P. Uwe Lang CO ermutigt zur Wiederentdeckung der religiösen Kunst

Interview mit dem Koordinator eines neuen Master-Studienlehrgangs an der Europäischen Universität Rom

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ROM, 11. Juni 2008 (ZENIT.org). – „Heute muss die Kirche der Welt mehr denn je zuvor die Schönheit Gottes verkünden, die in den Kunstwerken aufleuchtet, die dem Glauben entsprungen sind.“ Mit diesen Worten verdeutlichte P. Uwe Michael im Gespräch mit ZENIT die Ziele des neuen Master-Lehrgangs „Architektur, Ars sacra und Liturgie“, den die Europäische Universität Rom anbietet.



Der deutschstämmige P. Uwe Michael Lang, Koordinator des Studienlehrgangs, ist Offizial der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung. Dem deutschen Publikum ist Lang als Verfasser der Buches „Conversi ad Dominum. Zu Geschichte und Theologie der christlichen Gebetsrichtung“ (Mit einem Geleitwort von Joseph Kardinal Ratzinger, Johannes Verlag, Einsiedeln 2003-2006, 4. Auflage) bekannt. Das Buch wurde auf Italienisch, Französisch, Spanisch und Ungarisch übersetzt und liegt auch in englischer Sprache vor.

Zu seinen jüngsten Arbeiten gehört das Buch „Studien zu Eucharistie und Einsetzungsworten“ (Nova & Vetera, Bonn 2007). P. Lang ist Mitglied des Oratoriums des heiligen Philipp Neri in London. Er studierte Theologie in Wien und Oxford, um danach am Londoner Heythrope Collge zu unterrichten. P. Lang ist außerdem Herausgeber zahlreicher patristischer Schriften.

Der Priester erklärte gegenüber ZENIT, dass heute eine Neuentdeckung der religiösen Kunst festzustellen sei, um anschließend auf den Unterschied zwischen religiöser Kunst und „ars sacra“ sprechen zu kommen.

Während „religiöse Kunst“ der Subjektivität und einer bestimmten Art religiösen Gefühls entspringe, sei die „ars sacra“ eher auf die „Übersetzung“ einer Wirklichkeit hin ausgerichtet, die die Grenzen der menschlichen Individualität überschreite und auch objektive Gegebenheiten enthalte, die aus der „Vermittlung der Wahrheit einer positiven und historischen Religion“ hervorgehen.

Die „ars sacra“ ist für Lang zum Lob und zur Verherrlichung Gottes bestimmt. Gleichzeitig sei sie volkstümlich, da sie die Herzen aller Gläubigen erreichen wolle. Im Lauf der Geschichte habe die kirchliche Kunst ganz in diesem Sinn die Funktion einer „Biblia pauperum“ gehabt.

Lang betonte, dass in der heutigen Kultur der Bilder das „heilige Bild“ mehr ausdrücken könne als Worte, da die Kommunikationsdynamik des Bildes für die Mitteilung des Evangeliums sehr wirksam sei. Kunst als Ausdruck des Schönen (das im Letzten aus der göttlichen Eigenschaft Schönheit hervorgehe), offenbare Wirklichkeit, Wahrheit und Schönheit Gottes.

Die „ars sacra“ stecke heute allerdings in einer tiefen Krise, die, wie bereits Kardinal Ratzinger in seinem Werk „Der Geist der Liturgie“ betonte, ein Zeichen für die „Krise der Menschheit“ sei, eine Art „Erblindung des Geistes“. Diese Krise, die tiefe Wurzeln besitze, habe den Begriff der Schönheit und mit ihm die „ars sacra“ gewissermaßen „überrollt“.

Zusammen mit dem Verlust des Sinnes für das Schöne ist es nach Worten von P. Lang, der in diesem Zusammenhang Hans Urs von Balthasar zitierte, zu einem Verlust des Guten und des Wahren gekommen. Deshalb sei vielerorts ein falscher Typus von Schönheit festzustellen, der nicht zu Gott und seinem Reich erhebe, sondern in die Tiefe reiße und ungeordnete Gefühle aufkommen lasse. Zudem müsse man sich jener „Apotheose des Hässlichen“ widersetzen, die in der Vorstellung besteht, dass das Schöne eine Täuschung sei und nur die Darstellung des Rohen der Wahrheit entspreche. „Dieser Kult des Hässlichen schadet dem katholischen Glauben nicht weniger als die falsche Schönheit“, betonte Lang.

Der Ordenspriester wies außerdem darauf hin, dass die Schönheit der Wahrheit die erlösende Schönheit Christi sei, die auch Leiden und Tod umfasse. Schönheit könne nur dann gefunden werden, wenn Leid und Kreuz angenommen würden. Darin bestehe mit einem Wort Kardinal Ratzingers „das Paradoxale der Schönheit“.

Im Hinblick auf die Überbrückung des Grabens zwischen Kirche, Kunst und dem „sacrum“, der in bestimmten modernen Kirchenbauten deutlich zutage trete, sei es ermutigend, an das Wort Hölderlins zu denken: „Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch“ (Patmos). Heute seien die Umstände günstig, um die Suche nach dem Heiligen der Kunst für den christlichen Kult neu in Angriff zu nehmen. Darin bestehe unter anderem das Ziel des Master-Studiums der Europäischen Universität Rom.

[Das Interview führte Antonio Gaspari]