P. Raniero Cantalamessa: Aus alt wird neu - Ostern

Erste Fastenpredigt von P. Raniero Cantalamessa OFM Cap. in der Kapelle „Redemptoris Mater“

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ROM, 13. März 2009 (ZENIT.org).- Ostern macht jung. In unserer Werdewelt wird der Heilige Geist zum Motor einer neuen Form von Evolution. Aus alt wird neu. Diese Verjüngung des Menschen geht von der Auferstehung aus. Die Vollendung von Mensch, Welt und Kosmos nach Gottes Plänen ist nach Worten des Predigers des Päpstlichen Hauses, P. Raniero Cantalamessa OFM Cap., eine Frucht von Ostern, des Passahs Jesu Christi, seines Sterbens und Auferstehens.

In der Kapelle „Redemptoris Mater“ des Apostolischen Palastes verkündete der Kapuzinerpater heute Vormittag in seiner ersten der traditionellen Fastenpredigten für den Papst und die Römische Kurie die Hoffnung auf Verjüngung: „Die Fastenzeit ist die ideale Zeit, sich für diese Verjüngungskur zu öffnen", erklärte er. Er stützte sich dabei auf die Betrachtungen des heiligen Paulus über die Schöpfung. Sie böten Hoffnungsperspektiven für im Herzen vergreiste Menschen und eine angeschlagene Welt. Der Völkerapostel sehe, so P. Cantalamessa, „dass die verdorbene Schöpfung in einer Erwartung lebt, in einem ‚Zustand der Spannung’. Das Objekt dieser Erwartung ist die Offenbarung der Herrlichkeit der Kinder Gottes.“

Der Prediger stellte seine Ausführungen unter den Titel: „Die gesamte Schöpfung seufzt und liegt in Geburtswehen“, um darauf hinzuweisen, dass das aktive Wirken des Geistes Mensch und Welt gemeinsam zur Vollendung führen werde. Ostern, das Fest der Auferstehung, so die Zusage des Kapuzinerpaters, „ist der Übergang vom Alter zur Jugend“.

Dieser Zustand der schmerzhaften Erwartung sei auf die Tatsache zurückzuführen, „dass die Schöpfung, ganz ohne ihre Schuld, in den Zustand der Verdorbenheit versetzt wurde, die der Apostel zu Beginn seines Briefes beschrieben hat (vgl. Röm 1,18 ff.)“. Jenseits aller innerweltlichen subjektiven Hoffnung hätten Christen „Fähigkeit zur Hoffnung, weil Gott vorgesehen hat, sie auszulösen“. Diese Hoffnung sei mit dem Erlöser verbunden, dem „Sohn Gottes", so der Päpstliche Hausprediger „der ganz im Gegensatz zu Adam eines Tages den Kosmos in seinen ursprünglichen Zustand der Freiheit und Herrlichkeit zurückversetzen wird“.

Die prophetische Vision des Glaubens des Apostels Paulus biete „die Möglichkeit, über die häufig debattierte Frage des möglichen Vorhandensein oder Fehlens eines immanenten göttlichen Schöpfungsplans nachzudenken“, erklärte P. Cantalamessa. „Die Feier zum zweihundertsten Jahrestag der Geburt Darwins (12. Februar 1809) lässt es zeitgemäß und notwendig erscheinen, in dieser Hinsicht Überlegungen anzustellen.“ Die erste große Neuheit der christlichen Weltsicht sei es ja, „dass sie überhaupt von der Befreiung der Materie spricht; also nicht einer Befreiung von der Materie das Wort redet. Der heilige Irenäus kämpfte sein ganzes Leben lang gegen die gnostische Behauptung, dass ‚die Materie nicht erlösungsfähig sei’.

Im aktuellen Dialog von Wissenschaft und Glauben zeige sich das Problem auf eine andere Weise, aber das Thema sei das gleiche, so der Kapuzinerpater. „Es ist die Frage, ob das Universum von jemanden entwickelt und geschaffen worden ist, oder ob es das Ergebnis von ‚Zufall und Notwendigkeit ist’; ob seine Entwicklung Zeichen einer Intelligenz aufweist und Fortschritte in Richtung eines bestimmten Ziels macht, oder ob es sich im blinden Gehorsam den Gesetzen und ihrer biologischen Mechanismen beugt“. Die Sicht des gläubigen Menschen lasse sich in diesem Zusammenhang in die Formel „Intelligent Design“ fügen, also intelligenter Entwurf oder Plan des Schöpfers.

„Wie in der Gnade des Geistes Raum für die Unvorhersehbarkeiten der menschlichen Freiheit bleibt, entwickelt sich von ihr getragen auf dem physikalischen und biologischen Feld alles auf Grund von Zweitursachen (der Kampf um das Überleben der Arten in Übereinstimmung mit Darwin, der Zufall, und die sekundären Notwendigkeiten eines Monod), obwohl dieses Zusammenspiel von der Vorsehung Gottes in jedem Fall getragen wird.“

In einem dritten Schritt widmete sich P. Raniero Cantalamessa der Beziehung zwischen der Heiligen Dreifaltigkeit und der Evolution. „Was an einer umfassenden trinitarischen Sicht des Problems noch fehlt, ist eine Betrachtung der Rolle des Heiligen Geistes beim Aufbau und bei der Entwicklung des Kosmos“, erklärte er. „Sie erfordert das Grundprinzip der trinitarischen Theologie, nämlich dass Gottes Werke „ad extra“ ungeteilt für alle drei Personen der Dreifaltigkeit gelten, wobei jede einzelne von ihnen mit ihren eigenen Wesenseigenschaften agiert“.

Paulus sehe „eine Kontinuität zwischen dem Seufzen der Schöpfung und den Gläubigen, die in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Geist steht: ‚Mehr noch, obwohl wir die Erstlingsgabe des Geistes haben, seufzen auch wir [gleich der Schöpfung] innerlich.’ Der Heilige Geist ist die geheimnisvolle Kraft, der die Schöpfung zu ihrer Vollendung führt.“

Deshalb sei das kreative Wirken des Heiligen Geistes „die Quelle der Vollkommenheit der Schöpfung; er würde sagen, er ist nicht derjenige, der besorgt, das die Welt aus dem Nichts ins Sein kommt, sondern derjenige, der das Ungeformte gestaltet und vollendet.“

Somit sei der Heilige Geist derjenige, „der den Übergang von Chaos zu Kosmos bewirkt…; der die „Welt" fertig stellt, und dies im ursprünglichen Sinn dieses Wortes. Der heilige Ambrosius sagt: ‚Als der Geist begann, über dem Geschaffenen zu schweben, da besaß dieses noch keine Schönheit. Aber als die Schöpfung mit dem Antrieb des Geistes sich zu entwickeln begann, bekam sie all diese Pracht der Schönheit, die jetzt aufleuchtet als Welt.’“

In einem vierten Schritt, dem er den Titel „Ostern, der Übergang von der Jugend zum Alter“ gab, wies P. Cantalamessa auf einige praktische Konsequenzen hin, „die diese biblische Sicht von der Rolle des Heiligen Geistes für unsere Theologie und unser spirituelles Leben hat“. An erster Stelle stehe da für gläubige Christen das Thema der „Ökologie“. Sie dürfe nicht nur eine praktische Notwendigkeit im Blick auf das Überleben darstellen oder nur ein Problem politischer und wirtschaftlicher Art sein. Ökologisches Handeln fuße auf einer theologischen Grundlage.

„Die Schöpfung ist das Werk des Heiligen Geistes!“, bekräftigte der Prediger, und mit Hilfe des Heiligen Geistes könne das „intelligente Design“ des Schöpfers die Herzen eines jeden Menschen gemäß dem göttlichen Plan umgestalten.

Von Angela Reddemann