Pakistan: Christen erneut grundlos wegen Gotteslästerung angezeigt

Falsche Beschuldigung erpresst

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KÖNIGSTEIN, 15. Dezember 2011 (ZENIT.org). - Das weltweite katholische Hilfswerk „Kirche in Not" berichtet erneut von zwei willkürlichen Anklagen auf der Grundlage des Blasphemiegesetzes in Pakistan. Ein Sprecher der pakistanischen Erzdiözese Lahore äußerte gegenüber „Kirche in Not", bereits am 6. Dezember sei ein Katholik von der Polizei festgenommen worden, weil ihn seine hinduistische Freundin fälschlicherweise beschuldigt hatte, Koranseiten verbrannt zu haben. Die Vorwürfe seien von den örtlichen Medien aufgegriffen und verschärft worden, betonte der Sprecher der Erzdiözese.

Die Frau hatte behauptet, ihr Freund habe Koranseiten verbrannt, um auf dem Feuer Tee zu kochen. Wie der Kirchensprecher betonte, habe sie diese Anklage jedoch nur aus Angst nach einer Todesdrohung ihrer muslimischen Vermieter erhoben. Das junge Paar habe in „wilder Ehe" zusammengelebt, da die Eltern des Katholiken der Hochzeit nicht zugestimmt hätten. Der muslimische Eigentümer ihres Wohnhauses habe die junge Frau erpresserisch genötigt, den Polizeinotruf zu wählen und ihren Freund der Blasphemie zu bezichtigen, nachdem sie sich geweigert hatte, selbst zum Islam überzutreten. Ihr sei mit Steinigung gedroht worden, da sie „in Unzucht" lebe.

Als die Polizei den Katholiken nicht zuhause antraf, habe sie seinen Neffen als Geisel verhaftet. Der Gesuchte habe sich daraufhin selbst bei der Polizei gemeldet. Zu dieser Zeit habe sich vor der Polizeistation bereits ein islamistischer Mob zusammengerottet, um das Polizeigebäude anzuzünden und den Beschuldigten zu töten. Zurzeit sitze der junge Mann in Haft und warte auf seinen Gerichtsprozess. 

Zu einer zweiten willkürlichen Anklage sei es nach Aussage des Sprechers der Erzdiözese Lahore kürzlich in einer von Ordensschwestern geleiteten katholischen Schule gekommen. Eine Schülerin der vierten Klasse wurde dabei wegen eines sinnentstellenden Schreibfehlers in einem arabischen Wort der Schmähung des Islam beschuldigt. Die Vorwürfe wurden im Anschluss auf die Lehrerin und die Schulleiterin ausgeweitet. In diesem Fall habe sich die Situation jedoch mittlerweile beruhigt, da muslimische Geistliche zu dem Ergebnis gekommen seien, dass es sich um einen unabsichtlichen Fehler des Kindes gehandelt habe, erklärte der Sprecher der Erzdiözese gegenüber „Kirche in Not".

Erst vor kurzem hatte ein muslimischer Anwalt, der in Pakistan Opfer von Blasphemievorwürfen verteidigt, gegenüber „Kirche in Not" erklärt, 95 Prozent der erhobenen Blasphemieanklagen seien falsch und dienten lediglich dazu, Rache zu üben.

Das sogenannte Blasphemiegesetz wurde in Pakistan im Jahr 1986 verabschiedet. Die Beleidigung des Korans wird mit lebenslanger Haft bestraft, auf die Schmähung des Propheten Mohammed steht die Todesstrafe. Nach Angaben der Kommission für Gerechtigkeit und Frieden der katholischen Kirche in Pakistan, die diese Fälle dokumentiert, wurden im vergangenen Jahr 38 Menschen der Blasphemie angeklagt, darunter 14 Christen. „Kirche in Not" unterstützt die Kommission finanziell, damit sie unter anderem mittellosen Angeklagten zu rechtlichem Beistand verhelfen kann.