P. Raniero Cantalamessa: Warum wirkt Jesus Wunder?

Kommentar zum 3. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr A)

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ROM, 25. Januar 2008 (ZENIT.org).- Jesu Wunder stehen im Mittelpunkt des Kommentars von P. Raniero Cantalamessa OFM Cap. zu den Lesungen des kommenden Sonntags (Jes 9,1-4; 1 Kor 1,10-13.17; Mt 4,12-23). Der Prediger des Päpstlichen Hauses weist darauf hin, dass der Herr – immer in Verbindung mit der Verkündigung des Evangeliums – zwar viele Menschen von ihren Leiden und Krankheiten befreie, dass er aber nicht gekommen sei, um das Leid gänzlich aus der Welt zu schaffen. „Leid und Tod sind nicht mehr Zeichen der Sünde…, sondern Mittel der Erlösung.“



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Er heilte alle Krankheiten und Leiden


Das Evangelium des dritten Sonntags im Jahreskreis endet mit den Worten: „Er zog in ganz Galiläa umher, lehrte in den Synagogen, verkündete das Evangelium vom Reich und heilte im Volk alle Krankheiten und Leiden.“ Ungefähr ein Drittel des Evangeliums handelt von den Heilungen, die Jesus während der kurzen Zeit seines öffentlichen Lebens wirkte. Es ist unmöglich, diese Wunder auszulassen oder auf natürliche Weise zu erklären, ohne das ganze Evangelium auseinanderzureißen und es unbegreiflich zu machen.

Die Wunder, von denen im Evangelium berichtet wird, sind unverwechselbar. Sie werden nie getan, um Bewunderung hervorzurufen oder den ins Rampenlicht zu stellen, der sie wirkt. Einige lassen sich heute oft blenden, wenn sie von bestimmten Menschen hören, die zeigen, dass sie die Fähigkeit der Levitation besitzen oder Gegenstände erscheinen beziehungsweise verschwinden lassen können. Wem nützt diese Art Wunder, einmal angenommen, sie wären solche? Eigentlich niemandem, oder eben nur dem Betroffenen selbst – um Anhänger zu haben oder Geld.

Jesus wirkt Wunder aus Mitleid, weil er die Menschen liebt. Und er wirkt Wunder auch, um ihnen glauben zu helfen. Schließlich wirkt er Heilungen, um anzukündigen, dass Gott der Gott des Lebens ist und dass am Ende zusammen mit dem Tod auch die Krankheit besiegt sein wird, dass „es weder Trauer noch Weinen mehr geben wird“.

Jesus heilt nicht nur selbst, sondern er befiehlt seinen Aposteln, dasselbe zu tun: „Und er sandte sie aus mit dem Auftrag, das Reich Gottes zu verkünden und zu heilen“ (Lk 9,2). „Geht, und verkündet: Das Himmelreich ist nahe. Heilt Kranke, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein, treibt Dämonen aus!“ (Mt 10,7). Wir sehen immer, dass beides vorkommt: die Verkündigung des Evangeliums und die Heilung der Kranken. Der Mensch verfügt über zwei Wege, um zu versuchen, seine Krankheit zu überwinden: Natur und Gnade. Mit „Natur“ ist die Vernunft gemeint, Wissenschaft, Medizin und Technik. „Gnade“ meint die direkte Hinwendung zu Gott durch Glauben, Gebet und Sakramente. Letzteres sind die Werkzeuge, die die Kirche erhalten hat und zur Verfügung stellt, um „die Kranken zu heilen“.

Das Übel nimmt seinen Anfang, wenn man einen dritten Weg gehen will: den Weg der Magie, die sich auf angebliche okkulte Kräfte des Menschen gründet, die weder mit dem Glauben noch mit der Wissenschaft etwas zu tun haben. In einem solchen Fall stehen wir entweder vor der reinen Scharlatanerie, einem Bluff, oder – was schlimmer ist – vor der Handlung des Feindes Gottes. Es ist nicht schwer zu unterscheiden, wann es sich um ein echtes Charisma der Heilung handelt und wann um dessen magische Verfälschung. Im ersten Fall führt der Mensch die erreichten Ergebnisse nie auf seine eigene Kraft zurück, sondern immer auf Gott; im zweiten Fall tun die Menschen nichts anderes, als ihre angeblichen „außerordentlichen Kräfte“ in alle Richtungen hinauszuposaunen. Wenn man daher Zeitungsanzeigen liest wie: Der Magier X „hat dort Erfolg, wo andere versagen“; er „löst Probleme jeder Art“, oder er „treibt den Teufel aus“ und „wendet den bösen Blick ab“, so darf man keinen Augenblick lang zweifeln: Es handelt sich um Betrüger. Jesus erklärte, dass die Dämonen „mit dem Fasten und dem Gebet“ ausgetrieben werden, und das ist etwas ganz anderes, als den Leuten das Geld aus der Hosentasche zu ziehen.

Wir müssen uns aber eine weitere Frage stellen: Was ist mit dem, der trotz allem nicht gesund wird? Was soll man da denken? Dass er nicht glaubt, oder dass Gott ihn nicht liebt?

Wäre das Fortbestehen der Krankheit ein Zeichen dafür, dass der Mensch keinen Glauben hat oder dass Gott ihn nicht liebt, so müsste man den Schluss ziehen, dass die Heiligen die im Glauben Ärmsten und von Gott am wenigsten Geliebten waren, da einige von ihnen ihr ganzes Leben im Krankenbett verbrachten. Nein, die Antwort ist eine andere. Die Macht Gottes wird nicht nur in einer bestimmten Weise sichtbar – indem das Übel eliminiert und man physisch wiederhergestellt wird –, sondern auch dadurch, dass er die Fähigkeit und manchmal sogar die Freude verleiht, sein Kreuz mit Christus gemeinsam zu tragen und das zu vervollständigen, was an dessen Leiden fehlt. Christus hat auch das Leiden und den Tod erlöst. Leid und Tod sind nicht mehr Zeichen der Sünde, Teilhabe an der Schuld Adams, sondern Mittel der Erlösung.

[ZENIT-Übersetzung des italienischen vom Autor zur Verfügung gestellten Originals]