P. Lombardi SJ: Benedikt XVI. führt uns zum Wesentlichen

Offizielle Erklärung zum Papstbrief über die Aufhebung der Exkommunikation

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ROM, 12. März 2009 (ZENIT.org).- Der neue Brief von Papst Benedikt XVI. in Sachen Aufhebung der Exkommunikation wurde heute, Donnerstag, im Vatikan offiziell vorgestellt. Der Direktor des Presseamtes P. Federico Lombardi SJ, gab zu dem Schreiben, dass an die Bischöfe der katholischen Kirche adressiert ist, eine offizielle Erklärung ab.



P. Lombardi betonte, dass es sich bei dem Schreiben in der Tat um ein „ungewöhnliches“ Dokument handle, das höchste Aufmerksamkeit verdiene. Noch nie habe sich Papst Benedikt XVI. während seines Pontifikats auf eine derart persönliche und intensive Weise zu einer Debatte geäußert. Der Papst habe die Ereignisse, zu denen es im Zuge der Geste der Aufhebung der Exkommunikation gekommen sei, mit offensichtlicher Teilnahme und mit Schmerzen verfolgt. Sein Eingriff wolle einen Beitrag zum Frieden in der Kirche leisten, den er gestört sehe.

Mit der ihm eigenen Klarsicht und Demut erkenne Benedikt XVI. die Grenzen und Fehler, die einen negativen Einfluss auf die Angelegenheit gehabt hätten. Mit großem Edelmut weise er die Verantwortung hierfür nicht anderen zu, sondern erkläre sich mit seinen Mitarbeitern solidarisch. Hinsichtlich des „Falls Williamson“ spreche er von unzureichenden Informationen und mangelnder Klarheit bei der Vorstellung der Maßnahme der Rücknahme der Exkommunikation sowie deren Bedeutung.

Der „Fall Williamson“ sei nun glücklicherweise überwunden, stellte P. Lombardi heute fest. Er gebe dem Papst jedoch Gelegenheit, stolz daran zu erinnern, dass die Förderung der Versöhnung mit dem jüdischen Volk im Ausgang vom Zweiten Vatikanischen Konzil von Anfang an Ziel seiner persönlichen theologischen Arbeit gewesen sei.

Der Papst bemühe sich darum, das Wesen, die Bedeutung und die Absichten der Maßnahme der Aufhebung der Exkommunikation zu erhellen. Er erkläre, dass die Exkommunikation eine Strafe für Personen gewesen sei, die eine Handlung unternommen hätten, durch die die Einheit der Kirche gefährdet worden sei - indem sie die Autorität des Papstes missachteten. Die Aufhebung sei somit eine herzliche Einladung zur Rückkehr.

Benedikt XVI. fühle sich persönlich in seiner Verantwortung als Hirte der Weltkirche angesprochen und habe es für notwendig erachtet, vor seinen Mitbrüdern im Bischofsamt zu klären, worin die Prioritäten und der Geist seines Pontifikats bestehen: die Menschen zu Gott zu führen: „Nicht zu irgendeinem Gott, sondern zu dem Gott, der am Sinai gesprochen hat; zu dem Gott, dessen Gesicht wir in der Liebe bis zum Ende (Joh 13, 1) – im gekreuzigten und auferstandenen Jesus Christus erkennen. Das eigentliche Problem unserer Geschichtsstunde ist es, dass Gott aus dem Horizont der Menschen verschwindet und dass mit dem Erlöschen des von Gott kommenden Lichts Orientierungslosigkeit in die Menschheit hereinbricht, deren zerstörerische Wirkungen wir immer mehr zu sehen bekommen“ (Brief Benedikts XVI. an die Bischöfe).

Der Papst setze dann seine Überlegungen fort, indem er seine Gesprächspartner zu einer eingehenden persönlichen und kirchlichen Reflexion anrege.

Die Fragen des Papstes offenbarten, dass er von einer großen Sorge um Einheit beseelt sei, erklärte P. Lombardi. Seinen Fragen fehle nicht das Gespür für die Wirklichkeit, insofern sie auch die schwerwiegenden Fehler gewisser Wortmeldungen der Traditionalisten in Erinnerung riefen. Den gleichen Wirklichkeitssinn lasse der Papst auch gegenüber den Gliedern der Kirche und der Gesellschaft walten, die sich jeder Art von Versöhnung oder Anerkennung positiver Elemente der anderen zu widersetzen schienen.

„Die Überlegungen des Papstes enden damit, dass er erneut eine leidenschaftliche Einladung zur Liebe ausspricht, die für einen Christen die absolute Priorität darstellt.“ Gleichzeitig bringe Benedikt XVI. seine tiefe Hoffnung zum Ausdruck, dass innerhalb der kirchlichen Gemeinschaft Friede herrschen werde.

Der Pressesprecher des Papstes betonte in Radio Vatikan, dass der Papst jenseits aller begangenen Fehler und Missverständnisse, die man zugeben müsse, entschlossen und mutig zum Evangelium zurückführe, das das grundlegende und letzte Kriterium nicht nur des Lebens der Kirche, sondern auch seiner Leitungstätigkeit sei. Nur eine gemeinsame Umkehr zum Evangelium könne zur Überwindung der Spaltungen führen. Gleiches gelte für das Verständnis der „tiefen Übereinstimmung von Tradition und Konzil“.

Abschließend sagte P. Lombardi: „Schließlich begreifen wir, dass uns unser Papst, der sich persönlich auch in Krisensituationen exponiert, dahin führt, das Wesentliche, Tiefste und Radikalste zu finden, von dem aus wir den Weg neu aufnehmen können.“