Pakistan: Bischof fordert Rückgabe kirchlichen Eigentums

Zentrum mit Pflegeheim, Nähschule und Kapelle niedergerissen

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ROM, 25. Mai 2012 (ZENIT.org). - Der Apostolische Administrator der Erzdiözese Lahore, Bischof Sebastian Francis Shaw, hat im Gespräch mit dem internationalen katholischen Hilfswerk „Kirche in Not“ beklagt, dass ein im Januar widerrechtlich enteignetes und niedergerissenes kirchliches Zentrum noch immer nicht zurückgegeben worden sei. Jede Woche verspreche die Provinzregierung, das Grundstück zurückzuerstatten, jedoch geschehe nichts. „Es sieht nach leeren Versprechungen aus. Selbst nach einem Gespräch mit einem Regierungsbeamten, der uns die sofortige Rückgabe zusicherte, ist nichts passiert.“

Das Zentrum, in dem sich ein Tagespflegeheim für alte Menschen, eine Nähschule für Mädchen, eine Kapelle und ein Schwesternkonvent sowie weitere Einrichtungen der katholischen Kirche befunden hatten, war am 9. Januar 2012 unter Aufsicht eines hohen Beamten der Lokalregierung, unter Polizeischutz und mit schweren Geräten niedergerissen worden. „Selbst wenn uns die Provinzregierung das Grundstück zurückerstattet, wird sie uns nicht dafür entschädigen, dass sie die Gebäude niedergerissen hat. Wir müssen selbst für den Wiederaufbau aufkommen. Das ist ungerecht“, beklagt Bischof Shaw. 

Die Regierung mache es zudem zur Bedingung für die Rückgabe, dass die Kirche auf dem Gelände aus eigenen Mitteln eine Schule eröffne. Shaw: „Es ist nicht ausgeschlossen, dass auch dies dazu dient, die Erstattung hinauszuzögern, da die Regierung möglicherweise hofft, dass wir diese Bedingung nicht erfüllen können. Wir sind für die Regierung als Christen ein leichtes Opfer, da sie von uns keine Gewaltausbrüche zu befürchten hat“. Die Gläubigen seien sehr verärgert. „Sie sagen: ‚Wir sind gebürtige Pakistanis, wir arbeiten für den Fortschritt und das Wohl Pakistans. Die Regierung sollte uns schützen!‘“, so der Bischof. Ein Mitarbeiter der Erzdiözese befasse sich zurzeit damit, alle Dokumente, die kirchliches Eigentum in Lahore betreffen, juristisch zu prüfen.

Bereits seit 2007 gibt es einen Rechtsstreit um das seit 1887 bestehende Zentrum. Es wurde vom Staat widerrechtlich enteignet, nachdem eine zum Islam konvertierte Frau, die die Hilfe der Caritas in Anspruch genommen und in dem Zentrum eine Unterkunft gefunden hatte, Eigentumsrechte auf die von ihr bewohnten Räumlichkeiten erhoben hatte.