P. Raniero Cantalamessa predigt vor Benedikt XVI.: Den Frieden Gottes weitergeben

Zweite Adventspredigt 2006 im Vatikan

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ROM, 22. Dezember 2006 (ZENIT.org).- In seiner zweiten Adventspredigt 2006 vor dem Papst und den Mitarbeitern der Römischen Kurie legte P. Raniero Cantalamessa OFM Cap. am Freitagvormittag dar, was Benedikt XVI. meint, wenn er in seiner Botschaft zum Weltfriedenstag 2007 schreibt, dass der Friede „Gabe und Aufgabe“ sei.



Der Friede ist nach Worten des Kapuzinerpaters zuallererst ein göttliches Geschenk; es handle sich in erster Linie um den Frieden Gottes und den Frieden Christi, „der jede Vernunft übersteigt“; es gehe also um denselben Frieden, den der Apostel Paulus den Christen Roms übermittelt habe, als er ihnen schrieb: „Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus“ (Röm 1,7).

Friedensstifter zu sein bedeute somit nicht, „den Frieden zu erfinden oder zu schaffen“; vielmehr gehe es darum, ihn – den Frieden Gottes – weiterzugeben.

Kein Mensch sei selbst „Quelle des Friedens“,bekräftigte der Kapuzinerpater. „Wir sind nur Kanäle für den Frieden. Dies bringt auf vollkommene Weise das Gebet zum Ausdruck, das dem heiligen Franz von Assisi zugeschrieben wird: ‚Herr, mach aus mir ein Werkzeug deines Friedens.‘ Auf Englisch wird es folgendermaßen übersetzt: ‚Mach aus mit einen Kanal für deinen Frieden – make me a channel of your peace.‘“

Voraussetzung für einen wirkungsvollen Friedenseinsatz sei der innere Friede im eigenen Herzen. Um diese Wahrheit zu veranschaulichen, erinnerte der Prediger des Päpstlichen Hauses seine Zuhörer an Augustus, der in der Überzeugung gelebt habe, durch seine militärischen Siege der Welt den Frieden gebracht zu haben. Pater Cantalamessa betonte, dass der Friede tatsächlich durch Siege errungen werde, „allerdings durch die Siege über sich selbst, nicht über die Feinde; nicht durch die Zerstörung des Feindes, sondern durch die Zerstörung der Feindschaft, so wie es Jesus auf dem Kreuz getan hat (vgl. Eph 2,16).“

Im Hinblick auf die „Herausforderung des Friedens zwischen Gläubigen und Nicht-Gläubigen, zwischen religiösen Menschen und der säkularen Welt, die der Religion gleichgültig und feindselig gegenübersteht“, wies der Prediger auf die Bedeutung des persönlichen Zeugnisses hin. Es gehe darum, „von der Hoffnung, die uns erfüllt, auch wirklich standhaft Rechenschaft abzulegen, dies aber so, wie es im Brief des heiligen Petrus gefordert wird: ‚mit Sanftheit und Respekt‘ (1 Petr 2,15-17).“

Respekt bedeute in diesem Fall nicht „‚menschliche Rücksicht‘, also Jesus unter den Scheffel zu stellen, um nur ja keine Reaktionen hervorzurufen. Es handelt sich vielmehr um den Respekt vor einer Innerlichkeit, die nur Gott kennt und die keiner verletzten oder zu einer Wandlung zwingen darf. Es geht nicht darum, Jesus auszuklammern, sondern darum, Jesus und das Evangelium durch das eigene Leben sichtbar zu machen. Wir wünschen uns nur, dass die anderen den Christen den gleichen Respekt erweisen, was bisher oft nicht der Fall war.“

Am Ende seiner zweiten Adventspredigt versuchte der Ordenspriester die Frage zu beantworten, wie man dem unermesslichen Geschenk von Gott Vater, der Menschwerdung und die Kreuzigung seines Sohnes zu unserem Heil, gerecht werden könne.

„Wenn es ein Fettnäpfchen gibt, in das man zu Weihnachten nicht treten sollte, so ist es das: Ein ‚wiederverwertetes‘ Geschenk aufgrund eines Irrtums derselben Person zu machen, von der man es bekommen hat. Nun, im Fall Gottes können wir die ganze Zeit nichts anderes tun als eben genau das! Die einzig mögliche Danksagung ist die Eucharistie: Gott seinen Sohn Jesus, der unser Bruder geworden ist, immer wieder neu anzubieten.“