Pakistan: Christen und Muslime verurteilen Massaker auf Diplomatenkirche

Christen um ihre Sicherheit an Ostern besorgt

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ISLAMABAD, 18. März 2002 (ZENIT.org-FIDES).- Pakistanische Religionsvertreter und Politiker verurteilen das Attentat auf die International Protestant Church in Islamabad, bei dem am Sonntag fünf christliche Gläubige verschiedener Staatsangehörigkeit ums Leben kamen und über 40 weitere Gottesdienstbesucher verletzt wurden. Dies sei nicht das Werk eines wahren Muslims sondern eine unmenschliche Tat, ist man sich einig, weshalb von der Regierung wirkungsvolle Maßnahmen zur Ermittlung der Schuldigen gefordert werden.



Der Vorsitzende der Justitia et pax-Kommission der Katholischen Pakistanischen Bischofskonferenz, Erzbischof Lawrence Saldanha von Lahore, verurteilte das Attentat und forderte Gerechtigkeit von der Regierung. Der Beauftragte für den interreligiösen Dialog, Bischof Andrew Francis von Multan und sein Assistent P. Francis Needam baten die Regierung um verstärkte Sicherheitsmaßnahmen in der Umgebung von Kirchen.

Der protestantische Bischof von Lahore, Alexander John Maik, erklärte gegenüber der vatikanischen Agentur Fides, dass "einige Elemente versuchen wollen, das Bemühen um Verständigung zwischen Muslimen und Christen zu vereiteln".

Im Gespräch mit Fides wies der Sprecher des Ausschusses für den interreligiösen Dialog, Pater Bernard Inayat darauf hin, dass das Attentat, kurz vor der für die christliche Glaubensgemeinschaft wichtigen Karwoche und dem darauffolgenden Osterfest verübt wurde: "Fundamentalisten mögen weder Frieden noch Ruhe sondern sie wünschen sich allerorts Unordnung und Verwirrung. Die Christen fühlen sich weiterhin verunsichert. Dieses Attentat wird den Gottesdienstbesuch bei den bevorstehenden Osterliturgien beeinträchtigen. Sowie es bei dem Attentat in Bahawalpur vor Weihnachten geschehen war, wird dies nun an Ostern so sein", betonte P. Inayat gegenüber Fides.

Der pakistanische Innenminister und ehemalige Armeegeneral Moindin Hyder erklärte, bei den Tätern handle es sich weder um Freunde des Islam noch um Freunde Pakistans und der Menschheit. Nach Aussage des pensionierten Generals bemüht sich die Regierung in Pakistan jedoch ernsthaft um die Bekämpfung des Terrorismus im eigenen Land: "Es werden Treffen auf höchster Ebene konstituiert, die das Ergreifen weiterer Maßnahmen zur Sicherheit und zur Garantie für Gläubige in Pakistan zum Ziel haben", bekräftigte Hyder.

Auch andere muslimische Persönlichkeiten verurteilten die anti-christliche Gewalt und forderten Gerechtigkeit von der Regierung. Nach Ansicht des muslimischen Religionsführer Qazi Hussain Ahme, "trägt die Regierung die Verantwortung für den Schutz der Minderheiten in Pakistan".

Der 50-jährige Pfarrer Theodore Darshan, der die Gemeinde in Khanewal betreut, wo am 6. Februar 1997 ein christliches Dorf dem Erdboden gleich gemacht wurde, bat die Regierung um weitere Maßnahmen zur Bekämpfung des Terrorismus.

Im Gespräch mit Fides betonte er: "Dieses Ereignis ist traurig und niemand war darauf gefasst", so der Pfarrer zum Attentat vom Sonntag, "denn wir dachten, dass es der Regierung gelingen würde, Fundamentalisten und Terroristen unter Kontrolle zu halten. Doch dieses Attentat ist ein Beweis dafür, dass der Terrorismus immer noch stark und die Kontrolle unwirksam ist. Noch einmal ist die pakistanischen Regierung im Versuch, die christliche Glaubensgemeinschaft zu schützen, gescheitert. Angesichts der Erfahrungen der Vergangenheit bereitet uns dies zunehmend Sorge. Nach diesem erneuten terroristischen Akt werden wir noch wachsamer sein", kommentierte der Pfarrer das Geschehene.