P. Raniero Cantalamessa: Jesus Christus will uns vom Teufel befreien!

Kommentar zum Evangelium des 1. Fastensonntags (Lesejahr A)

| 803 klicks

ROM, 8. Februar 2008 (ZENIT.org).- Der Teufel hat leichtes Spiel, da viele Menschen nicht an ihn glauben - weil sie nicht auf Christus und die Heiligen schauen. Das betont der Prediger des Päpstlichen Hauses, P. Raniero Cantalamessa OFM Cap., in seinem Kommentar zum ersten Fastensonntag (Gen 2,7-9;3.1-7; Röm 5,12-19; Mt 4,1-11). Christus habe sich in der Wüste vom Teufel befreit, damit auch wir uns seiner Macht entziehen. Das ist in den Augen des Kapuzinerpaters die ermutigende Botschaft zu Beginn der 40tägigen Vorbereitungszeit auf Ostern.


* * *


Heute sind Teufel, Satanismus und ähnliche Phänomene höchst aktuell, und sie geben Anlass zur Sorge um unsere Gesellschaft. Unsere technologisierte und industrialisierte Welt wimmelt nur so von Zauberern von Hexenmeistern, von Okkultismus und Spiritismus, von Kartenlegern, Zauber- und Amulettverkäufern, ja sogar von echten satanischen Sekten. Aus der Tür geworfen, ist der Teufel durch das Fenster wieder eingestiegen, das heißt: durch den Glauben vertrieben, ist er mit dem Aberglauben zurückgekehrt.

Die Episode der Versuchungen Jesu in der Wüste, die wir am ersten Fastensonntag lesen, hilft uns, ein wenig mehr Klarheit in diese Thematik zu bringen. Vor allem: Existiert der Teufel wirklich? Bedeutet das Wort „Teufel“ tatsächlich eine personale Wirklichkeit, die über Verstand und Willen verfügt, oder handelt es sich bloß um ein Symbol, einen Ausdruck, um die Summe aller moralischen Übel in der Welt in Worte zu kleiden, das kollektive Unbewusste, die kollektive Entfremdung usw.? Viele unter den großen Intellektuellen glauben zwar nicht an einen Teufel im zuerst genannten Sinn. Man muss aber zugeben, dass große Schriftsteller und Denker wie Goethe und Dostojewski die Existenz des Teufels sehr ernst genommen haben. Charles Baudelaire, der nicht gerade unter die Schar der Heiligen zu rechnen ist, hat einmal gesagt: „Die größte List des Teufels ist es, uns zu überzeugen, dass es ihn nicht gibt.“

Den Hauptbeweis für die Existenz des Teufels liefern in den Evangelien nicht die zahlreichen Passagen über die Befreiung von Besessenen, denn in die Interpretation dieser Begebenheiten sind möglicherweise auch die altertümlichen Überzeugungen über den Ursprung gewisser Krankheiten mit eingeflossen. Jesus, der in der Wüste vom Teufel in Versuchung geführt wird, ist der Beweis, und auch die vielen Heiligen, die im Lauf ihres Lebens mit dem Fürsten der Finsternis gekämpft haben, beweisen seine Existenz. Sie haben nicht wie „Don Quijote“ gegen Windmühlen gekämpft, nein, das Gegenteil ist der Fall, schließlich waren es Menschen, die einen ausgeprägten Sinn für die Realität und eine überaus gesunde Psyche hatten.

Viele halten es für verrückt, an den Teufel zu glauben, weil sie von Büchern ausgehen. Sie verbringen das Leben in Bibliotheken und vor dem Schreibtisch, obwohl der Teufel keinerlei Interesse an Büchern hat, sondern an den Menschen, insbesondere an den Heiligen. Kann man denn den Satan erkennen, wenn man mit ihm noch nie wirklich zu tun gehabt hat, sondern nur mit der Vorstellung von ihm, das heißt mit den kulturellen, religiösen und ethnologischen Traditionen über den Teufel? Dort wird das Thema mit großer Sicherheit und enormem Selbstbewusstsein abgehandelt, und alles als „mittelalterlicher Obskurantismus“ abgetan.

Aber das ist eine falsche Sicherheit. Sie ist vergleichbar mit der Sicherheit eines Menschen, der damit prahlt, keinerlei Angst vor einem Löwen zu haben. Und als Begründung gibt er an, dass er sich niemals vor einem Löwen erschrecken müsse, den er ja auf zahlreichen Bildern und Fotografien schon zur Genüge gesehen hatte. Auf der anderen Seite ist es ganz normal und konsequent, dass man nicht an den Teufel glaubt, wenn man nicht an Gott glaubt. Wie außerordentlich tragisch wäre es doch, würde jemand, der nicht an Gott glaubt, an den Teufel glauben!

Das Wichtigste ist aber nicht, dass uns der christliche Glaube lehrt, dass der Teufel tatsächlich existiert, sondern dass Christus den Teufel besiegt hat. Für den Christen sind Christus und der Teufel nicht zwei gleichwertige und einander entgegengesetzte Prinzipien wie in gewissen dualistischen Religionen. Jesus ist der eine Herr, und der Teufel ist nichts als ein „schlecht gewordenes“ geschaffenes Wesen. Ihm ist nur deshalb Macht über den Menschen gegeben, damit der Mensch die Möglichkeit besitzt, sich frei für eine Seite zu entscheiden, und auch, damit er nicht hochmütig wird (vgl. 2 Kor 12,7) und zu glauben beginnt, alles selbst machen zu können, ohne eines Erlösers zu bedürfen. „Der alte Teufel ist verrückt“, heißt es in einem Spiritual. „Er hat einen Schuss abgefeuert, um meine Seele zu zerstören, aber da er falsch gezielt hat, zerstörte er stattdessen meine Sünde.“

Mit Christus gibt es nichts, vor dem wir uns fürchten müssten. Nichts und niemand kann uns Schaden zufügen, wenn wir das selbst nicht wollen. Ein alter Kirchenvater hat einmal gesagt, nach dem Kommen Christi ist der Teufel wie ein im Hof angeketteter Hund: Er kann bellen und zerren, soviel er will; wenn nicht wir es sind, die ihm nahe kommen, kann er uns nicht beißen. Jesus hat sich in der Wüste vom Teufel befreit, um uns vom Teufel zu befreien! Das ist die freudige Botschaft, mit der wir unseren Weg der Fastenzeit auf Ostern zu einschlagen.

[ZENIT-Übersetzung des italienischen vom Autor zur Verfügung gestellten Originals]