P. Julián Carrón: „Das christliche Ereignis befreit die Vernunft"

Der Vorsitzende von „Gemeinschaft und Befreiung“ auf dem Rimini-Meeting

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RIMINI, 26. August 2009 (ZENIT.org) .- Rund 20.000 Menschen und hochkarätige Kirchenvertreter verfolgten auf dem diesjährigen Meeting von „Comunione e Liberazione“ in der italienischen Hafenstadt Rimini den Vortrag von P. Julián Carrón über „Ereignis und Erkenntnis beim heiligen Paulus“.

Carrón, Vorsitzender des Leitungsrats der Bewegung Gemeinschaft und Befreiung (CL) der gleichnamigen Fraternität, gewährte Einblick in den Lebensstil und die Einstellung des Saulus von Tarsus vor dessen Bekehrung und skizzierte den anschließenden Wandlungsprozess durch die Begegnung mit Christus auf dem Weg nach Damaskus. Angestoßen durch dieses Ereignis habe sich seine Sicht der Wirklichkeit und der Umgang mit ihr nachhaltig verändert.

Der Leiter von „Gemeinschaft und Befreiung“ bekräftigte, dass für Paulus die Erfahrung der Begegnung mit dem Auferstandenen in der Realität Christi durchsichtig geworden sei. „Niemals sonst in seinem Leben wurden die Vernunft und die Freiheit des Paulus so in Frage gestellt, wie durch dieses Ereignis.“

Mit Blick auf das Damaskus-Erlebnis erklärte Carrón, dass die Erfahrungen des heiligen Paulus die Bedingungen aufzeigten, „um Christus zu erkennen: Es ist das Mitteilen eines Widerfahrnisses, das sich in der menschlichen Erfahrung vergegenwärtigt“. In diesem Sinn könne man sagen, dass im Fall des Paulus „die Feststellung möglich ist, dass Erkenntnis immer ein Ereignis ist. Die Begegnung mit Christus weitet seine Vernunft und wird zu einem Ruf, das Neue, mit dem er konfrontiert ist, anzuerkennen.“ Dasselbe hätten zuvor auch die Jünger Jesu erfahren.

Carrón wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass „sich das christliche Ereignis und die Vernunft mit Blick auf die Erkenntnis nicht ausschließen. Im Gegenteil, das christliche Ereignis befreit die Vernunft von den Beschränkungen, die sie normalerweise begrenzt. So stellt sie deren besondere Vitalität wieder her: Sie öffnet sich für das umfassende Verständnis der Wirklichkeit und deren radikale Neuheit, die Gegenwart Gottes unter den Menschen. Das christliche Ereignis führt die Vernunft ungeschuldet weit über das hinaus, was sie mit eigenen Kräften zu erreichen vermag."

Der Fall des Paulus sei für jeden Augenblick der Geschichte  paradigmatisch, „weil für ihn wie für alle Menschen das Christus-Ereignis in einer Gleichzeitigkeit zum Leben der Kirche in ihren historischen und kulturellen Gegebenheiten steht. Dies erlaubte ihm, aus derselben Erfahrung zu leben, die es zuließ, die Gewissheit dessen zu erreichen, was verkündet wird.“

Der einzige Weg, in der Erkenntnis Christi voranzuschreiten, ist nach Worten Carróns somit „die Bereitschaft, jetzt am Ereignis Christi teilzuhaben - und dies in der Macht seiner Auferstehung und in der Gemeinschaft seiner Leiden".