P. Raniero Cantalamessa: „Unsere Gesellschaft braucht eine gehörige Dosis an Heiligem Geist!“

Kommentar zum Fest der Taufe des Herrn (Lesejahr A)

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ROM, 11. Januar 2007 (ZENIT.org).- Die Taufe, die Jesus Christus im Jordan empfangen hat, lebt in den Sakramenten der Kirche weiter. Das betont der Prediger des Päpstlichen Hauses, P. Raniero Cantalamessa OFM Cap., in seinem Kommentar zu den Lesungen am Festtag der Taufe des Herrn (Jes 42,5a.1-4.6-7; Apg 10,34-38; Mt 3,13-17). Der Kapuzinerpater erklärt, was unter „Salbung“ zu verstehen ist, und er bekräftigt, dass der Heilige Geist die Aromatherapie schlechthin ist, das beste Heilmittel.

 

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„Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn der Herr hat mich gesalbt“

Jesus selbst erklärt uns, was mit ihm bei der Taufe am Jordan geschehen ist. Auf dem Rückweg vom Jordan legt er in der Synagoge von Nazareth die Worte des Jesajas auf sich selbst aus: „Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn der Herr hat mich gesalbt.“ Dieses Wort der Salbung benutzt Petrus in der zweiten Lesung, wenn er von der Taufe Jesu spricht: „Gott hat Jesus von Nazareth gesalbt mit dem Heiligen Geist und mit Kraft.“

Es handelt sich um einen für den christlichen Glauben grundlegenden Begriff. Es genügt zu sagen, dass der hebräische Name „Messias“ und der der griechische Name „Christos“ gerade dies aussagen: der Gesalbte. Wir selbst, so sagten die Väter der Antike, heißen Christen, weil wir in Nachahmung Christi, des Gesalbten schlechthin, gesalbt sind.

Das Wort „gesalbt“ hat in unserer Sprache viele Bedeutungen, von denen nicht alle positiv sind. In der Antike bildete die Salbung ein wichtiges Element des Lebens: Es salbten sich mit Öl die Athleten, um schlank und agil an den Wettkämpfen mitzuwirken, und es salbten sich mit Duftöl Männer und Frauen, um ein schönes, glänzendes Gesicht zu haben. Heute stehen zu genau diesem Zweck unendlich viele Produkte und Cremes zur Verfügung, die zum Großteil Derivate verschiedener Öle sind.

In Israel hatte der Ritus eine religiöse Bedeutung: Es wurden die Könige, die Priester und Propheten mit einem duftenden Salböl zum Zeichen dafür gesalbt, dass sie dem Dienst an Gott geweiht waren. In Christus werden all diese symbolischen Salbungen Wirklichkeit. In der Taufe am Jordan wird er von Gott Vater zum König, Propheten und ewigen Priester geweiht. Allerdings nicht durch materielles Öl, sondern durch das geistliche Öl, das der Geist des Herrn ist, „das Öl der Freude“, wie es in einem Psalm heißt. Dies erklärt, warum die Kirche der Salbung mit dem Heiligen Chrisam so viel Bedeutung beimisst. Bei der Taufe, der Firmung und der Priesterweihe gibt es einen Salbungsritus, und dann ist da auch noch die Krankensalbung (die einst die „letzte Ölung“ genannt wurde). Durch diese Riten nimmt man an der Salbung Christi teil, das heißt an seiner Fülle des Heiligen Geistes. Man wird wirklich „Christ“, das heißt Gesalbter, Geweihter; zu einem Menschen, der berufen ist, „in der Welt Christi Wohlgeruch zu verbreiten“.

Versuchen wir zu sehen, was das alles uns Menschen von heute sagt. Heute ist es modern, von Aromatherapie zu sprechen. Es handelt sich dabei um den Gebrauch von Duftölen zur Aufrecherhaltung der Gesundheit oder Therapierung von Gesundheitsstörungen. Das Internet ist voller Werbung dafür. Und man begnügt sich nicht damit, leibliches Wohlergehen zu versprechen. Es gibt da auch die „Düfte der Seele“, zum Beispiel den „Duft des inneren Friedens“.

Es steht mir nicht zu, ein Urteil über diese alternative Medizin zu fällen. Ich sehe aber, dass die Ärzte dazu einladen, dieser Praxis zu misstrauen, die wissenschaftlich nicht gesichert ist und im Gegenteil in einigen Fällen unerwünschte Nebenwirkungen mit sich bringt. Was ich Ihnen sagen will, ist, dass es eine sichere und unfehlbare Aromatherapie gibt, die keine Nebenwirkungen hat: jene, die mit dem ganz besonderen Aroma, dem duftenden Öl gemacht wird, das der Heilige Geist ist!

Diese „Aromatherapie des Heiligen Geistes“ heilt die Krankheiten der Seele und mitunter auch, wenn Gott es will, jene des Leibes. In einem afroamerikanischen Spiritual werden immer wieder die folgenden Worte wiederholt: „There is a balm in Gilead to make the wounded whole – es gibt eine Salbe in Gilead, die die Verwundeten heilt.“ Gilead oder Galahad ist eine Ortschaft, die im Alten Testament erwähnt wird und für ihre Balsame und Duftöle berühmt war (Jer 8,22). Das Lied fährt fort: „Manchmal fühle ich mich entmutigt und denke, dass alles nutzlos ist. Doch dann kommt der Heilige Geist und gibt meiner Seele neues Leben“ („Sometimes I feel discouraged and think my work’s in vain but then the Holy Spirit revives my soul again“). Gilead ist für uns die Kirche, und der heilende Balsam ist der Heilige Geist. Er ist die Duftwolke, die Jesus hinter sich gelassen hat, als er auf dieser Erde weilte.

Der Heilige Geist ist ein Spezialist - vor allem für die „Krankheiten der Ehe“. Die Ehe besteht in der gegenseitigen Schenkung, sie ist das Sakrament des Sich-Schenkens. Nun ist der Heilige Geist das Person gewordene Geschenk. Er ist das Sich-Schenken des Vaters an den Sohn, und das Sich-Schenken des Sohnes an den Vater. Wohin er kommt, wird die Fähigkeit, sich zu verschenken, neu geboren - und mit ihr die Freude und die Schönheit des Zusammenlebens!

Der Philosoph Heidegger hat einmal ein alarmierendes Urteil über die Zukunft der menschlichen Gesellschaft gefällt: „Nur ein Gott kann uns noch retten“, sagte er. Ich sage, dass dieser Gott, der uns retten kann, existiert. Es ist der Heilige Geist! Unsere Gesellschaft braucht eine gehörige Dosis an Heiligem Geist!

[ZENIT-Übersetzung des italienischen vom Autor zur Verfügung gestellten Originals]