P. Corcuera: „Werden wir nicht müde, das Gute zu tun"

Brief an die Mitglieder und Freunde des Regnum Christi

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ROM, 31. März 2009 (ZENIT.org).- Aus aktuellem Anlass veröffentlichen wir den Brief, den P. Álvaro Corcuera, Generaldirektor der Legionäre Christi, den Mitgliedern und Freunden der Bewegung Regnum Christi angesichts der traurigen Erkenntnisse in Bezug auf das Leben von Gründer P. Marcial Maciel LC (1920-2008) geschrieben hat.

„Alles von Gott aus sehen. Nach vorne blicken! Bleiben wir nicht stehen und werden wir nicht müde, das Gute zu tun. Die Zeiten verlangen von uns Heiligkeit, Demut, Nächstenliebe und in allem Werkzeug Gottes zu sein, um das Gute zu tun."

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Liebe Freunde in Christus!

Diese Zeilen schreibe ich vor dem Allerheiligsten, um Ihnen für Ihr Gebet und Ihre Nähe zu danken. Sie zeugen von dem Familiengeist, mit dem Gott uns in seiner unendlichen Güte beschenkt hat. Ebenso schreibe ich, weil ich Ihnen ein Zeichen meiner aufrichtigen Unterstützung geben möchte, die ganz von Herzen kommt. Wie ein Bruder möchte ich Ihnen zur Seite stehen und uns alle um Christus, den Mittelpunkt unseres Lebens, versammelt sehen.

Gerade jetzt wollen wir alles vom Glauben, von der Hoffnung und der Liebe her betrachten. Das Herz dessen, der Mensch wurde und uns erlöst hat, Christus, soll Maßstab unseres Handelns sein.

Wir machen zurzeit schmerz- und leidensvolle Momente durch. Doch dieser Schmerz birgt auch eine Erfahrung von der unendlichen Liebe Gottes in sich. Gott bittet uns darum, vorwärts zu schreiten, den inneren Frieden zu bewahren und Güte walten zu lassen, denn ihm liegt nur daran, dass wir in unserem Leben die Freude erfahren, seine Kinder zu sein. Bei jedem Zusammentreffen mit Ihnen sehe ich die Liebe Gottes, die Sie im Herzen tragen, und mache aus erster Hand von ihr eine Erfahrung. Sie wirkt wie ein Spiegel, der sein Licht in das Leben vieler Menschen wirft. Sie macht aus uns eine einzige Familie.

Bei der Feier der heiligen Eucharistie habe ich Christus im Gebet um seine Hilfe gebeten, damit ich die richtigen Worte finde, um mich in diesem Augenblick an Sie zu wenden. Menschlich gesehen war das nicht leicht. Aber gerade in solchen Situationen sagt er zu uns: „Vertraue auf mich, lege alles in mein Herz!“ Er liebt uns bis zur Vollendung und kümmert sich um uns wie der Gute Hirte, der nie zulässt, dass wir in Einsamkeit geraten oder der Finsternis verfallen: „Muss ich auch wandern in finsterer Schlucht, ich fürchte kein Unheil; denn du bist bei mir“ (Ps 23,4).

Ich weiß, dass wir alle, wie der heilige Paulus sich ausdrückt, uns an die Wahrheit halten wollen. Der heilige Augustinus lehrt seinerseits: „Allein die Wahrheit trägt den Sieg davon“, und fügt hinzu: „Der Triumph der Wahrheit ist die Liebe!“ (Predigten 358,11) Die Liebe erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, hält allem stand (vgl. 1 Kor 13,7). Wenn unsere Antwort, dem Wunsch Gottes gemäß, so gewichtig wie die Liebe ausfällt, wird er unseren Seelen Frieden schenken.

Was die Wahrheit angeht, so ist das erste, was uns zu ihr einfällt, wenn wir uns vor Christus gestellt sehen, dass er selbst die Wahrheit ist, die uns dazu bringt, alles mit seinen Augen zu betrachten. Im konkreten Fall unseres Gründers kann ich nicht umhin, all das Gute anzuerkennen, das ich durch ihn empfangen habe. Durch das Charisma, das er uns vermittelt hat, haben viele von uns gerade das von Gott empfangen, was unserem Leben Sinn verliehen hat, nämlich die Liebe zu Jesus Christus, zur Jungfrau Maria, zur Kirche, zum Papst und zu den Seelen. Das sind die Bestimmungsorte unserer Liebe! Persönlich bin ich ihm dafür dankbar, dass er das Werkzeug Gottes war, durch das mein ganzes Leben Sinn empfing. So habe ich den Weg eingeschlagen, der mich zur ewigen Erlösung und zu Gott hinführt. Für mich ist das wahr und nie könnte ich genügend Worte finden, um meinem Dank dafür Ausdruck zu verleihen.

Wahr ist auch, dass er ein Mensch war. So ist all das, was uns wehgetan, uns überrascht hat – und was wir wohl mit unserem Verstand nicht nachvollziehen können – schon dem Urteil Gottes unterworfen. Es stimmt, dass dies alles mit viel Schmerz und großer Traurigkeit verbunden ist. Diese Trauer schweißt uns aber als Familie zusammen. Sie bringt uns dazu, Freud und Leid gemeinsam, eben wie ein einziger Leib, zu ertragen. Die Umstände, in denen wir momentan leben, laden uns dazu ein, alles mit viel Glauben, Demut und Liebe zu betrachten. So legen wir alles in Gottes Hände, in die Hände des Herrn, der uns den Weg der unendlichen Barmherzigkeit aufzeigt.

Was mich betrifft, so zögere ich nicht, Sie für all das Leid um Verzeihung zu bitten. Für uns alle bitte ich Gott mit ganzer Seele um die Gabe, alles von Jesu Herz aus zu betrachten.

In der Liebe verwurzelt, lässt uns die Wahrheit so denken, reden und handeln wie Jesus Christus. Ich bin mir bewusst, dass meine Worte nie all das zum Ausdruck bringen können, was ich sagen möchte. Aber in der Gewissheit, dass Gott bei denen, die ihn lieben, ALLES zum Guten führt (vgl. Röm 8,28), würde ich Ihnen gerne ein Zeichen für meine Nähe, meine Dankbarkeit und meine Gebete geben.

Die Jungfrau Maria weist uns den Weg. Vor einigen Tagen besuchte ich die Basilika von Unserer Lieben Frau von Guadalupe. Mit einigen Mitgliedern des Regnum Christi habe ich dort den Rosenkranz gebetet. Maria nimmt uns in ihre Arme, überrascht uns mit ihrer Liebe, spricht zu uns im Herzen und wiederholt die Worte: „Mein Sohn, bin ich etwa nicht hier, ich, deine Mutter? Sorge dich nicht und sei nicht traurig!“

Ich weiß, dass diese Überlegungen allgemeiner Natur sind. Die Geisteshaltungen, die ich mit ihnen verbinden und Ihnen mitteilen wollte, entsprechen der Antwort, die wir – so würde ich es mir wünschen – in unseren Herzen finden.

Alles von Gott aus sehen. Nach vorne blicken! Bleiben wir nicht stehen und werden wir nicht müde, das Gute zu tun. Die Zeiten verlangen von uns Heiligkeit, Demut, Nächstenliebe und in allem Werkzeug Gottes zu sein, um das Gute zu tun.

Möge Gott Sie stets segnen!

So verbleibe ich herzlichst als Ihr Bruder in Christus und der Bewegung

Álvaro Corcuera LC


[Von der Kongregation der Legionäre Christi veröffentlichte Übersetzung des spanischen Originals]