P. Leo Maasburg: Der Heilige Geist ist es, der uns zu Zeugen macht

Interview mit dem Nationaldirektor der Päpstlichen Missionswerke in Österreich

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WIEN, 9. Mai 2008 (ZENIT.org).- Wo wirkt der Heilige Geist? In den einfachsten Dingen und den „niedrigsten“ Diensten des Lebens, antwortet Dr. Leo Maasburg MA, Nationaldirektor der Päpstlichen Missionswerke in Österreich (missio). Und er bekräftigt, dass sich seine Kraft in jedem Menschen entfalten kann, auch in den Kindern.



Mit Blick auf das Pfingstfest, das die Kirche übermorgen, am 11. Mai, begehen wird, vergleicht der Priester im ZENIT-Interview den Heiligen Geist mit dem Benzin, das dem Auto erlaubt zu fahren, und weist darauf hin, dass es der Geist Gottes ist, der den Menschen befähigt, seiner hohen Berufung gerecht zu werden. „Wir sollen – wie die Apostel nach Pfingsten – Zeugen sein, auf Griechisch ‚martyres‘. Davon kommt das Wort Märtyrer, Blutzeugen.“

Dr. Maasburg war viele Jahre hindurch Begleiter der seligen Mutter Teresa von Kalkutta und stand ihr als Beichtvater zur Verfügung.

ZENIT: P. Leo, Sie waren gerade in Lourdes. Weht dort der Heilige Geist?

P. Leo Maasburg: Durch die sichtbare Anwesenheit der Not in Lourdes in den vielen tausenden Kranken und Pilgern kommt eine Wahrheit um den Menschen ans Licht: Der Mensch braucht Heilung an Leib und Seele.

In den Bädern, wo jedermann im heilsamen Wasser untertaucht, wird diese Symbolik noch deutlicher: Wir stehen nackt vor Gott. Wir haben ihm nichts anzubieten als das Eingeständnis unserer Not. Und damit öffnet sich unser Herz für die Gabe des Vaters, der uns nicht nur Brot und Fisch gibt, wenn wir ihn darum bitten, sondern immer auch das höchste Gut: seinen Heiligen Geist.

ZENIT: Das Pfingstfest lädt dazu ein, tiefer über den Heiligen Geist nachzudenken. Welchen Unterschied macht er?

P. Leo Maasburg: Der Unterschied, den ein Leben mit dem Heiligen Geist und eines ohne ihn machen, dürfte vergleichbar sein mit einem Auto mit Benzin im Tank und einem ohne Benzin. Auch ein Auto ohne Benzin im Tank kann den Eindruck erwecken, es funktioniere – so lange die Straße bergab geht… Aber danach, ganz unten?

Nach unserem Glauben kann der Mensch ohne den Heiligen Geist das Ziel, auf das hin er geschaffen worden ist, nicht erreichen. Und was ist dieses Ziel? Mutter Teresa hat dazu immer eine klare Antwort gehabt: „Wir sind dazu geschaffen, zu lieben und geliebt zu werden.“

Wie soll diese Liebe aussehen? Da wird es plötzlich anspruchsvoll, denn mit „Liebe“ ist keineswegs die Schlussszene eines Kitschromans gemeint, sondern die Erfüllung des einen neuen Gebotes, das uns Christus hinterlässt: „Liebt einander, wie ich euch geliebt habe!“ Und wie hat er uns geliebt? Er hat sein Leben für uns hingegeben!

Wir sollen – wie die Apostel nach Pfingsten – Zeugen sein, auf Griechisch „martyres“. Davon kommt das Wort Märtyrer, Blutzeugen.

ZENIT: Wie erkennt man, dass der Geist Gottes am Werk ist?

P. Leo Maasburg: Im Galaterbrief (5, 22) werden die Früchte des Heiligen Geistes angeführt: „Liebe, Freude, Friede, Geduld, Milde, Güte, Treue, Sanftmut, Enthaltsamkeit“.

Der Geist Gottes eint die Menschen. Er versöhnt sie mit sich selber und untereinander. Dazu gibt er ihnen auch noch die Kraft, sich so zu verhalten, dass diese Einheit über lange Zeit hinweg erhalten bleibt.

ZENIT: Worin unterscheidet er sich vom „Geist der Welt“?

P. Leo Maasburg: Der Geist der Welt hat die unselige Tendenz der Inkonsistenz, des Zerfalls und der Spaltung. Sehr deutlich wird das, wenn man daran denkt, dass materielle Hilfe allein den Frieden zwischen Menschen und Nationen noch nie langfristig garantiert hat. Ohne Bildung und insbesondere ohne Herzensbildung führt das potentiell nur zu einem Zerstörungspotenzial auf höherem Niveau: anstatt mit Speeren, werden die „Feinde“ mit Granaten oder Maschinengewehren getötet. Das ist der „Geist der Welt“, der diese traurige „conditio humana“, diese Tatsache nicht erkennt.

ZENIT: Welche Voraussetzungen müssen gegeben sein, damit der Geist Gottes wirken kann – im menschlichen Herzen und in der Gesellschaft?

P. Leo Maasburg: Das Streben nach der Wahrheit und – damit er seine Wirkung voll entfalten kann – der Glaube an Christus. „Denn ohne Maß gibt er den Geist“ (Joh 3,34).

ZENIT: Wie und wo kommen wir Menschen mit dem Heiligen Geist in Berührung? Und was ist in diesem Zusammenhang eigentlich der Unterschied zwischen Taufe und Firmung?


P. Leo Maasburg: Der gläubige Mensch erkennt das Wirken des Heiligen Geistes in den einfachsten Dingen des Lebens, in den „niedrigsten“ Diensten des Lebens. Ich denke an Straßenkehrer; an Mütter, die ihre Kinder reinigen; Pflegedienste, die Leben behüten, und Künstler, die es durch Schönheit lebenswert machen, und vieles mehr. Fundamentale Dienste – in ihnen ist der Geist besonders sichtbar, weil sie die Grundlage – das Fundament – des menschlichen Lebens bilden.

Spirituell-sakramental wird dann der fundamentale Dienst der Reinigung (ohne Reinigung würde jedes Leben dem Tod anheim fallen) sichtbar im Sakrament der Taufe, der symbolischen Waschung, die den Menschen den Geist verleiht, der ihn von der Bindung an seine „genetische“ Sündigkeit freisetzt.

Lourdes, wo ich gerade die Freude hatte, drei Tage zu verbringen, spiegelt ganz das Sakrament der Taufe wider: Die Mutter Gottes stellt sich dort unter dem Namen: „Ich bin die unbefleckt Empfangene“ vor, und Lourdes lebt von dem Taufsymbol des Wassers, das uns reinigt und heil macht.

Die Firmung hingegen ist nicht ein Sakrament meiner persönlichen Heiligung. In der Firmung wird mir der Heilige Geist für die anderen verliehen, nicht für mich selbst. Der Dienst der Heiligung, Heilung, Versöhnung und Rettung der Brüder und Schwestern steht im Vordergrund.

Fatima kann als Manifestation dieses zweiten großen Initiationssakraments in der Pädagogik der Mutter Gottes gesehen werden. Sie trägt den Kindern auf, „zu beten für diejenigen, die nicht beten; zu glauben für diejenigen, die nicht glauben“, und so weiter.

Jedes der drei Kinder von Fatima hat in diesem Sinn eine „Pro-Existenz“, ein Sein für andere gelebt. Dass zwei von ihnen schon selig gesprochen worden sind zeigt, dass die Kraft des Heiligen Geistes sich in jedem Menschen entfalten kann – auch in Kindern.

[Das Interview führte Dominik Hartig]