P. Raniero Cantalamessa: Wer ist dein König?

Kommentar zum Hochfest Christkönig (Lesejahr C)

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ROM, 23. November 2007 (ZENIT.org).- Der Prediger des Päpstlichen Hauses, P. Raniero Cantralamessa OFM Cap., betont in seinem Kommentar zu den Lesungen des kommenden Christkönigssonntags (2 Sam 5,1-3; Kol 1,12-20; Lk 23,35-43), dass es in erster Linie nicht so sehr darauf ankommt, ob Staaten und Völker die Herrschaft Christi anerkennen oder nicht. Worauf es wirklich ankommt ist vielmehr, dass man sich selbst darüber im Klaren wird, wie man Christus sieht: „Ist Christus wirklich der König und Herr meines Lebens?“



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Das Hochfest Christkönig ist eine relativ junge Institution. Papst Pius XI. hat es als Antwort auf atheistische und totalitäre Regime 1925 eingeführt. Diese Regime hatten die Rechte Gottes und die Rechte der Kirche geleugnet. Somit ist das Fest in einem Klima entstanden, das durchaus mit den Wirren der mexikanischen Revolution verglichen werden kann, als viele Christen dem Tot entgegengingen und bis zum letzten Atemzug riefen: „Viva Cristo Rey! – Es lebe Christus, der König!“

Auch wenn dieses Hochfest jung mag – sein Inhalt und seine Hauptidee sind es ganz und gar nicht. Sie sind uralt; ja, man kann durchaus sagen, dass sie zusammen mit dem Christentum entstanden sind. Der Ausspruch „Christus herrscht“ findet seine Entsprechung im Glaubensbekenntnis „Jesus ist der Herr“, ein Satz, der in den Predigten der Apostel eine Vorrangstellung eingenommen hat.

Die Evangeliumsstelle behandelt den Tod Christi, denn im Augenblick seines Todes beginnt Christus, über die Welt zu herrschen. Und der Thron dieses Königs ist das Kreuz: „Über ihm war eine Tafel angebracht; auf ihr stand: Das ist der König der Juden.“ Jesu Feinde wollten damit seine Verurteilung zu rechtfertigen. In den Augen des himmlischen Vaters aber handelt es sich um die Verkündigung seiner umfassenden Allmacht. Um zu erkennen, warum uns dieses Fest tatsächlich nahe geht, genügt es, an eine sehr einfache Unterscheidung zu denken.

Es gibt zwei verschiedene Welten: den Makrokosmos – das ist das große Universum außerhalb von uns –, und das kleine Universum, das jeder einzelne Mensch für sich selbst darstellt. Im Zuge der Liturgiereformen des Zweiten Vatikanischen Konzils ist sogar darauf Bedacht genommen worden, den Akzent des Hochfests Christkönig ein wenig zu verschieben. Die Betonung liegt seither auf dem menschlichen und geistigen Aspekt, und nicht so sehr auf dem politischen. Im Tagesgebet beten wir deshalb: „Befreie alle Geschöpfe von der Macht des Bösen, damit sie allein dir dienen und dich in Ewigkeit rühmen.“

Im Augenblick des Todes Jesu Christi, so lesen wir im Evangelium, ist über seinem Haupt „eine Tafel angebracht; auf ihr stand: Das ist der König der Juden“. Die Anwesenden fordern ihn dazu auf, seine Königswürde offen zu zeigen. Und zahlreiche Menschen, auch viele seiner Freunde, rechnen mit einem spektakulären Beweis dieses Königtums. Jesus aber will seine Königswürde dadurch offenbaren, dass er sich einem einzigen Menschen zuwendet – der obendrein noch ein Verbrecher ist! „Jesus, denk an mich, wenn du in dein Reich kommst! Jesus erwiderte ihm: Amen, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.“

In dieser Hinsicht ist die wohl wichtigste Frage, die wir uns an diesem Christkönigsfest stellen müssen, nicht die, ob Christus tatsächlich in der Welt herrscht oder nicht. Vielmehr geht es darum, ob er in mir herrscht oder ob dem nicht so ist. Wichtig ist nicht, ob sein Königtum von den Staaten und Regierungen anerkannt wird, sondern ob es von mir persönlich anerkannt und gelebt wird. Ist Christus wirklich der König und Herr meines Lebens? Wer herrscht in mir? Wer legt die Ziele fest, und wer setzt die Prioritäten? Ist es Christus, oder ist es jemand anderer?

Nach dem heiligen Paulus gibt es zwei mögliche Weisen zu leben: für „sich selber“ oder eben „dem Herrn“ (vgl. Röm 14,7-9). „Sich selber“ leben heißt, als der zu leben, der sich selbst Ausgangspunkt und Ziel ist; der in sich selbst verschlossen bleibt und der sein Leben nur nach den eigenen Wünschen und der eigenen Ehre ausrichtet – ohne an die Ewigkeit zu denken. „Dem Herrn“ leben bedeutet hingegen, auf ihn hin zu leben, für seine Ehre und für sein Reich.

Das ist wirklich eine neue Seinsweise, durch die sogar der Tod seinen bedrohlichen Charakter verliert. Ja, der größte Widerspruch für den Menschen – der Widerspruch zwischen Leben und Tod – ist damit überwunden. Der radikalste Widerspruch besteht jetzt nicht mehr zwischen Leben und Tod, sondern zwischen einem Leben, das man für „sich selber“ lebt, und einem Leben, das man „dem Herrn“ lebt.

[ZENIT-Übersetzung des italienischen vom Autor zur Verfügung gestellten Originals]