Pakistan: 12jähriges christliches Mädchen vergewaltigt, zur Bekehrung zum Islam und zur Heirat gezwungen

Christliche Mädchen gelten als Ware

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LAHORE, 11. Oktober 2011 (ZENIT.org/Fidesdienst) – Sie wurde über acht Monate hinweg immer wieder von Angehörigen einer militanten islamischen Gruppe vergewaltigt, gedemütigt und traumatisiert und schließlich zur Bekehrung und Heirat mit einem Muslim gezwungen. Dies ist die Geschichte des 12jährigen Mädchens Anna (Name von der Redaktion geändert), und ein ähnliches Schicksal widerfährt 700 anderen christlichen Mädchen und mindestens 250 hinduistischen Mädchen, die in Pakistan Opfer von Gewalt und Missbrauch werden. Muslime, so Mitarbeiter von Organisationen, die sich dieser Opfer in Punjab annehmen, zum Fidesdienst, betrachten diese Mädchen als „Objekte oder Ware und behandeln sie wie niedrigere Geschöpfe“.

Unter den Christen in Pakistan herrscht große Bestürzung nach diesem wiederholten Fall straffreier Gewalt. Wie gut informierte Quellen dem Fidesdienst berichten, „sind die Entführer und Vergewaltiger von Anna auf freiem Fuß, weil sie der radikalislamischen Gruppe Lashkar-e-Tayyaba (einer verbotenen Terrorgruppe) angehören, und die Polizei hat es sogar abgelehnt, eine ärztliche Untersuchung anzuordnen“. Der zuständige Richter nahm zwar eine Anzeige gegen mehrere muslimische Männer entgegen, brachte jedoch keinerlei einschränkende Maßnahmen gegen diese auf den Weg. Die Polizei forderte unterdessen die Eltern des Mädchens auf, diese dem „rechtmäßigen Ehemann“ (dem Vergewaltiger) zu übergeben. Andernfalls könnte ein strafrechtliches Verfahren gegen die Familie eingeleitet werden.

Anna ist die 12jährige Tochter von Arif Masih, Straßenkehrer in Shahdra, einer Kleinstadt in der Nähe von Lahore, der Hauptstadt der Provinz Punjab. Sie wurde von zwei muslimischen Männern bereits am 24. Dezember 2010 entführt, wobei die Entführer eine Freundin als Lockvogel einsetzten. Nachdem sie tagelang vergewaltigt worden war, zwang man sie zur Unterzeichnung mehrerer Dokumente, die eine Bekehrung und die Eheschließung mit Muhanmmad Irfan zertifizíeren sollen.

Am 5. Januar 2011 erstattete der Vater Anzeige gegen Unbekannte. Erst im September, acht Monate nach ihrem Verschwinden, meldete sich Anna bei der Familie aus Tanidanwalla im Distrikt Faisalabad, rund 190 Kilometer von Lahore entfernt. Sie teilte mit, man habe sie entführt, doch es sei ihr gelungen, zu flüchten. Nach ihrer Rückkehr zu den Eltern sagte sie vor dem zuständigen Richter aus. Doch Muhammad Irfan legte ein Eheschließungszertifikat vor, durch das der Tatbestand der Vergewaltigung nichtig wurde. Die Polizei riet den Eltern von Anna, sie sollen sie dem Mann übergeben. Anna und ihre Eltern leben heute an einem geheimen Ort und schützen sich so sich vor den Mitgliedern der Lashkar-e-Tayyabba, die nach ihnen suchen.

„Unter anderem ist eine Ehe unter 16 Jahren illegal. Dies zeigt, dass die Regierung, die Gerichte und die Polizei in Punjab dazu neigen, die Verbrechen radikalislamischer Gruppen zu decken und mit diesen zusammenzuarbeiten“, so ein Beobachter zum Fidesdienst. In Pakistan ist die Praxis der Entführungen und Vergewaltigungen von Mädchen aus religiösen Minderheiten weit verbreitet. Wie Amarnath Motumale, Anwalt und Mitglied der „Kommission für Menschenrechte in Pakistan“, die in allen Provinzen des Landes aktiv ist, betont, werden jeden Monat rund 20 hinduistische Mädchen verschleppt und zur Bekehrung gezwungen.

Christliche Organisationen und Vertreter der Zivilgesellschaft dokumentieren zahlreiche Fälle und Geschichten, in deren Zusammenhang die Polizei keine Ermittlungen auf den Weg brachte. Nun fordern sie das Eingreifen der Regierung und appellieren an die Vereinten Nationen mit der Bitte um Maßnahmen zur Vorbeugung gegen dies Art von Missbrauch.