P. José Funes SJ: "Wir wollen jeden Tag ein wenig mehr über die Wunder des Universums erfahren, die die Herrlichkeit Gottes verkünden"

Interview mit dem neuen Direktor der vatikanischen Sternwarte

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TUCSON, 1. September 2006 (ZENIT.org).- Der 43-jährige Jesuitenpater José Gabriel Funes, der neben Theologie auch Astronomie studiert hat, leitet seit kurzem auf Wunsch Papst Benedikts XVI. die vatikanische Sternwarte, das weltweit älteste Observatorium (vgl. ZENIT vom 21. August).



In diesem Interview mit ZENIT spricht der aus Argentinien stammende Ordenspriester von seiner Tätigkeit und erklärt: "Ein Institut wie das unsrige, das schon im Dienst von zehn Päpsten gestanden hat, ist ein klarer Beweis dafür, dass die Kirche keine Angst vor einer qualitativ wertvollen Wissenschaft hat, sondern dass sie diese, ganz im Gegenteil, auch fördert."

ZENIT: Welche Ausrichtung werden Sie der vatikanischen Sternwarte als ihr neuer Leiter geben?

--P. Funes: Zunächst einmal danke ich Gott und dem Heiligen Vater, dass ich dazu berufen wurde, als Direktor einer Institution dienen zu dürfen, die auf eine reiche Tradition und Anerkennung seitens der internationalen astronomischen Gemeinschaft zurückblicken kann. Es ist eine große Verantwortung, die hervorragende Arbeit weiterzuführen, die Pater Coyne in den 26 Jahren seiner Leitung geleistet hat.

Die vatikanische Sternwarte erzielt bemerkenswerte Ergebnisse, wie man an der wissenschaftlichen Forschung, an der Austragung internationaler wissenschaftlicher Kongresse, an den Doktoranden aus aller Welt und an der Förderung des Austausches zwischen Glauben und Wissenschaft erkennen kann. Meine Absicht ist es, diese Aktivitäten weiterzuführen, die ein Zeichen für die Gegenwart der Kirche in der Welt der Wissenschaft sind. Diese schwierige Mission wird dank der unersetzlichen Hilfe der Mitbrüder meiner Kongregation, der Gesellschaft Jesu, erst möglich.

Als Jesuiten wollen wir dem Heiligen Vater und der Kirche dort dienen, wo wir am nützlichsten sein können. Im Fall der Arbeit an der Sternwarte ist unser Dienst sehr konkret. Unsere Aufgabe besteht darin, im Bereich der Astronomie präsent zu sein.

Wir möchten an den Mühen der Forschung teilhaben, am Enthusiasmus und an der Freude über wissenschaftliche Entdeckungen. Wir wollen jeden Tag ein wenig mehr über die Wunder des Universums erfahren, die die Herrlichkeit Gottes verkünden.

ZENIT: Befindet sich die vatikanische Sternwarte nun in Castel Gandolfo oder in Tucson (US-Bundesstaat Arizona)?

--P. Funes: Die vatikanische Sternwarte ist ein Institut, dass seinen historischen Sitz in Castel Gandolfo hat, wo die Daten untersucht werden, die Schulen und die verschiedenen Kongresse stattfinden. Es ist für uns eine große Ehe, im Haus des Papsts zu Gast zu sein. Wir sind dem Heiligen Vater sehr für seine Unterstützung dankbar und hoffen, diesem großen Privileg mit unserer Arbeit entsprechen zu können.

In Arizona haben wir eine Forschungsgruppe und das Teleskop, das wir für unsere Beobachtungen gebrauchen. Die Zusammenarbeit mit der astronomischen Fakultät der Universität von Arizona, einem der namhaftesten astronomischen Zentren der Welt, ist für uns von großer Bedeutung. Einige von uns halten an dieser Universität Vorlesungen.

ZENIT: Ihr Spezialgebiet ist die scheibenförmige Galaxie. Was ist darunter zu verstehen?

--P. Funes: Im Jahr 2000 habe ich meine Promotion in Astronomie an der Universität von Padua zum Thema "Gasbewegung in den zentralen Regionen der Scheibengalaxien" beendet. Für den Laien heißt das: Meine Dissertation stellte die Ergebnisse zusammen, die wir aus dem "Wiegen" von supermassiven Schwarzen Löchern erhalten haben, die sich im Zentrum von Scheibengalaxien befinden.

In den vergangenen Jahren habe ich die Sternbildung der umliegenden Galaxien untersucht, die sich in einer Entfernung von nicht mehr als 50 Millionen Lichtjahren von der Erde befinden. Die Sternbildung gibt uns einen Schlüssel zum Verständnis der Entstehung und Entwicklung von Galaxien.

Im Jahr 2000 habe ich an der Organisation eines internationalen Kongresses an der Gregorianischen Universität in Rom zum Thema "Entstehung und Entwicklung von Scheibengalaxien" mitgearbeitet, der von der vatikanischen Sternwarte veranstaltet wurde. Unsere Galaxie, die Milchstraße, ist eine Scheibengalaxie.

Im Augenblick bereite ich einen weiteren Kongress zum gleichen Thema vor, in dem die jüngsten Ergebnisse diskutiert werden. Dieser Kongress wird ebenfalls an der Gregorianischen Universität stattfinden, im Oktober 2007.

ZENIT: Was würden Sie den Astronomen sagen, die meinen, dass Glaube und Wissenschaft nicht mit einander vereinbar sind?

--P. Funes: Nicht nur den Astronomen, sondern allen, die so denken, sage ich normalerweise, dass ich keinen Widerspruch zwischen der Wissenschaft und dem Glauben sehen. Ich glaube schon, dass es da Spannungen gibt, aber ich glaube auch, dass es sehr hilfreich ist, Spannungen zu erleben – weil sie uns helfen zu wachsen.

Ich bin mir bewusst, dass es Gegensätze gegeben hat und dass es auch in Zukunft noch welche geben wird. Aber wir brauchen vor der wissenschaftlichen Erkenntnis keine Angst zu haben.

Ein Institut wie das unsrige, das schon im Dienst von zehn Päpsten gestanden hat, ist ein klares Zeugnis dafür, dass die Kirche keine Angst vor einer qualitativ wertvollen Wissenschaft hat, sondern dass sie diese, ganz im Gegenteil, auch fördert.

ZENIT: Schauen Sie sich in Ihrer Freizeit auch Filme wie "Krieg der Sterne" an?

--P. Funes: Ja, sie sind schon vergnüglich, obwohl ich selbst kein Liebhaber dieses Filmgenres bin.