Pakistan: Bischof John Joseph soll Kampagne gegen Blasphemiegesetz inspirieren

Aus Protest gegen den Gotteslästerungsparagraphen erschoss sich der katholische Bischof öffentlich am 6. Mai 1998

Rom, (Fides) | 250 klicks

Am 16. Todestag von Bischof John Joseph ist dessen Opfer auch heute noch Inspiration für die pakistanischen Christen bei der Kampagne zur Abschaffung des Blasphemie-Paragraphen. Wie der Leiter der Nichtregierungsorganisation CLAAS (Centre for Legal Aid Assistance & Settlement), Nasir Saeed, betont, ist die Feier des Jahrestages seines tragischen Todes „Anlass zur Erneuerung seiner Mission im Kampf gegen die Verfolgung, die Christen wegen des Blasphemieparagraphen erleiden, der immer wieder missbraucht wird, um Gläubige einzuschüchtern, Städte und Dörfer in Brand zu stecken, Kirchen anzugreifen und unschuldige Christen zu töten oder zu inhaftieren.“

Der Bischof beging am 6. Mai 1998 Selbstmord vor einem Gericht und protestierte damit gegen das Todesurteil gegen den Christen Ayub Masih wegen angeblicher Blasphemie. Erst vier Jahre später, am 15. August 2002, wurde dessen Unschuld festgestellt und Ayub wurde vom Obersten Gericht Pakistans freigesprochen.

Die Pakistanischen Christen erinnern sich an John Joseph als „Bischof aller“ und „Menschenrechts-Bischof“. Sein Eintreten für den interreligiösen Dialog und das harmonische Zusammenleben, für soziale Gerechtigkeit und Gleichberechtigung hat sich in die Herzen der Menschen eingeprägt: Aus diesem Grund wird Bischof Joseph auch von Vertretern anderer Religionen geschätzt. „Er empfand tiefe Solidarität mit Armen und Ausgegrenzten und war stets bereit, ihr Leid zu lindern“, so Nassir Saeed. „Das Beispiel von Bischof John Joseph und seine prophetische Rolle schenken uns heute Kraft und Motivation“.

Der Bischof war über die massiven Übergriffe auf Christen in Shanti Nagar (1997) und andere ähnliche Episoden zutiefst enttäuscht und beschloss, seinem Leben aus Protest gegen das Blasphemiegesetz ein Ende zu setzen. Wahrscheinlich, so Saeed, habe er dabei gedacht: „Wo Worte kein Gehör finden, wird vielleicht eine derart verheerende Geste ein Schrei sein, der so laut ist, dass man ihn nicht ignorieren kann“.

„Wir hoffen, dass das Schicksal des Bischofs den pakistanischen Premierminister Sharif dazu bewegen wird, das Blasphemiegesetz zu ändern, damit es nicht mehr als Instrument der Verfolgung benutzt werden kann“, so Saeed abschließend. (PA)

(Quelle: Fides 6/5/2014)