P. Jaime Bonet, Gründer der Missionarischen Familie Verbum Dei, wird 80 Jahre alt

"Wer in Gott verliebt ist, den drängt es einfach, andere ins Gebet einzuführen"

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ROM, 19. Mai 2006 (ZENIT.org).- Zu Pfingsten, wenn die Kirche weltweit die Ausspendung des Heiligen Geistes und damit die Geburtsstunde der Kirche feiert, werden in Rom mehr als 100 Geistlichen Bewegungen und Gemeinschaften von diesem Geist Zeugnis geben, der sie hervorbrachte und ihnen ihr spezifisches Charisma schenkte.



Einer jener Gründergestalten, die die Stimme des Heiligen Geistes hörten und ihr gefolgt sind, ist der spanische Weltpriester Jaime Bonet, der am Sonntag seinen 80. Geburtstag feiern wird. Papst Johannes Paul II. würdigte seine Gründung, die Missionarische Familie Verbum Dei, indem er ihr im Jahr 2000 seine päpstlichen Anerkennung zuteil werden ließ.

Die Liebe zu Christus und seiner Kirche, Willensstärke und Kompromisslosigkeit zeichnen diesen Priester aus, dessen Theologie nach einer jüngst veröffentlichten wissenschaftlichen Studie von großer Einfachheit und getragen sein soll von der Überzeugung der schlichten Glaubenswahrheiten, die ins Kerygma finden wollen (vgl. Katharina Karl, "Jüngerschaft als Lebensprinzip von Kirche", München 2006).

Als junger Mann wird für Jaime Bonet ein Satz aus der Enzyklika "Mystici Corporis" von Pius XII. wegweisend: Nach einem Bekehrungserlebnis mit 14 Jahren ins Priesterseminar eingetreten, begriff er drei Jahre später – mitten in einer Zeit, die von Kriegswirren geplagt war – "dass das Heil vieler Menschen von der Mitwirkung abhängig ist, die die Hirten und Gläubigen leisten". Noch im Seminar gründete er eine erste Predigtschule.

Nach seiner Priesterweihe führt Bonet diese grundlegende Erkenntnis konsequent in seinem seelsorglichen Dienst weiter. Die Mithilfe einiger weniger zähle viel, ist seine feste Überzeugung. Dem Gebet und der Hingabe einiger weniger wohne eine Wirkkraft inne, die auf alle Glieder der Kirche abstrahle.

P. Bonet verstand ganz klar, warum sich die Apostel zu einer bestimmten Zeit ausschließlich dem Gebet und dem Dienst am Wort widmeten: Der Glaube komme ja vom Hören des Wortes Gottes. Durch die Begegnung mit Menschen, die das Wort des Evangeliums ansprechend verkünden, ausdeuten und ehrlich versuchen, konsequent nach ihm zu leben, werde ein Glaubensprozess angestoßen und durch die eigene Vergewisserung des Gehörten im Gebet der Ruf des Wortes eingeholt.

Diese besondere Lesart des Evangeliums prägte von nun an seine priesterliche Lebensform, ließ ihn zum Mitarbeiter bei Glaubenskursen der Katholischen Aktion und der jungen, ebenfalls auf der Mittelmeerinsel Mallorca gegründeten Cursillo-Bewegung werden. Er suchte und sammelte als Jugendseelsorger junge Menschen, um sie zu Glaubensverkündern auszubilden. Die Art, wie dieser junge Priester das tat, brachte eine eigene Laienbewegung hervor; junge Frauen, Männer und Ehepaare entdeckten ihre Berufung zur Nachfolge, zum Studium und zur Verkündigung des Wortes Gottes.

Jaime Bonet kämpfte sein ganzes Leben lang für zwei Dinge: die Priorität der Vereinigung mit Gott im Leben der Mitglieder und aller Menschen sowie die Verpflichtung zur Verkündigung. Wer dies unterließe, so ermahnt er auch heute immer wieder seine Gemeinschaft, vergeude sein kostbares und einmaliges Leben und werde unfruchtbar. "Wer in Gott verliebt ist", so wird er nicht müde zu wiederholen, "den drängt es einfach, andere ins Gebet einzuführen. Diese Liebe zum Verkünden macht ihn überhaupt erst glaubwürdig."

Der Geistliche ist davon überzeugt, dass jeder zu dieser Liebe fähig ist: "Jeder noch so durchschnittliche und menschlich vielleicht nicht unbedingt begabte Mensch hat die Fähigkeit, mit Gott in Kontakt zu treten." Außerdem sie jeder imstande, sich den anderen auf die eine oder andere Weise mitzuteilen – "Wieso sollte jemand nicht das Evangelium weitererzählen können?"

Jüngerschaft, so Jaime Bonet, "wird entzündet an der Erfahrung einer persönlichen Lebenswende durch die Begegnung mit Christus". Dafür hat diese Gründergestalt sein Leben lang gebetet, gearbeitet und gepredigt. Dafür hat er gelitten und gestritten, dafür hat er sich riskiert, auch manche Fehler gemacht und manche vor den Kopf gestoßen. Einer seiner Wegbegleiter und freundschaftlichen Ratgeber, Kardinal Francisco Javier Errázuriz Ossa, Erzbischof von Santiago de Chile, erklärte einmal nach einer aufbrausenden Reaktion P. Bonets schmunzelnd: "So sind die Gründer: Menschlich gesehen zuweilen schüchtern und sensibel, aber hart und unbeugsam, wenn sie das ihnen von Gott anvertraute Charisma bedroht sehen. Da kennen sie kein Ansehen der Person, nur die grenzenlose Leidenschaft für das, was sie als Gottes Willen erkannt haben."

Gefragt, was er sich zum runden Geburtstag wünsche, erklärte Jaime Bonet der amtierenden Präsidentin der Missionarischen Familie Verbum Dei, Isabel-Maria Fornari, spontan: Dass im Verbum Dei die Liebe zu Maria, der Mutter der Kirche, wachse, deren "fiat" (es geschehe") uns den Erlöser geschenkt habe. "Maria, die geliebte Mutter, ist unverzichtbar für das Leben eines wahren Jüngers", unterstreicht P. Jaime Bonet. "Jeder soll sie wie Johannes zu sich nehmen, ins Herz schließen und von ihr lernen, was geistliche Mutterschaft und Heiligkeit bedeutet. Ihr allein soll unser Magnifikat gelten."