P. Lombardi: Wir müssen eine „Kultur der Kommunikation“ schaffen

Der Direktor des Presseamtes des Heiligen Stuhls

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ROM, 6. Februar 2009 (ZENIT.org).- Der Vatikan habe seine Kommunikationstätigkeit nicht unter Kontrolle. Daher sei es erforderlich, bessere Bedingungen zu schaffen, um gerade auch besonders „heikle“ Erklärungen der Öffentlichkeit angemessen vorlegen zu können. Das erklärt der Direktor des vatikanischen Presseamtes, P. Federico Lombardi SJ,  in einem Interview, das gestern, am 5. Februar, von der französischen katholischen Zeitung La Croix veröffentlicht worden ist.



Nach den intensiven Diskussionen der vergangenen Tage über die Aufhebung der Exkommunikation der vier 1988 unrechtmäßig geweihten Bischöfe der Priesterbruderschaft St. Pius X. sowie deren Zuspitzung durch die Holocaust-Leugnung von Richard Williamson gesteht P. Lombardi interne Kommunikationsprobleme im Vatikan ein, um sich für die Schaffung einer „Kultur der Kommunikation innerhalb der Kurie“ auszusprechen.

Lombardi zeigt sich gegenüber La Croix davon überzeugt, dass der Vatikan die Diskussionen und kritischen Reaktionen der letzten Tage hätte vermeiden können, wenn er die Forderung nach einer Distanzierung von den negationistischen Thesen im selben Moment veröffentlicht hätte, in dem auch die Rücknahme der Exkommunikation bekannt gegeben wurde.

Besonders wenn es sich um „heiße“ Probleme handle, so Lombardi, sei es besser, die Erklärungen gut vorzubereiten. Die Verantwortlichen im Vatikan, die mit der Priesterbruderschaft St. Pius X. verhandelt hätten, hätten sich allein auf die Ansichten von deren Generaloberen, Bischof Bernard Fellay, konzentriert. Wenig Aufmerksamkeit sei aber den anderen drei Bischöfen und deren Einstellungen geschenkt worden.
 
„Eines ist gewiss“, so Lombardi weiter: „Der Papst wusste nichts. Wenn jemand etwas wissen musste, so ist das Kardinal Dario Castrillon Hoyos.“ Kardinal Hoyos  ist der Präsident der Päpstlichen Kommission „Ecclesia Dei“, unter deren Federführung die Verhandlungen mit der Priesterbruderschaft geführt worden waren.

P. Lombardi führt in dem Interview weiter aus, dass die moderne Art der Kommunikation es für den Vatikan sehr schwer mache, bestimmte Verlautbarungen zu verbreiten. „Gewisse Dokumente zielen auf Spezialisten im Kirchenrecht ab, andere auf Theologen, wieder andere auf alle Katholiken oder alle Menschen.“ Heute jedoch sei es so, dass jedes Dokument, welcher Art auch immer, direkt in die Öffentlichkeit gelange. Dies mache es schwer, die Situationen zu bewältigen.

Die Ankündigung der Aufhebung der Exkommunikation sei bis zum letzten Moment Gegenstand von Verhandlungen gewesen, so Lombardi; einige Punkte seien bis zuletzt unklar geblieben. „Das Kommuniqué, das die Entscheidung begleitete, ließ zu viele Zweifel offen und gab somit den Anstoß zu unterschiedlichen Interpretationen.“