P. Raniero Cantalamessa: Wir alle sind Verwalter des Lebens, das uns geschenkt ist

Kommentar zum Evangelium des 25. Sonntags im Jahreskreis

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ROM, 21. September 2007 (ZENIT.org).- Der Prediger des päpstlichen Hauses, P. Raniero Cantalamessa OFM Cap., fordert die Christen in seinem Kommentar zu den Lesungen des kommenden Sonntags (Am 8,4-6; 1 Tim 2,1-8; Lk 16,1-13) dazu auf, sich mit der Entschlossenheit und der Klugheit des betrügerischen Verwalters einzusetzen, wenn es darum geht, für die ewige Zukunft vorzusorgen. Diesbezüglich gibt er auch einen konkreten Rat: sich die Not leidenden und armen Menschen zu Freunden zu machen.



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„Macht euch Freunde mit Hilfe des ungerechten Mammons“

Das Evangelium dieses Sonntags legt uns ein Evangelium vor, das unter bestimmten Gesichtspunkten höchst aktuell ist: das des untreuen Verwalters. Die Hauptfigur ist der Verwalter eines Landbesitzers, eine Gestalt, die auch bei uns auf dem Land sehr populär war, als es noch üblich war, Ländereien zu verpachten.

Gleich den besten Gleichnissen handelt es sich hier um ein Drama in Miniaturform, voller Bewegung und Szenenwechseln. Die Protagonisten der ersten Szene sind der Verwalter und sein Herr, und sie schließt mit der fristlosen Entlassung: „Du kannst nicht länger mein Verwalter sein.“ Der Verwalter macht nicht einmal die leisesten Anstalten, sich zu verteidigen. Er hat ein schlechtes Gewissen und weiß genau, dass das, was der Herr in Erfahrung gebracht hat, wahr ist. Die zweite Szene besteht aus dem Selbstgespräch des Verwalters. Sie beginnt, sobald er allein ist. Er gibt sich nicht geschlagen, sondern überlegt sofort, wie er es wieder gut machen kann, um sich eine frohe Zukunft zu sichern. Die dritte Szene – der Verwalter und die Bauern – zeigt den Betrug, den er sich zu diesem Zweck ausgedacht hat: „Wie viel bist du schuldig? Der antwortete: Hundert Sack Weizen. Da sagte er zu ihm: Nimm deinen Schuldschein, und schreib ‚achtzig‘.“ Das ist ein klassischer Fall von Korruption und Bilanzfälschung, der an ähnliche Vorkommnisse denken lässt, die in unserer Gesellschaft häufig vorkommen und die in der Regel weit größere Tragweite haben.

Der Schluss ist überraschend und einigermaßen verwirrend: „Und der Herr lobte die Klugheit des unehrlichen Verwalters.“ Billigt und ermutigt Jesus vielleicht die Korruption? An dieser Stille muss an das erinnert werden, worum es bei den Gleichnissen eigentlich geht. Das Gleichnis darf nicht im Ganzen und in all seinen Details auf die Ebene des Moralischen übertragen werden, sondern nur in dem Aspekt, den der Erzähler hervorheben will. Und es ist klar, welche Idee Jesus mit diesem Gleichnis einschärfen wollte: Der Herr lobt den Verwalter aufgrund seiner Klugheit und wegen nichts anderem. Es wird nicht gesagt, dass er seine Entscheidung, jenen Mann zu entlassen, zurückgenommen hätte. Im Gegenteil: Angesichts der anfänglichen Strenge und der Schnelligkeit, mit der er den erneuten Betrug entdeckt hat, können wir uns leicht vorstellen, was nun folgen mag und nicht erzählt wird. Nachdem er den Verwalter für seine Klugheit gelobt hat, muss der Herr ihm wohl befohlen haben, den Ertrag seiner unehrlichen Geschäfte sofort zurückzuerstatten oder – sollte er nicht in der Lage sein, seine Schulden zu begleichen – seinen Betrug mit dem Gefängnis zu bezahlen. Diese Klugheit ist es, die Jesus auch außerhalb des Gleichnisses lobt. Er fügt nämlich fast als Kommentar zu den Worten jenes Herrn hinzu: „Die Kinder dieser Welt sind im Umgang mit ihresgleichen klüger als die Kinder des Lichtes.“

Jener Mann hat angesichts einer Notsituation, als seine ganze Zukunft auf dem Spiel stand, zwei Dinge getan, die von großer Entscheidungskraft und Klugheit zeugen: Er hat schnell und intelligent gehandelt (wenn auch nicht ehrlich), um sich in Sicherheit zu bringen. Das, so sagt Jesus den Jüngern, ist genau das, was auch ihr machen müsst – nicht um die Zukunft auf Erden „in Sicherheit zu bringen“, die ja nur einige Jahre andauert, sondern die ewige Zukunft. „Das Leben“, so sagt ein antiker Philosoph, „ist keinem zum Besitz gegeben, sondern allen zur Verwaltung“ (Seneca). Wir alle sind „Verwalter“. Deshalb müssen wir so handeln wie der Mann im Gleichnis: Er hat nichts auf morgen verschoben, er hat nicht „darüber geschlafen“. Etwas zu Wichtiges steht auf dem Spiel, als dass es dem Zufall überlassen werden könnte.

Das Evangelium selbst bietet verschiedene Möglichkeiten an, diese Lehre Christi auf das tägliche Leben zu übertragen. Die, auf der am meisten bestanden wird, betrifft den Gebrauch des Reichtums und des Geldes: „Ich sage euch: Macht euch Freunde mit Hilfe des ungerechten Mammons, damit ihr in die ewigen Wohnungen aufgenommen werdet, wenn es (mit euch) zu Ende geht.“ Damit sagt Jesus gleichsam: „Handelt so wie jener Verwalter! Macht euch die zu Freunden, die euch eines Tages, wenn ihr euch in Not befindet, aufnehmen können.“ Diese mächtigen Freunde – wir wissen es – sind die Armen. Wir wissen das aufgrund der Tatsache, dass Christus das, was einem Armen gegeben wird, als etwas betrachtet, was ihm persönlich gegeben wird. Die Armen, so sagt der heilige Augustinus, sind, wenn sie es wollen, unsere Kuriere und Träger: Sie erlauben es uns, unsere Güter schon jetzt in das Haus zu bringen, das für uns im Jenseits errichtet wird.

[ZENIT-Übersetzung des italienischen vom Autor zur Verfügung gestellten Originals]