P. Raniero Cantalamessa predigt vor Benedikt XVI.: Die Ablehnung Christi bereitet dem Gläubigen Leid und Schmerz

Erste Adventspredigt 2006 im Vatikan

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ROM, 15. Dezember 2006 (ZENIT.org).- In seiner ersten Adventspredigt 2006 vor dem Papst und den Kurienmitarbeitern erinnerte P. Raniero Cantalamessa OFM Cap. am Freitag an verschiedene Formen von Kummer und Leid, die sich unter der Einwirkung des Heiligen Geistes in Freude verwandeln könnten.



Der Prediger des Päpstlichen Hauses kam unter anderem auf den Schmerz des Gläubigen angesichts der „systematische Ablehnung Christi“ zu sprechen. Diese erfolge häufig „im Namen einer ‚objektiven‘ historischen Forschung, die sich in bestimmten Formen auf das ‚Subjektivste‘ reduziert, das man sich vorstellen kann“. P. Cantalamessa wies darauf hin, dass Christus vielfach „nach dem Maß des Menschen von heute“ gezeigt werde, ohne jede Transzendenz. In diesem Zusammenhang rief er ein Wort aus der Schrift ins Bewusstsein: „Auf die Frage der Engel: ‚Frau, warum weinst du?‘, antwortete Maria von Magdala am Ostermorgen: ‚Man hat meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wohin man ihn gelegt hat‘ (Joh 20,13). Ein Grund zu weinen, den wir uns zu Eigen machen könnten.“

Er veranschaulichte unter Zuhilfenahme mehrerer Beispiele „die Unfähigkeit der historisch-philologischen Forschung, eine Verbindung zwischen dem Jesus der Realität und dem Jesus der evangelischen Quellen und der Kirche herzustellen“, und erklärte, dass diese Tatsache daher komme, dass diese Form der Forschung „die Dynamik der geistlichen und der übernatürlichen Phänomene ignoriert und sich nicht die Mühe macht, diese zu studieren. Das wäre so, als würde man einen Ton mit den Augen hören oder eine Farbe mit den Ohren sehen wollen.“

Der Prediger des Päpstlichen Hauses sprach auch über den tiefen Schmerz angesichts der Missbrauchsfälle durch Priester. Über „diese Abscheulichkeiten“ habe die Kirche „geweint und geseufzt“ und sich mit aller Kraft darum bemüht, ähnliche Vorkommnisse in der Zukunft zu verunmöglichen. Nun sei der Moment gekommen, „das zu tun, was am wichtigsten ist: vor Gott zu weinen und sich zu grämen wie Gott sich grämt; mehr wegen der Verletzungen, die dem Leib Christi zugefügt wurden, und wegen des Anstoßes, der unter ‚den kleinsten seiner Brüder‘ erregt wurde…“

Der Kapuzinerpater regte dazu an, „einen Tag des Fastens und der Buße ausrufen…, um öffentlich Reue vor Gott und Solidarität mit den Opfern zu bekunden“. So könne es zu einer Versöhnung kommen.

Am Ende seiner ersten Adventspredigt in diesem Jahr wandte sich P. Cantalamessa den „schönsten Tränen“ zu, die einen „vor Staunen und Rührung auf die Knie fallen“ lassen.

„Tränen dieser Art waren es wohl, die aus den Augen des Augustinus strömten, als er in den ‚Bekenntnissen‘ schrieb: ‚Wie sehr hast du uns geliebt, o gütiger Vater, der du deinen einzigen Sohn nicht verschontest, sondern ihn für uns alle hingegeben hast. Wie sehr hast du uns geliebt!‘“

In diesem Sinn bekräftige der Prediger mit einem Zitat aus Psalm 34,9: „Die schönsten Tränen sind die, die uns in die Augen steigen, wenn wir – vom Heiligen Geist erleuchtet – ‚kosten und sehen, wie gütig der Herr ist‘.“

Schließlich erläuterte er noch die Bedeutung von „Tränen der Reue“ und formulierte am Schluss folgende Bitte: „Gott möge uns die Gnade zuteil werden lassen, solche Tränen der Rührung und der Freude wenigstens einmal in unserem Leben zu verkosten.“