunkt der Meditation bildete ein Abschnitt aus dem Brief des Apostels Jakobus (1,18-25). Anhand dieser Perikope entwickelte der Prediger eine Struktur in drei Etappen oder Verfahren der geistlichen Lesung oder lectio divina.

Die erste Etappe besteht für Cantalamessa in der hörenden Annahme des Wortes Gottes. Diese dürfe sich weder auf ein rein exegetisches oder textkritisches Studium beschränken noch auf einen Schriftfundamentalismus der wörtlichen Interpretation reduzieren. Ersteres führe dazu, sich selbst in den Vordergrund zu stellen und sich nicht im Spiegel des Wortes zu betrachten, sondern nur das Wort als gegenständlichen Spiegel zu sehen.

Der Fundamentalismus, besonders gefährlich in der Debatte um den so genannten Kreationismus, stelle letztendlich eine Gefahr für den Glauben dar, wenn dessen Widerspruch zur wissenschaftlichen Erkenntnis offensichtlich sei. Nur dem Anschein nach seien die beiden Exzesse des Hyperkritizismus und des Fundamentalismus einander entgegengesetzt: „Ihnen ist die Tatsache gemeinsam, dass sie beim Buchstaben stehen bleiben und den Geist vernachlässigen.“

Die zweite Etappe der lectio divina machte der Prediger des Päpstlichen Hauses in der Betrachtung des Wortes Gottes aus, das zu „kauen“ und „wiederzukäuen“ sei. Mehr als um ein „die Schrift Erforschen“ gehe es darum, sich von der Schrift erforschen zu lassen.

Im Spiegel des Wortes offenbarten sich das Antlitz und das Herz Gottes. So verschaffe uns die Betrachtung des Wortes die beiden wichtigsten Erkenntnisse, um auf dem Weg der wahren Weisheit voranzukommen: die Selbsterkenntnis und die Erkenntnis Gottes.

Diesbezüglich empfahl Cantalamessa die Meditation einer der „härtesten Seiten“ des Neuen Testaments: des Briefs an die Kirche von Laodizea in der Offenbarung des Johannes (vgl. Off 3,14-20), in dem der Gegensatz zwischen dem, was der Gläubige von sich denkt, und dem, was Gott von ihm denkt, besonders deutlich hervortritt. Das Wort Gottes stelle somit für jeden Menschen eine grundlegende und in sich unfehlbare geistliche Leitung dar.

Dazu könne auch das „vom Zufall geleitete“ Lesen der Schrift gehören, das „umsichtig und in einer Atmosphäre des Glaubens zu tun ist und nicht, ohne vorher lange zu beten“.

Das Wort Gottes als geistlicher Begleiter könne heilig machen, betonte der Prediger des Päpstlichen Hauses, der auf die Erfahrung der heiligen Therese von Lisieux verwies, die gesagt hat: „Im Evangelium finde ich alles Notwendige für meine arme Seele. In ihm entdecke ich immer neues Licht, verborgene und geheimnisvolle Bedeutungen.“ Zu dieser Erfahrung gehöre auch das biblische Bild vom „Essen des Buches, des Wortes“. Es bestehe ein gewaltiger Unterschied zwischen dem einfach gelesenen oder studierten Buch und dem „gegessenen“ Buch. Das „gegessene Wort“ sei ein vom Menschen aufgenommenes Wort, das zum absoluten Lebensprinzip werde.

Die dritte Etappe der lectio divina besteht für Cantalamessa darin, das Wort in die Praxis umzusetzen. Fehle dies, so bleibe alles Illusion. Gehorsam also heiße „Hören auf das Wort“, wie dies Jesus in der Geschichte von den Versuchungen in der Wüste deutlich aufzeige.

Der Prediger beschloss seine Betrachtungen mit einem Gebet des heiligen Augustinus aus den „Bekenntnissen“ (XI 2,3-4) um das Verständnis für das Wort Gottes:

„Möge deine Schrift meine keusche Wonne sein, auf dass ich mich nicht irren noch andere irreleite… merke auf meine Seele, und höre die Stimme des Rufenden aus der Tiefe… Gewähre mir aus ihnen die Zeit, mit meinen Gedanken in die Geheimnisse deines Gesetzes einzudringen, und verschließe es denen nicht, die anklopfen… Siehe, deine Stimme ist meine Freude, deine Stimme ist mir mehr als alle Wonne der Lust. Gib mir, was ich liebe… verachte nicht dein dürstendes Kräutlein… es eröffnen sich die inneren Tiefen deiner Worte, wenn ich sie betreten will… Ich flehe dich an im Namen unseres Herrn Jesu Christi…, in welchem verborgen liegen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis (Kol 2,3). Diese suche ich in deiner Schrift.“

[Die ganze Predigt finden Sie in der ZENIT-Ausgabe vom 7. März unter „Spiritualität“]