P. Cantalamessa: Verkündigung der Grundwahrheiten, bewusste Entscheidung für Christus

Erste vorweihnachtliche Betrachtung vor den Mitarbeitern der Kurie und Papst Benedikt XVI.

| 582 klicks

ROM, 2. Dezember 2005 (ZENIT.org).- Der Glaube wird durch die Verkündigung der Grundwahrheiten (Kerygma) geweckt. Und deren Herzstück, das Bekenntnis: \"Jesus ist der Herr!\", dürfe nicht nur bei der Evangelisierungstätigkeit ertönen, sondern auch in der Kirche selbst. Das erklärte P. Raniero Cantalamessa OFMCap, Prediger des päpstlichen Hauses, am Freitag in seiner ersten Betrachtung vor Papst Benedikt XVI. und dessen Mitarbeitern in der römischen Kurie.



In der Kapelle \"Redemptoris Mater\" des Apostolischen Palastes sprach der Kapuzinerpater über das Thema \"Wir verkündigen Jesus Christus als den Herrn (vgl. 2 Kor 4,5) – Der Glaube an Christus heute\". Anhand der Apostel Paulus und Johannes erschloss er den tieferen Sinn des Wortes \"Glauben\" und erklärte: \"Der Glaube, der heilt, ist der Glaube an Jesus Christus und an sein Ostergeheimnis des Todes und der Auferstehung.\"

Nach der Feststellung, dass die Person Jesu Christi in der Religiosität der heutigen Gesellschaft, aber auch oft nicht einmal unter den Christen, eine Rolle spiele, gab der Prediger des päpstlichen Hauses folgende Devise aus: \"Um die \'postchristliche\' Welt zu \'re-evangelisieren\' ist es unerlässlich, jenen Weg zu kennen, den die Apostel beschritten haben, um die \'prächristliche\' Welt zu \'evangelisieren\'!.\" Der Glaube könne sich nach dem Verständnis des heiligen Apostels Paulus nur \"in der Gegenwart des Kerygma, der Verkündigung\" oder der Predigt entwickeln und entfalten.

Die Wiederentdeckung des Kerygma

\"Aber was genau ist das Objekt der \'Predigt\'?\", fragte sich Pater Cantalamessa. \"Aus dem Mund Jesu (...) ist es die große Neuigkeit: \'Das Reich Gottes ist schon zu euch gekommen!\' (...), und aus dem Mund der Apostel ist es jenes Werk, das Gott in und durch Jesus von Nazaret wirkt.\" Aber es gebe da noch etwas Konkreteres, so etwas wie \"die Keimzelle, aus der alles hervorgeht – der Ausruf: \'Jesus ist der Herr!\', der im Staunen eines Glaubens, der gerade entsteht, ausgesprochen und angenommen wird (…).\"

Der Ausruf Jesu: \"Das Reich Gottes ist schon zu euch gekommen\", werde bei den Aposteln zum Ruf: \"Jesus ist der Herr\", führte der Prediger des päpstlichen Hauses weiter aus. Somit herrsche eine \"vollkommene Kontinuität zwischen Jesus, der predigt, und dem gepredigten Christus. Denn wenn man sagt: \'Jesus ist der Herr!\', dann ist das so, als würde man sagen, dass das Reich und die Herrschaft Gottes im gekreuzigten und auferstandenen Jesus zur Vollendung gelangt sind.\" In diesem Zusammenhang zitierte der Ordenspriester das Wort: \"\'Wenn du mit deinem Mund bekennst: \'Jesus ist der Herr\' und in deinem Herzen glaubst: \'Gott hat ihn von den Toten auferweckt\', so wirst du gerettet werden\" (Röm 10,9).

Nach dem Pfingstfest hätten die Apostel aber nicht nur diesen einen Glaubenssatz verkündet, sondern auch zwei ganz konkrete Tatsachen: Jesus \"ist wegen unserer Sünden gestorben und zu unserer Rechtfertigung auferstanden\". Im Laufe der Zeit sei die Verkündigung der Kirche immer umfangreicher geworden, \"so dass ein großes Lehrgebäude entstanden ist, aber sie beginnt immer (…) mit dem Kerygma: \'Jesus ist der Herr!\'\". Diesen Ausruf bezeichnete P. Cantalamessa als die \"Seele\" der kirchlichen Verkündigung, als \"Sonne, die über ihre leuchtet\".

Das Kerygma erwecke den Glauben, während Hoffnung und Katechese eher dazu führten, den Glauben zu vertiefen und zu formen. Das Kerygma besitze den Charakter einer Explosion – \"von ihm geht alles andere aus, sogar die vier Evangelien\".

Sich für Jesus entscheiden

Da häufig die Bedeutung des Anfangsmoments des Glaubens vernachlässigt werde, weil man der Ansicht sei, dass vor allem die Glaubensinhalte weitergegeben werden müssten, sei es heute an der Zeit, \"das Kerygma wiederzuentdecken\", fuhr der Prediger fort. \"Durch unsere Vorfahren sind wir heute besser darauf vorbereitet, \'Hirten\' zu sein als \'Menschenfischer\'.\" Man könne sich besser um jene Menschen kümmern, die der Kirche neu beiträten, als neue Menschen für die Kirche gewinnen oder gar diejenigen \"zurückzufischen\", die sich von ihr entfernt hätten. Viele Katholiken würden der Kirche den Rücken kehren und sich anderen christlichen Gemeinschaften anschließen, \"weil sie sich durch eine einfache und wirksame Verkündigung angesprochen fühlen und auf diese Weise in direkten Kontakt mit Christus treten und die Macht seines Geistes erfahren \". Allerdings verfügten diese Gemeinschaften nicht über die unschätzbaren Mittel und Wege der katholischen Kirche: \"eine unglaublich reiche Spiritualität, unzählige Heilige, das Lehramt und vor allem die Sakramente\", um die Menschen \"zur Fülle des christlichen Lebens zu führen\".

Es sei notwendig, sich in der Kirche über eine \"Grundverkündigung\" Gedanken zu machen, die \"klar und schlank ist und nicht nur den Katechumenen zuteil werden sollte, sondern allen, da ja die Mehrheit der Gläubigen von heute kein Katechumenat durchwandert hat\". Diesbezüglich erinnerte P. Cantalamessa an das Beispiel einiger der neuen kirchlichen Bewegungen, in denen \"erwachsene Menschen endlich die Gelegenheit erhalten, das Kerygma zu hören, die eigene Taufe zu erneuern, sich bewusst für Christus als ihren Herrn und Erlöser zu entscheiden und sich aktiv am Leben seiner Kirche zu engagieren. Wenn man sagt: \'Jesus ist der Herr!\', dann bedeutet das, sich für etwas zu entscheiden\", betonte P- Cantalamessa zum Schluss seiner Betrachtung. \"Es ist so, als würde man sagen: Jesus Christus ist \'mein\' Herr. Ich erkenne sein Recht an, ganz über mich zu verfügen; ich überlasse ihm die Zügel meines Lebens; ich will nicht mehr länger für mich selbst leben, sondern für ihn, der für mich gestorben und auferstanden ist.\"