"Pacem in Terris" ruft zu einer Neubetrachtung des heutigen Entwicklungsmodells auf

Papst Franziskus bezeichnet die Enzyklika als dienliches Werkzeug zur Überwindung der Weltwirtschaftskrise

Vatikanstadt, (ZENIT.org) Luca Marcolivio | 439 klicks

Der verbindende rote Faden zwischen Papst Franziskus und seinen seligen Vorgängern Johannes Paul II. und Johannes XXIII., die am 27. April  des kommenden Jahres in den Stand der Heiligen erhoben werden sollen, ist die ständige Aufmerksamkeit gegenüber dem Weltfrieden.  

Darüber sprach Papst Franziskus gestern Vormittag im Rahmen der Audienz für die Teilnehmer an der vom Päpstlichen Rat für Gerechtigkeit und Frieden anlässlich der heute zum Abschluss kommenden Feierlichkeiten zum 50-Jahr-Jubiläum der Enzyklika „Pacem in terris“ in der Sala Clementina.

Papst Franziskus erinnerte daran, dass Papst Johannes XXIII. am Ende des Jahres 1962, als die Welt sich am Rande eines nuklearen Konfliktes befand, einen dramatischen und schmerzerfüllten Friedensappell zu den Menschen erhob, der zugleich ein Gebet zum Himmel war.

Dem fügte Franziskus folgendes hinzu: „Die vom seligen Johannes XXIII. ausgestreute Saat des Friedens hat insbesondere während des Pontifikates von Johannes Paul II. Früchte hervorgebracht.“ Wenngleich die Mauern und Grenzen nun gefallen seien, brauche die Welt weiterhin den Frieden, und der Ruf „Pacem in terris“ bleibe von höchster Aktualität, so Franziskus.  

Dem Papst zufolge erläutere die zitierte johanneische Enzyklika die Grundlagen des Friedens damit, dass dieser im göttlichen Ursprung des Menschen, der Gesellschaft und der Autorität liege, die die Einzelnen, Familien und verschiedenen sozialen Gruppen und die Staaten zu von Gerechtigkeit und Solidarität geprägten Beziehungen verpflichte.

Daher komme dem Menschen die Aufgabe zu, den Frieden zu errichten, und zwar nach dem Beispiel Jesu Christi. Einerseits sei dabei die Gerechtigkeit mit Wahrheit und Liebe zu verwirklichen, und andererseits solle jeder Mensch, den eigenen Möglichkeiten entsprechend, einen Beitrag zur ganzheitlichen Entwicklung des Menschen in der Logik der Solidarität leisten.

Ferner erinnere die Enzyklika “Pacem in terris” daran, dass wahrer Friede nicht existieren könne, „wenn wir Egoismus, Individualismus und Interessen von Gruppen nicht auf allen Ebenen überwinden.“

Als weiteren Aspekt nannte der Papst die „Würde eines jeden Menschen“. Diese beruhe laut der Enzyklika nicht ausschließlich auf den „grundlegenden zivilisatorischen und politischen Rechten“, sondern auf den „wesentlichen Mitteln der Grundversorgung: Nahrung, Wasser, Wohnung, Pflege der Gesundheit, Bildung und die Möglichkeit der Gründung einer Familie.“

Aus einer zeitlichen Distanz von einem halben Jahrhundert warf der Heilige Vater die Frage auf, ob die Prinzipien von „Pacem in terris“ tatsächlich in die Tat umgesetzt worden seien und eine Entsprechung in der Entwicklung unserer Gesellschaften fänden.

Die Enzyklika von Papst Johannes habe nicht eine Bestimmung der Tagesordnung der Welt des Laientums und der Politik beabsichtigt, sondern vielmehr das Ziel verfolgt, die auf internationaler Ebene stattfindenden Auseinandersetzungen nach diesen Tugenden auszurichten.

Von bemerkenswerter Aktualität seien heute die im Rahmen der Veranstaltung dieser Tage diskutierten „res novae“ von „Pacem in terris“: die Dringlichkeit der Bildung, der Einfluss der Massen-Kommunikationsmittel auf das Bewusstsein, der Zugang zu den Ressourcen der Erde, der gute und schlechte Umgang mit den Ergebnissen der Bioforschung, das Wettrüsten und die nationalen und internationalen Sicherheitsmaßnahmen.“

Die „menschenunwürdige“ globale Wirtschaftskrise sei „ein schwerwiegendes Symptom des Mangels an Achtung für den Menschen und für die Wahrheit, der sich in den Entscheidungen der Regierung und der Bürger spiegle.“ In diesem Sinne lege die Enzyklika ein Überdenken unseres Entwicklungs- und Handlungsmodells auf allen Ebenen nahe, damit unsere Welt eine Welt des Friedens sei, so die Worte von Papst Franziskus. Er fügte hinzu: „Ich frage mich, ob wir zur Annahme dieser Einladung bereit sind.“

Am Ende der Audienz erinnerte Franziskus „mit großem Schmerz“ an den „x-ten Schiffbruch im Meer von Lampedusa“ und bezeichnete diesen als Schande. Anschließend ersuchte er um Gebete für die Opfer und die Vereinigung „unserer Kräfte, auf dass sich derartige Tragödien nicht wiederholen.“